Raus aus dem Rettungsschirm: Irlands riskanter Rückzug

16. Mai 2013
Eamon Gilmore Quelle: dpaBild vergrößern
Eamon Gilmore Quelle: dpa
von Yvonne Esterházy

Ende dieses Jahres steigt Irland aus dem EU-Rettungspaket aus. Der Immobilienmarkt, auf dem die Krise begann, erholt sich wieder. Doch die Staatsschulden sind immer noch zu hoch.

Im Ballsaal des traditionsreichen Shelbourne Hotels mit seinen Ölgemälden, goldgerahmten Spiegeln und schweren Vorhängen ist kein Stuhl mehr frei. Mehr als 1000 Schnäppchenjäger – viele von ihnen im Rentenalter, auch einige Ausländer sind darunter – haben sich an diesem Frühlingsmorgen im Fünfsternehotel am St. Stephen’s Green in Dublin eingefunden. Die meisten von ihnen halten einen knallig pinken Häuserkatalog in den Händen. Hinten stehen die Besucher dicht gedrängt und recken die Hälse, vorne führt Auktionator Gary Murphy ein strenges Regiment: „Sobald der Hammer gefallen ist, hat der Bieter einen rechtlich bindenden Vertrag geschlossen.“

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Und schon geht’s los: Angeboten wird eine Dreizimmerwohnung in Dublin, den Zuschlag erhält für 127 500 Euro ein Asiate, der die ältere Lady in der dritten Reihe überboten hat. Beim nächsten Mal hat sie Glück – „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“ – schon gehört das Einzimmerapartment ihr. Das Tempo bleibt rasant: Am Ende haben 117 der 138 angebotenen Wohn- oder Geschäftsimmobilien für insgesamt 13,7 Millionen Euro den Besitzer gewechselt.

Teuerstes Objekt war mit 640.000 Euro ein elegantes Dubliner Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert, das – nach einem heftigen Bieterkampf – an einen jungen Mann mit Lederjacke und langen Haaren ging. „Erst vor wenigen Wochen hatte ein Investor dieses und ein weiteres Haus für insgesamt knapp 900.000 Euro gekauft. Der hat jetzt einen guten Gewinn gemacht“, sagt später Robert Hoban, Associate Director beim Auktionshaus Allsop Space, das inzwischen fünf Mal im Jahr Versteigerungen im Shelbourne Hotel veranstaltet.

Schuldenstand und Haushaltssaldo in Irland
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„Seit die irische Immobilienblase 2007 geplatzt ist und das Land in eine tiefe Krise gestürzt hat, sind die Preise für Wohnimmobilien um bis zu 60 Prozent und für Gewerbeobjekte um bis zu 70 Prozent gefallen“, berichtet Hoban. „Doch nun haben sie sich in Dublin, Cork und Galway stabilisiert.“ Der Internationale Währungsfonds (IWF) konstatiert, die Hauspreise hätten seit Juni 2012 wieder um etwa ein Prozent zugelegt. „Die Zahl der Käufe und Verkäufe zieht an, das gilt vor allem für Dublin – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau“, so der IWF.

Die niedrigen Preise locken Schnäppchenjäger aus dem In- und Ausland an – darunter auch Fonds aus Deutschland. Viele Iren leben heute zur Miete, deswegen hoffen Investoren auf eine Rendite von bis zu zwölf Prozent. Für ausländische Fonds sind vor allem große Gewerbeimmobilien interessant. Aber auch viele Iren, so sie es sich leisten können, greifen wieder zu.

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Kommentare | 4Alle Kommentare
  • 19.05.2013, 16:29 Uhrr.buchman@emaildeutschland.de

    "Schulden können in ganz Europa nur abgezahlt werden, wenn es Wachstum gibt" was den für einen wachstum etwa die künstliche wachstumsblasen die erzeugt werden, die neben wachstum auch noch ne katastrophale ökobilanz nach sich ziehen.

  • 19.05.2013, 14:08 Uhrallesverloren

    Ich bin immer wieder erstaunt über den Unterton mancher Artikel sowie deren Kommentare.

    Wir sollten alle froh sein, dass es noch Länder in Europa gibt, die sich ihrer Verantwortung stellen. Natürlich wird das nicht einfach sein, aber es zeugt von politischem Mut und Gemeinsinn, wenn man nicht alle Probleme, die man zu hause verursacht, den Europäern vor die Tür wirft.

    Schulden können in ganz Europa nur abgezahlt werden, wenn es Wachstum gibt. Ohne Wachstum wird auch Deutschland zu einem gescheiterten Staat. Wenn Deutschland scheitert wird aber auch Europa scheitern, das ist die mit Abstand größte und einzige Gewissheit, die wir alle haben sollten.

    Die EU hat auch kein hegemoniales Wirtschaftsmodell, sondern sie hat sich bisher gedankenlos und unverantwortlich verhalten. Wer eine eigene Währung braucht, um die Druckerpresse zu bedienen, sollte aus dem Euro raus, aber nicht seine Partner mit seinen vermeintlichen Problemen belästigen. Die jeweiligen "Eliten" sollten dann aber ihren Wählern auch erklären, warum sie ihnen permanent ihre Ersparnisse wegnehmen. Es ist doch nicht die Aufgabe Europas, verrückte nationale Eliten in ihre Schranken zu verweisen, sondern das ist die ureigenste Aufgabe der nationalen Wählern.

  • 18.05.2013, 16:06 Uhrr.buchman@emaildeutschland.de

    klingt genau so blösinnig wie die verschrottungsprämie von 2009 in deutschland,

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