Rating-Agenturen: Angriff auf S&P, Moody's und Fitch

Rating-Agenturen: Angriff auf S&P, Moody's und Fitch

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Dr. Markus Krall von der Unternehmensberatung Roland Berger. Sein Ziel ist die Gründung einer europäischen Rating-Agentur.

Quelle:Zeit Online

Die Macht der angelsächsischen Rating-Agenturen ist enorm. Jetzt versucht ein deutscher Pionier, sie zu brechen.

Markus Krall ist Europas letzte Hoffnung. Er weiß: Der Kontinent braucht seinen Erfolg. Und so fliegt der Mann von der Unternehmensberatung Roland Berger seit ein paar Wochen quer durch Europa und besucht fast jeden Tag eine Bank, eine Versicherung oder einen Anlagefonds. Fast jeden Tag spricht der 49-Jährige mit einem Vorstandsvorsitzenden, zeigt eine Präsentation und verteilt jede Menge Papier. Das gilt es durchzuarbeiten. Zu erklären.

Immer in der Hoffnung, dass irgendwann im Lauf des Tages der Vorstandsvorsitzende dem Besucher aus Deutschland tief in die Augen schaut und sagt: Wir sind dabei. Wir unterschreiben.

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Rund 60 solcher Besuche sind insgesamt anberaumt – und am Ende will Krall rund 30 Unterschriften haben. Jede im Wert von durchschnittlich zehn Millionen Euro. 300 Millionen Euro einzusammeln, das ist Kralls Ziel.

Die großen drei Ratingagenturen

  • Standard & Poor’s Ratings Services

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.767 Millionen Dollar (52 % USA, 48 % international)

    Profit 2011: 719 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.345

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.190.500

    Eigentümer: S&P Ratings Services zählt zum Finanzdienstleister S&P, der 3,1 Milliarden Dollar Umsatz erzielt und derzeit dem Verlagshaus McGraw-Hill gehört. Dieses steht vor der Aufspaltung – bald dürfte S&P allein an der Börse sein.

    Wurzeln: Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1860 zurück, 1941 entstand S&P durch die Fusion zweier Firmen. In den achtziger Jahren folgte die globale Expansion. In Europa arbeiten heute rund 500 Analysten – zumeist Europäer.

  • Moody’s Investors Service

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.569 Millionen Dollar (56 % USA, 44 % international)

    Profit 2011: 690 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.204

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.039.187

    Eigentümer: MIS ist Kern der börsennotierten Moody’s Corporation, die 2,3 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Ihre Anteilseigner decken sich stark mit denen McGraw-Hills. Unter ihnen: Capital World, Vanguard, BlackRock.

    Wurzeln: Moody’s gilt im Vergleich zu S&P als verschwiegener, zentralisierter und weniger zahlenfixiert. Die Geschichte der Firma beginnt 1909 in den USA. Derzeit führen Europäer die Teams zur Bewertung von Staaten und Banken.

  • Fitch Ratings

    Hauptquartier: New York/London

    Umsatz 2011: 733 Millionen Dollar (39 % USA, 61 % international)

    Profit 2011: 227 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.049

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 505.024

    Eigentümer: Seit einem Teilverkauf im Februar gehören 50 Prozent dem familieneigenen US-Medienkonzern Hearst. Der Rest gehört Fimalac, einer börsennotierten französischen Holding, dominiert von Marc Ladreit de Lacharrière.

    Wurzeln: 1992 erwarb der Franzose Ladreit de Lacharrière die britische Agentur IBCA. 1998 folgte der Zusammenschluss mit der US-Agentur Fitch, deren Anfänge bis 1913 zurück reichen. Fitch sieht sich in der Branche als Underdog.

300 Millionen Euro, um aus dem Nichts eine europäische Rating-Agentur aufzubauen. Viele sind in den vergangenen 20 Jahren an diesem Ziel gescheitert. Kralls Versuch ist wahrscheinlich die letzte Möglichkeit für Europa, den drei angelsächsischen Rating-Agenturen etwas entgegenzusetzen, die das Geschäft mit der Kreditwürdigkeit weltweit dominieren: Standard & Poors’s Ratings Services (S&P), Moody’s Investors Service und Fitch Ratings. Die großen drei, wie sie genannt werden.

Beflügelt wird Markus Krall von dem Gefühl, dass die großen drei in Europa kaum noch Freunde haben. In den vergangenen Monaten haben sie allesamt die Bonität mehrerer Staaten auf einmal herabgestuft und Investoren weltweit verschreckt – in einer Zeit, in der die Regierungen hoffen, den Euro endlich zu stabilisieren. Europa wehrte sich: In Italien durchsuchten Ermittler Büros von Rating-Agenturen, ein österreichischer Notenbanker sprach von einer »politischen Aktion«, deutsche Politiker wüteten ob eines »Währungskriegs« und der »Attacken auf den Euro«. Mancher witterte eine Verschwörung: Ihr macht Europa kaputt, um den amerikanischen Finanzkapitalismus zu verbreiten. Die EU-Kommission beäugt sogar die Eigentumsverhältnisse bei S&P und Moody’s misstrauisch und will die Agenturen härter regulieren. Die Europäische Zentralbank hat mit ihren Milliarden für Europas Banken für den Moment die Krise des Kontinents entschärft, doch Europas Staaten und ihre Reformen müssen sich weiter dem Urteil der drei stellen, wenn sie sich Geld leihen wollen.

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