Reaktionen: Schäuble-Interview in WirtschaftsWoche schockt Börse

Reaktionen: Schäuble-Interview in WirtschaftsWoche schockt Börse

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"Wenn die EZB versucht, Spielräume auszunutzen, um die große Liquidität ein wenig zu verringern, kann ich das nur begrüßen."

von Christian Ramthun

Die Aktienkurse gaben nach, der Euro stieg gegenüber dem Dollar, als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble im Interview mit der WirtschaftsWoche seine Sorge über die hohe Liquidität in der Eurozone äußerte. Die nervöse Reaktion zeigt, wie riskant die EZB-Krisenpolitik geworden ist.

"Es ist viel Geld im Markt, meiner Meinung nach zu viel Geld", sagte Schäuble im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Wenn die EZB versucht, Spielräume auszunutzen, um die große Liquidität ein wenig zu verringern, kann ich das nur begrüßen." Zwar fügte der Minister hinzu, dass die Spielräume derzeit wegen der Krise in Südeuropa gering seien. Doch die Finanzmärkte regierten am Freitag prompt, die Aktienwerte stürzten nach einem anfänglichen Hoch ab, und der Euro legte gegenüber dem Dollar zu. Offenbar sind Schäubles Sorgen nur allzu berechtigt. Die starken Börsenentwicklungen der vergangenen Monate gingen vor allem auf das Konto einer lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), und sollte sich die Zentralbank nun eines besseren besinnen, dann würde viel Luft aus den Finanzmärkten entweichen.
Allerdings reagierte EZB-Präsident Mario Draghi umgehend. Während der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington sagte Draghi am Freitag, als er auf die Schäuble-Äußerungen in der WirtschaftsWoche angesprochen wurde, knapp: "Die EZB ist unabhängig." Mit anderen Worten: Was Schäuble sagt, muss die Zentralbank noch lange nicht tun. Doch so richtig mochten die Finanzmärkte Draghis Beruhigungspille nicht schlucken, sie blieben zum Handelsschluss schwach. Denn Schäubles Worte sind nicht so einfach von der Hand zu weisen. Irgendwann muss die EZB wieder die geldpolitischen Zügel anziehen. Sollte sich die Lage nach der Zypernkrise im Euroraum stabilisieren, könnte der richtige Zeitpunkt schon bald kommen. Und nach Ansicht der Finanzmärkte müsste der Wechsel eigentlich schon jetzt stattfinden, zeigt die Reaktion auf die Warnung des Bundesfinanzministers.

Finanzminister im Interview Schäuble: Nicht mehr als zehn Milliarden Euro für Zypern

Einen Nachschlag der Eurozone für die Rettung Zyperns vor einer Pleite wird es nach Aussage von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht geben.

Die zyprische Flagge und die europäische Flagge Quelle: AP


Auch an anderer Stelle sorgte Schäuble im Interview mit der WirtschaftsWoche für internationales Aufhorchen. "Die Beteiligung von Eigentümern, nachrangigen Anleihegläubigern und dann ungesicherten Anlegern muss der Normalfall sein, wenn ein Finanzinstitut in eine Schieflage gerät“, sagte Schäuble. Anderenfalls würden „Banken mit riskanten Geschäften fette Gewinne machen, aber im Fall eines Scheiterns dann die Verluste der Allgemeinheit aufbürden.“ Und: „Das darf nicht sein.“ Schäuble sandte das eindeutige Signal an Regierungen, Banken und Finanzmärkte, dass die Bankenabwicklung auf Zypern sehr wohl zur Blaupause für künftige Fälle geworden ist.

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Bundesfinanzminister Schäuble warnt vor Blase bei zu lockerer Geldpolitik

Der Finanzminister spricht sich im Interview mit der WirschaftsWoche dafür aus, die Liquidität in der Euro-Zone zu reduzieren. Allerdings seien die Spielräume aufgrund der Krise in Südeuropa begrenzt.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnt vor den Risiken einer zu lockeren Geldpolitik der Notenbank. Quelle: dpa

Damit stellte sich der Bundesfinanzminister eindeutig auf die Seite des Eurogruppen-Chefs Jeroen Dijsselbloem. Schäuble erklärte in der WirtschaftsWoche: „Herr Dijsselbloem ist in der Substanz zu Unrecht gescholten worden. Und auch nicht von mir.“ Auch dieser Pfeil ging in Richtung von EZB-Präsident Draghi sowie andere Euroländer-Chefs, die partout nichts von einer Blaupause wissen wollten, aus Sorge, auch andere große Finanzplätze in kleineren Ländern wie Luxemburg könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. Doch Schäuble sucht inzwischen die kalkulierte Konfrontation. Er will das derzeitige Momentum gegen Steuerhinterzieher und -gestalter nutzen, um mit derlei Praktiken - und auch Anreizen von Ländern ("Geschäftsmodellen") - Schluss zu machen.

Das komplette Interview mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lesen Sie hier.

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