Ratingagenturen: Falsche Hoffnungen der EU

KommentarRatingagenturen: Falsche Hoffnungen der EU

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Die Ratingagenturen müssen künftig mit strengeren Regeln leben.

von Tim Rahmann

Die Europäische Union hat strengere Gesetze für Ratingagenturen beschlossen. Bessere Urteile von Moody’s, Fitch oder Standard & Poor’s wird es dennoch nicht geben.

Die Europäische Union hat genug von den schlechten Urteilen der Ratingagenturen. Das Parlament in Straßburg hat einem Gesetz zugestimmt, dass die Arbeit von Moody’s, Fitch oder Standard & Poor’s künftig deutlich erschwert. So dürfen die Bonitätsprüfer nur an drei vorher festgelegten Terminen verkünden. Dies darf nur außerhalb der Geschäftszeiten sein und rechtzeitig, bevor in Europa die Börsen öffnen. So will die EU nervöse Reaktionen der Märkte abmildern.

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Dass die Agenturen in der Vergangenheit schon mehrmals daneben lagen, ist unbestritten. Die US-Finanzkrise haben die US-Ratingagenturen verschlafen, auch dem US-Konzern Enron bescheinigten S&P und Moody’s bis unmittelbar vor dessen Insolvenz eine „vorzügliche Bonität“. Aber: Die Bewertung der Euro-Staaten seit dem Ausbruch der Finanzkrise, die quer über den Kontinent für Ärger sorgten, war bislang nachvollziehbar. Frankreich, das im Reformstau feststeckt, verdient keine Top-Bonitätsnote. Zypern und Griechenland lieh schon vor dem Abwertungsregen der Ratingagenturen kaum ein Investor Geld. Hier den Ratingagenturen die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist Augenwischerei.  

Die großen drei Ratingagenturen

  • Standard & Poor’s Ratings Services

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.767 Millionen Dollar (52 % USA, 48 % international)

    Profit 2011: 719 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.345

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.190.500

    Eigentümer: S&P Ratings Services zählt zum Finanzdienstleister S&P, der 3,1 Milliarden Dollar Umsatz erzielt und derzeit dem Verlagshaus McGraw-Hill gehört. Dieses steht vor der Aufspaltung – bald dürfte S&P allein an der Börse sein.

    Wurzeln: Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1860 zurück, 1941 entstand S&P durch die Fusion zweier Firmen. In den achtziger Jahren folgte die globale Expansion. In Europa arbeiten heute rund 500 Analysten – zumeist Europäer.

  • Moody’s Investors Service

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.569 Millionen Dollar (56 % USA, 44 % international)

    Profit 2011: 690 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.204

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.039.187

    Eigentümer: MIS ist Kern der börsennotierten Moody’s Corporation, die 2,3 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Ihre Anteilseigner decken sich stark mit denen McGraw-Hills. Unter ihnen: Capital World, Vanguard, BlackRock.

    Wurzeln: Moody’s gilt im Vergleich zu S&P als verschwiegener, zentralisierter und weniger zahlenfixiert. Die Geschichte der Firma beginnt 1909 in den USA. Derzeit führen Europäer die Teams zur Bewertung von Staaten und Banken.

  • Fitch Ratings

    Hauptquartier: New York/London

    Umsatz 2011: 733 Millionen Dollar (39 % USA, 61 % international)

    Profit 2011: 227 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.049

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 505.024

    Eigentümer: Seit einem Teilverkauf im Februar gehören 50 Prozent dem familieneigenen US-Medienkonzern Hearst. Der Rest gehört Fimalac, einer börsennotierten französischen Holding, dominiert von Marc Ladreit de Lacharrière.

    Wurzeln: 1992 erwarb der Franzose Ladreit de Lacharrière die britische Agentur IBCA. 1998 folgte der Zusammenschluss mit der US-Agentur Fitch, deren Anfänge bis 1913 zurück reichen. Fitch sieht sich in der Branche als Underdog.

Für nervöse Marktreaktionen werden weiterhin die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone sorgen, sollten sie Reformen verweigern und weiter mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Schlechte Politik wird von den Märkten bestraft – egal, ob negative Wirtschaftsdaten vor oder nach Börsenschluss bekannt gegeben werden. Die strengeren Regeln jedenfalls werden der Euro-Zone keine besseren Ratings bescheren.

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Zweiter Kernpunkt der neu beschlossenen Regeln: Die Agenturen müssen künftig für ihre Urteile geradestehen. Investoren bekommen die Möglichkeit, Ratingagenturen für Fehlurteile zu verklagen. Der Wunsch ist nachvollziehbar, aber nur schwerlich in der Realität durchzusetzen. Die Ratingagenturen berufen sich auf das Recht auf freie Meinungsäußerung, Finanzexperten bezweifeln, dass eine Haftung rechtlich durchsetzbar ist.

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