Ranking des Weltwirtschaftsforums: Frankreich und Italien bleiben auf der Strecke

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Ranking des Weltwirtschaftsforums: Frankreich und Italien bleiben auf der Strecke

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Finnland und Deutschland sind bei der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaftet weit vorne, Frankreich und Italien fallen immer weiter ab.

von Tim Rahmann

Die Kluft zwischen den Volkswirtschaften in der Euro-Zone wird größer. Nicht nur Deutschland und Finnland ziehen Frankreich und Italien davon. Inzwischen werden Paris und Rom auch von Spanien und Portugal düpiert.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF), bekannt durch das jährliche Gipfeltreffen der Elite im Januar in Davos, ist nicht für Panikmache bekannt. Vielmehr versucht die internationale Organisation, die viele Studien betreibt, Brücken zu bauen. Vordenker, Politiker und Wirtschaftsbosse sollen zusammengeführt werden, um den „Zustand der Welt zu verbessern“, wie das WEF über sich selbst sagt. Umso erstaunlicher ist es, mit welch deutlichen Worten die Schweizer in ihrem neuesten Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit, dem „Global Competitiveness Report, der am Mittwochmorgen präsentiert wird, die Reformverweigerer zum Handeln auffordern.

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„Die Gesundung der Weltwirtschaft in gefährdet“, so die Studienautoren um Xavier Sala-i-Martin, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Columbia University in den USA, „da bestimmte Länder mit der Umsetzung der nötigen strukturellen Reformen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums zu kämpfen haben“. Gemeint sind damit auch und insbesondere zwei der größten Volkswirtschaften in der Euro-Zone, Frankreich und Italien. Während „eine Reihe von europäischen Ländern“, die Rede ist von Spanien, Portugal und auch Griechenland „beachtliche Fortschritte bei ihren Bemühungen zur Ankurbelung ihrer Märkte erzielt“ haben, seien Paris und Rom „noch nicht voll in diesem Prozess eingebunden“, so die WEF-Studie.

Hintergrund

  • So entsteht das Ranking

    Die Rangliste der Wettbewerbsfähigkeit des Global Competitiveness Report basiert auf dem Global Competitiveness Index (GCI), der 2004 vom Weltwirtschaftsforum eingeführt wurde. Der Begriff „Wettbewerbsfähigkeit“ wird dabei als Gesamtheit der Institutionen, politischen Maßnahmen und Faktoren, die das Produktivitätsniveau eines Landes bestimmen, definiert. Die GCI-Punktzahl ergibt sich durch die Erhebung landesweiter Daten in 12 Kategorien – den Säulen der Wettbewerbsfähigkeit –, die gemeinsam ein umfassendes Bild der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes vermitteln. Diese 12 Säulen sind: Institutionen, Infrastruktur, makroökonomisches Umfeld, Gesundheit und Grundschulbildung, Hochschulbildung und Ausbildung, Effizienz der Gütermärkte, Arbeitsmarkteffizienz, Entwicklungsgrad der Finanzmärkte, technologischer Entwicklungsgrad, Marktgröße, Entwicklungsgrad der Unternehmen und Innovation.

Frankreich, nach Deutschland die zweitgrößte Wirtschaft im Euro-Raum, liegt auf Rang 23 der 144 untersuchten Länder. Damit konnte der vierjährige Abwärtstrend, seit 2009 ging es jährlich bergab, gestoppt werden. Doch Stillstand bedeutet im Fall von Frankreich Rückschritt. Denn nicht nur, dass der Abstand zu Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Schweden immer größer wird. Selbst Katar, Neuseeland und Belgien liegen in Sachen Wettbewerbsfähigkeit vor Frankreich.

Das Land zehrt von seiner Infrastruktur, die zu den besten der Welt gehört, und dem Bildungssystem, das in der Breite wie in der Spitze top ist. Ganz anders sieht es auf dem Arbeitsmarkt und bei den öffentlichen Finanzen aus. Ersterer ist viel zu unflexibel und starr, Platz 109 (!). Zweites Sorgenkind ist die öffentliche Verschuldung: Der Schuldenstand ist hoch, der Haushalt weit davon entfernt, ausgeglichen zu sein. Das Spitzenrating haben die drei großen Ratingagenturen Frankreich längst erzogen. Im internationalen Vergleich landet Frankreich bei den öffentlichen Finanzen nur auf Rang 82, neun Plätze schlechter als im Vorjahr.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Schweden verfügt über starke Institutionen (Rang 13), die sowohl transparent als auch effizient sind. Auch die Infrastruktur ist stabil (Rang 22). Die Staatsverschuldung ist niedrig und die Wirtschaft gesund (Rang 17).
    Noch wichtiger für die Wettbewerbsstärke der Skandinavier ist aber das innovationsfreundliche Umfeld im Land. Das Bildungssystem ist von hoher Qualität (Rang 14). In puncto Informations- und Kommunikationstechnik macht Schweden in der Welt kaum jemand etwas vor (Rang 3). Auch was die Innovationskraft angeht, sind die schwedischen Firmen weit vorn (Rang 6). Der Grund dafür ist wohl der hohe Wettbewerb (Rang 21), der für die Unternehmen ein Anreiz ist, sich stets weiterzuentwickeln.
    Weniger gut schneiden Schwedens stark regulierter Arbeitsmarkt (Rang 59) und das Steuersystem (Rang 119) ab.

