Ratsentscheidung: EZB veröffentlicht ab 2015 ihre Protokolle

Ratsentscheidung: EZB veröffentlicht ab 2015 ihre Protokolle

, aktualisiert 03. Juli 2014, 15:58 Uhr

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent. Dafür plant sie ab dem kommenden Jahr eine Transparenzoffensive.

Mit Spannung wurde der EZB-Sitzung am Donnerstag entgegengefiebert. Der Rat der Europäischen Zentralbank hat nun beschlossen, dass der Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent bleibt. Künftig will die Europäische Zentralbank aber nur noch alle sechs Wochen über ihre Zinspolitik entscheiden. Die neue Regelung gilt ab Januar 2015, wie EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt sagte. Bisher trifft sich der EZB-Rat zwei Mal im Monat und entscheidet jeweils zu Monatsanfang über die Geldpolitik. Auch die US-Notenbank berät nur alle sechs Wochen über ihre Leitzinsen. Die EZB will ab nächstem Jahr zudem Protokolle ihrer Sitzungen veröffentlichen, wie Draghi sagte.

Bis zu einer Billion Euro

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Weiterhin teilte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt mit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte mit Geldspritzen von bis zu einer Billion Euro versorgen wolle. Auf diese Summe könnten sich die Anfang Juni angekündigten Maßnahmen belaufen. Banken könnten einzeln oder in Gruppen von der Liquidität mittels sogenannte Langfristtender profitieren. Dabei sollen Institute dann frische Gelder erhalten, wenn sie überdurchschnittlich Kredite vergeben, wie Draghi hinzufügte. Er hatte bereits für September und Dezember zwei Geldspritzen über rund 400 Milliarden Euro angekündigt. Zudem soll es zwischen März 2015 und Juni 2016 sechs weitere solcher Maßnahmen geben.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Die Währungshüter hatten vor einem Monat ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt, erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt und zudem milliardenschwere Geldspritzen angekündigt, mit denen die Kreditvergabe angekurbelt werden soll. Zahlreiche Details zu letzteren Maßnahmen stehen aber noch aus - etwa welchen Umfang die Kreditvergabe der Banken erreichen muss, damit sie das billige Geld nicht nach zwei Jahren vorzeitig zurückzahlen müssen.

Es ist unklar, ob EZB-Präsident Mario Draghi die Details der im September und Dezember anstehenden ersten beiden Geldspritzen bereits nach der Juli-Sitzung des EZB-Rats bekanntgeben wird oder ob sich Banken, Analysten und Beobachter noch bis August gedulden müssen. Feststeht nur, dass sich die Banken bis zu 400 Milliarden Euro bei der EZB abholen können, wenn sie es wollen.

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Es werde wahrscheinlich bis zum Jahresende dauern, bevor die jüngsten EZB-Maßnahmen sich deutlich bemerkbar machen, vermutet ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski: „Wir erwarten, dass die Ruhe nach dem Sturm für einige Zeit anhält.“ Gegen schnelle weitere Schritte spricht auch, dass die Währungshüter ihr Pulver schon weitgehend verschossen haben. Beim Leitzins sei nun „der untere Rand erreicht“, hatte EZB-Präsident Mario Draghi eingeräumt.

Vor dem EZB-Entscheid und den US-Jobdaten haben die europäischen Börsen am Donnerstag zugelegt. Der Dax gewann am Vormittag 0,4 Prozent auf 9948 Punkte, der EuroStoxx50 stieg um 0,3 Prozent auf 3261 Zähler. Anleger rätselten, ob die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrem geldpolitischen Feuerwerk nochmals aktiv wird. "Zumindest hoffen einige Marktteilnehmer darauf, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Türen für weitere Lockerungen offen lässt", sagte ein Händler.

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