Retter unter Zeitdruck: Massiver Streit um Griechenland-Rettung

Retter unter Zeitdruck: Massiver Streit um Griechenland-Rettung

Griechenland bekommt von den internationalen Geldgebern einen Aufschub von zwei Jahren. Doch wie das finanziert werden soll, ist umstritten. Das sind die drei Optionen.

Es herrscht massiver Termindruck im Griechenland-Poker: Die internationalen Geldgeber Athens haben genau eine Woche Zeit, um ihren Streit über die Rettung Griechenlands zu lösen. Bis zu ihrem Sondertreffen am Dienstag müssen die Euro-Finanzminister schwierige Fragen klären. Einig sind sich die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF), dass Griechenland zwei zusätzliche Jahre Zeit zum Sparen bekommen soll.Mit dem zeitlichen Aufschub kommen die Geldgeber einer griechischen Forderung entgegen. Die Kontrolleure der „Troika“ hatten dies empfohlen, die Euro-Finanzminister folgten dem Vorschlag. Somit müsste Griechenland erst 2016 - und nicht schon 2014 - die Maastrichter Defizitgrenze von drei Prozent beim Haushaltsdefizit wieder einhalten. Der längere Reformprozess soll die wirtschaftlichen Folgen des Sparkurses abmildern und den Haushalt tragfähiger machen.

Griechenland „Wir können nicht mehr!“

Die Griechen sind wütend. Bei einem zweitägigen Generalstreik machen sie sich wieder einmal Luft. Sie demonstrieren aber nicht nur gegen höhere Steuern oder weniger Lohn – sie haben Angst um ihre Existenz.

Die Griechen protestieren: Mehr als 35.000 Demonstranten beteiligten sich während eines 48-stündigen Ausstands in Athen an zwei Protestkundgebungen der Gewerkschaften. Quelle: dpa

Umstritten ist aber, bis wann Athen seine Schulden auf ein erträgliches Maß reduzieren muss und wie die erheblichen Mehrkosten von knapp 33 Milliarden Euro überhaupt aufgefangen werden sollen. Dabei gibt es deutliche Differenzen zwischen der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Ein Überblick der drei Szenarien:

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Ein zweiter Schuldenschnitt

Streit gibt es unter den Geldgebern unter anderem noch über die Frage, wie viel Zeit Griechenland für den Schuldenabbau erhält. Während Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker für eine Verlängerung des langfristigen Sanierungsziels bis 2022 plädierte, hält Christine Lagarde, Chefin des IWF, an dem bislang angepeilten Jahr 2020 fest. Bis dahin soll es Griechenland schaffen, seine ausufernden Staatsschulden auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Lagarde begründete die Forderung damit, die Schuldentragfähigkeit Griechenlands müsse nachhaltig gesichert werden. Sie erwarte eine echte anstelle einer kurzfristigen Lösung, sagte die Französin.

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Geht es nach Christine Lagarde, müssen die Euroländer den Griechen einfach einen Teil der Schulden erlassen. Deutschland will diese Maßnahme aber unbedingt verhindern. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) unterstützt Juncker daher. Das Ziel von 120 Prozent bis 2020 sei wegen der schwächeren Wirtschaftsentwicklung möglicherweise „noch ein wenig zu ehrgeizig“, sagte der Minister.

Ein zweiter Schuldenschnitt käme Deutschland teuer zu stehen: Würden Athen beispielsweise die Hälfte der Schulden erlassen, würde Deutschland auf bis zu 17,5 Milliarden verzichten. Bei einem 30-prozentigen Schuldenschnitt würde Deutschland 10,5 Milliarden Euro abschreiben müssen. Ein so großer Verlust an Steuergeldern könnte die Bundesregierung bei der 2013 bevorstehenden Bundestagswahl Sympathien kosten. Kein Wunder also, dass Deutschland massiven Widerstand gegen einen Schuldenerlass leistet.

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