  • Platz 9

    Großbritannien profitiert vor allem von seinem hervorragenden Arbeitsmarkt (Rang 5) und seinem hoch entwickelten Finanzsystem (Rang 15). Dass es nicht weiter vorn im Ranking steht, liegt an dem britischen Bankensystem (Rang 89) und dem schwierigen Zugang zu Krediten (Rang 82) – beides schadet der Wettbewerbsfähigkeit.
    In Sachen Informations- und Kommunikationstechnik belegen die Briten den zweiten Rang weltweit. In Verbindung mit einem sehr großen (Rang 6) und wettbewerbsstarken (Rang 5) Markt ist die Informations- und Kommunikationstechnik der Grund für eine hohe Innovationskraft (Rang 12).
    Wollen die Briten wettbewerbsfähiger werden, sollten sie an ihrem Bildungssystem arbeiten (Rang 23). Vor allem in Mathematik und in den Naturwissenschaften schneiden britische Schüler nicht gut ab (Rang 63).

  • Platz 8

    Die Niederländer verfügen über ein exzellentes Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 3), hohe Informations- und Kommunikationstechnik (Rang 8) und eine großen Innovationskraft (Rang 8). All das führt zu Unternehmen (Rang 5), die auch am internationalen Markt gut dastehen.
    Dazu kommen effiziente Institutionen (Rang 10), eine erstklassige Infrastruktur (Rang 4) und wettbewerbsintensive (Rang 5) Märkte.
    Arbeiten müssen die Niederländer an ihrem unflexiblen Arbeitsmarkt (Rang 123) und an den Schwächen des Finanzsystems (Rang 80), die auch den Zugang zu Krediten immer schwieriger gestalten (Rang 48).

  • Platz 7

    Hongkongs Gütermarkt (Rang 2) und Arbeitsmarkt (Rang 3) sind Weltklasse.
    Will Hongkong seine Wettbewerbsfähigkeit weiter entwickeln, sollte es an seinem Bildungssystem (Rang 22) und seiner Innovationsfähigkeit arbeiten. Zudem ist Hongkong ein schwacher Forschungsstandpunkt (Rang 32) und es fehlt an Wissenschaftlern und Ingenieuren (Rang 36).

  • Platz 6

    Japan verfügt über die weltweit am höchsten entwickelten Unternehmen (Rang 1). Auch in puncto Innovation spielt Japan vorne mit (Rang 4). Viel Geld investiert Japan in Forschung und Innovation (Rang 2). Infolgedessen verfügt das Land über hervorragende Arbeitskräfte (Rang 3), gefragte Forschungsinstitutionen (Rang 7) und eine hohe Innovationskraft (Rang 7). Das alles zahlt sich aus: Japan meldet pro Einwohner am zweitmeisten Patente weltweit an.
    Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes leidet unter den Haushaltsproblemen (Rang 127). Die Staatsverschuldung liegt derzeit bei 240 Prozent des BIPs. Allerdings hat es Japan geschafft, die Deflation einzudämmen. Auch der japanische Arbeitsmarkt (Rang 22) bereitet der Wettbewerbsfähigkeit Probleme. Vor allem der Frauenanteil auf dem Arbeitsmarkt (Rang 88) ist mit der niedrigste in sämtlichen OECD-Ländern.

  • Platz 5

    Bis jetzt hat Deutschland dank seiner hohen Wettbewerbsfähigkeit (Rang 3) und seiner hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung (Rang 6) die Euro-Krise gut überstanden. Die deutschen Unternehmen stecken ebenfalls viel Geld in die Forschung (Rang 5). Die eigenen Innovationen befördern Unternehmen in Deutschland zudem durch Kooperationen mit Universitäten (Rang 10) und Forschungslaboren (Platz 8).
    Die vielen Mittelständler in Deutschland sind in Nischenmärkten tätig und können sich daher stark spezialisieren (Rang 3). Die hervorragende Infrastruktur (Rang 7) und die exzellente Ausbildung (Rang 6) komplettieren Deutschlands Stärken.
    Um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit könnte es aber noch besser bestellt sein, wenn Deutschland weiter an der Effizienz seines Arbeitsmarkts arbeitete (Rang 35, 2012: 53). In Anbetracht des demografischen Wandels sollte Deutschland zudem weiter die Immigration forcieren und mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integrieren. Das größte Problem ist aber nach wie vor die hohe Staatsverschuldung (Rang 118).

