Reparation: Welche Ansprüche hat Griechenland nach der Nazi-Besetzung?

Reparation: Welche Ansprüche hat Griechenland nach der Nazi-Besetzung?

von Silke Wettach

Die Forderungen aus Athen sind nicht so unberechtigt wie von der Bundesregierung dargestellt. Bisher allerdings kaum bekannt: Von den tatsächlich bezahlten Reparationen kam nach dem Zweiten Weltkrieg kaum etwas an.

Es geht um richtig viel Geld: Der griechische Premierminister Alexis Tsipras fordert von Deutschland Entschädigung für die Besatzung im Zweiten Weltkrieg, die sich nach einem Gutachten des griechischen Rechnungshofes auf bis zu 332 Milliarden Euro belaufen könnten.

Die Bundesregierung will auf diese Forderung nicht eingehen und bezeichnet die Frage als „rechtlich und politisch“ abgeschlossen. Doch so eindeutig wie Berlin die Dinge darstellt, sind sie nicht. Vor allem eine Zwangsanleihe, die Nazi-Deutschland Griechenland im Jahr 1941 auferlegte, ist ein juristisch kniffliges Thema.

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Die schrägsten Varoufakis-Zitate

  • Zur Troika

    "Die monumentale Aufgabe, vor der wir stehen, liegt darin, den Geist der Troika zu vertreiben, ihre Mentalität auszulöschen und ihre Macht in Europa, nicht nur in Griechenland, zu beenden."

  • Zu griechischen Rückzahlungen

    "Heute zu sagen, dass die Griechen zahlen müssen, was mir vernünftig erscheint, heißt, dass die üblichen Opfer noch mehr leiden müssen. Das ist eine Einstellung Auge um Auge, Zahn um Zahn, eine Art biblische Wirtschaft, die jeden in Europa hilflos macht."

  • Zu Krediten

    "Zu jedem verantwortungslosen Kreditnehmer gehört ein verantwortungsloser Kreditgeber. Vor 2010 hat das im Überfluss vorhandene Kapital in Griechenland einen Tsunami an Schmarotzer-Krediten ausgelöst."

  • Zur Austerität

    "Im Mittelalter haben „Ärzte“ Aderlässe verschrieben, die oft eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten auslösten, auf die der „Arzt“ mit weiteren Aderlässen reagiert. Das ist die Art von Gedankengang, die perfekt die Einstellung Europas zeigt: Je mehr die Austerität scheitert, desto mehr wird von ihr verschrieben."

  • Zu Demokratie

    "Wenn wir in Europa unter einem Defizit leiden, dann ist es ein Defizit an Demokratie. Davon profitieren schwarze Mächte, die Demokratie und Menschenrechte aushöhlen wollen."

  • Zu Zivilisation

    "Europas heutige Haltung ist eine Bedrohung für die Zivilisation, wie wir sie kennen."

  • Zu Angela Merkel

    "Merkel ist die mit Abstand scharfsinnigste Politikerin in Europa. Da gibt es keinen Zweifel. Und Wolfgang Schäuble ist vermutlich der einzige europäische Politiker mit intellektueller Substanz."

Die Frage der Reparationen wurde nach der deutschen Wiedervereinigung mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag nach der deutschen Wiedervereinigung geklärt. Bei den Verhandlungen hatte die damalige Bundesregierung dafür gesorgt, dass keiner der 53 Kriegsgegner Reparationsforderungen einbringen konnte.

"Griechenlands Forderung ist zu hoch"

Vor allem die Regierungen der USA und Großbritannien unterstützten Bundeskanzler Helmut Kohl darin. Die griechische Regierung kündigte damals an, sie werde dennoch Entschädigungen für Zerstörungen und Kredite fordern, hat das aber nicht unmittelbar getan. Theoretisch könnte die neue griechische Regierung den Zwei-Plus-Vier-Vertrag vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anfechten. Sie könnte unzulässige Absprachen zulasten Dritter geltend machen.

Griechenland möchte deutsche Kriegsschulden eintreiben

Bisher konzentrieren sich die griechischen Bemühungen allerdings auf eine Zwangsanleihe aus dem Jahre 1942 über 476 Millionen Reichsmark, die nach einem Gutachten des wissenschaftlichen Diensts des Deutschen Bundestags nicht unbedingt als Reparationsanspruch klassifizieren lassen. Sie könnte auch als „Geltendmachung eines vertragsrechlichen Darlehensrückzahlungsanspruchs“ betrachtet werden.

Allerdings stellt sich dann immer noch die Frage der Verjährung. Zur Klärung müsste Athen ebenfalls den Internationalen Gerichtshof in Den Haag anrufen.

Der Historiker Heinz A. Richter von der Universität Mannheim hält es allerdings für gewagt, aus der Anleihe Ansprüche von 332 Milliarden Euro abzuleiten. „Die Größenordnung der Griechen ist um zwei Nullen zu hoch“, sagte er der WirtschaftsWoche und verweist darauf, dass damals in Griechenland Hyperinflation herrschte wie in Deutschland im Jahr 1924.

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