Ratingagenturen: Warum Finnland sein Rating behalten darf

Ratingagenturen: Warum Finnland sein Rating behalten darf

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Finnland darf als einer der wenigen sein Top-Rating behalten, der Ausblick ist stabil

Moodys hat den Ausblick für Deutschlands Bewertung auf negativ gesenkt. Selbst Luxemburg und die Niederlande stehen im Fokus der Ratingagenturen. Warum ausgerechnet Finnland sein Triple A-Rating behalten darf.

Finnland könnte als einziger Euro-Staat die höchste Bonitätsnote AAA behalten. Die Ratingagentur Moody's droht Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg mit dem Verlust des begehrten Triple-A. Finnland wurde jedoch ausdrücklich ausgenommen, der Ausblick als "stabil" bestätigt, womit die Spitzennote mittelfristig gesichert ist.

Ratingagenturen ABC

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

  • Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

    Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

  • Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

    Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

  • Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

    Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

  • Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

    Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Zu verdanken haben das die Nordeuropäer ihrem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten Bankensystem. Von ihm gingen nur geringe Risiken für den Staatshaushalt aus, hebt Moody's hervor. Als weiteren Pluspunkt nennt die Agentur die erfolgreichen Bemühungen der Regierung, ihre durch die Beteiligung an den Euro-Rettungspaketen eingegangenen Risiken zu begrenzen. Spanien musste Finnland im Gegenzug Sicherheiten im Wert von bis zu 770 Millionen Euro zusagen. Diese Summe entspricht etwa 40 Prozent des finnischen Anteils am 100-Milliarden-Euro großen Paket zur Rettung der spanischen Banken. Ähnlich war Finnland zuvor mit Griechenland verfahren. Kommt es zum Zahlungsausfall, erhalten die Nordeuropäer zumindest einen Teil ihres Geldes zurück.

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Verdient haben sich die Finnen ihr AAA aber auch durch eine solide Finanzpolitik. Sie haben noch nie die in den EU-Verträgen festgelegte Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschritten - im Unterschied etwa zu Deutschland, das einst die Einführung dieser Hürde durchsetzte. Zudem ist die Staatsverschuldung Finnlands vergleichsweise gering: Sie liegt bei 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, in Deutschland bei mehr als 80 Prozent. Finnland kommt auch zugute, dass die Exportwirtschaft weit weniger stark von der Euro-Zone abhängig ist als etwa die deutsche. Aus Finnland gehen nur rund ein Drittel der Ausfuhren in die anderen Staaten der Währungsunion, während Deutschland mehr als 40 Prozent seines Exportumsatzes in den anderen Euroländern macht.

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