  • Platz 4

    Finnlands Institutionen sind die transparentesten der Welt (Rang 1). Auch die Infrastruktur von Finnland kann sich sehen lassen (Rang 19), ebenso wie der Gütermarkt (Rang 18). Finnlands Finanzsystem ist hoch entwickelt (Rang 5). Die finnischen Arbeitskräfte sind hervorragend ausgebildet (Rang 7), was neben den hohen öffentlichen und privaten Investitionen in die Forschung (Rang 3) zur höchsten Innovationskraft weltweit führt (Rang 1).
    Getrübt wird die Wettbewerbsfähigkeit Finnlands durch die schwachen Aufstiegschancen am Arbeitsmarkt (Rang 143).

  • Platz 3

    Trotz der Krise, in der sich die USA befinden, sind sie im höchsten Maß wettbewerbsfähig. Die Unternehmen florieren (Rang 4) und sind innovativ (Rang 5). Die Verknüpfung der Wirtschaft mit den exzellenten Universitäten des Landes befördert dies. Zudem ist der Arbeitsmarkt sehr flexibel.
    Nichtsdestotrotz hat auch Amerika Schwächen: Das Vertrauen der Unternehmen in die Politik ist gering (Rang 48). Die Unternehmer sind der Meinung, die Regierung gehe zu verschwenderisch mit ihren Ressourcen um (Rang 73). Trotz der sinkenden Staatsverschuldung stellt auch der Haushalt der USA nach wie vor eine starke Schwäche dar (Rang 113).

  • Platz 2

    Singapurs Arbeitsmarkt ist hocheffizient (Rang 2) ebenso der Finanzmarkt. Darüber hinaus verfügt der Insel- und Stadtstaat über Weltklasse Institutionen (Rang 3) und eine starke Infrastruktur (Rang 2). Die Wettbewerbsfähigkeit wird befördert durch Singapurs hervorragendes Bildungssystem (Rang 2).
    Jammern auf hohem Niveau kann Singapurs über seinen Privatsektor (Rang 19). Auch in puncto Innovation (Rang 9) könnte Singapur noch zulegen.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft ist zum sechsten Mal in Folge die Schweiz. Sie verfügt über erstklassige akademische Institutionen, ein hervorragendes Bildungs- und Ausbildungssystem, investiert viel Geld in Forschung und Entwicklung und meldet die meisten Patente pro Kopf an (Rang 1).
    Der Arbeitsmarkt sucht weltweit seinesgleichen (Rang 1). Auch die öffentlichen Institutionen gelten als effizient und transparent (Rang 7). Weiter befördert wird die Wettbewerbsfähigkeit durch die gut ausgebaute Infrastruktur und die hochentwickelten Finanzmärkte (Rang 11). In einer Zeit, in der die meisten europäischen Länder mit ihren Haushalten zu kämpfen haben, erweist sich der Schweizer Haushallt als äußerst widerstandsfähig (Rang 12).
    Allerdings lässt die Innovationskraft der Schweiz nach (Rang 24, 2012: Rang 14). Auch an ihrer Haltung zur Immigration muss die Schweiz arbeiten, will sie auch in Zukunft ihren Standard halten.

Auch in Italien bleiben wichtige Strukturreformen links liegen. Der Stiefelstaat, der auf der europäischen Ebene derzeit dafür plädiert mehr Schulden machen zu dürfen, landet im Vergleichsranking insgesamt auf Rang 49, weit hinter Spanien (Platz 35) oder Portugal (Platz 36), oder auch Mauritius und Aserbaidschan. Die Probleme sind vielschichtig: Die Steuern sind zu hoch (Rang 134), die Behörden korrupt, ineffizient oder gleich beides (Rang 106), der Arbeitsmarkt zu starr (Rang 136). Probleme, die längst bekannt sind. Doch weder ein Silvio Berlusconi, noch ein Mario Monti, Enrico Letta oder aktuell ein Matteo Renzi haben im Amt des Ministerpräsidenten die nötigen Reformen auf den Weg gebracht, um die verkrusteten Strukturen zu beseitigen. So fällt Italien weiter zurück.

Mit neuen Schulden sind Italiens Probleme nicht zu lösen

Das Land lechzt nach Erneuerung. Mit neuen Schulden aber sind die Probleme nicht zu lösen. Das macht die WEF-Studie deutlich. Studienleiter Xavier Sala-i-Martin bilanziert: „In letzter Zeit hat sich die Kluft zwischen Schwellenländern und Industrieländern geschlossen, welche die Jahre nach der weltweiten Rezession kennzeichnete. Stattdessen hat sich eine neue Kluft aufgetan, und zwar zwischen schnell und langsam wachsenden Volkswirtschaften, von der Schwellenländer und Industrieländer gleichermaßen betroffen sind. Der entscheidende Faktor, der hier den Unterschied macht und schnelles Wachstum ermöglicht, lautet Wettbewerbsfähigkeit durch strukturelle Reformen."

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