Rohstoffe: Preise sollen dem Markt folgen

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Rohstoffe: Preise sollen dem Markt folgen

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Obwohl im Jahr 2008 die Weizenvorräte deutlich über denen der Neunzigerjahre lagen und auch der Verbrauch geringer war als die Produktion, erreichte der Weizenpreis ein Rekordhoch. An anderen Rohstoffmärkten sieht es ähnlich aus

Die zunehmende Spekulation auf den Rohstoffmärkten verzerrt die Preise und führt zu einer höheren Belastung für die Verbraucher. Die Europäische Union versucht, den Spekulanten das Handwerk zu erschweren. Doch die bisher geplanten Schritte reichen nicht aus, schreiben die Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer und Gerhard Schick.

Die Rohstoffpreise fahren Achterbahn. Lebensmittel oder Metalle brechen auf den Grundstoffmärkten Rekorde, um kurz danach wieder beträchtlich zu fallen. Dies geht weit über die zyklischen konjunkturellen Schwankungen hinaus, da eine ganze Reihe von neuen Akteuren die Rohstoffmärkte aufmischt. Von Privatanlegern über Banken bis zu Hedgefonds und Versicherungen: Viele Investorengruppen haben Rohstoffe in Zeiten krisenbedingter Verunsicherung, gestiegener Inflationserwartung und niedriger Zinsen als neue Anlageform für sich entdeckt. Rohstoffmärkte und Finanzmärkte haben sich somit zunehmend verflochten; es wird immer mehr virtuell mit Rohstoffen gehandelt.

Geldanlage in Rohstoffen treibt den Preis

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Viel spricht dafür, dass der Zufluss dieser neuen Milliarden sowohl Preise als auch ihre Schwankungen nach oben treibt – und zwar losgelöst von den eigentlichen fundamentalen Angebots- und Nachfragedaten. Der Weizenmarkt ist ein prägnantes Beispiel. Obwohl im Jahr 2008 die Weizenvorräte deutlich über denen der Neunzigerjahre lagen und auch der Verbrauch geringer war als die Produktion, erreichte der Weizenpreis ein Rekordhoch. An anderen Rohstoffmärkten sieht es ähnlich aus.

Reinhard Bütikofer Quelle: dpa

Reinhard Bütikofer ist stellvertretender Vorsitzender und industriepolitischer Sprecher der Fraktion Grüne/EFA im Europäischen Parlament

Bild: dpa

Der Industrie, dem Mittelstand und den Verbrauchern kann bei der Fahrt auf der Rohstoffachterbahn schnell übel werden. Eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion kam zu dem Ergebnis, dass allein für spekulationsgetriebene höhere Ölpreise die Deutschen jährlich mit rund fünf Milliarden Euro mehr beim Tanken belastet werden.

Gegen solche Fehlentwicklungen auf den Rohstoffmärkten gibt es eine populäre Forderung: Die Politik sollte eingreifen, um dafür zu sorgen, dass auf fundamentale Güter wie Lebensmittel nicht spekuliert wird. Neue Regeln für die Rohstoffmärkte sollten sich vor allem am Ziel ausrichten, dass die Preise wieder Abbild der Fundamentaldaten werden. Wie ist das zu erreichen?

Gerhard Schick Quelle: dapd

Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag

Bild: dapd

Die USA übernahmen in einem wichtigen Bereich die Rolle des Eisbrechers. Nach kontroverser Debatte hat die zuständige US-Behörde, die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), beschlossen, Positionsobergrenzen auf den Handel mit Öl, Metallen und Getreide zu setzen. Das Grundprinzip: Ein Händler soll nur noch eine begrenzte Zahl von Kontrakten eingehen können. So soll die Spekulation eingedämmt werden.

In der EU-Kommission wogte die Diskussion über ähnliche Schritte hin und her. Trotz großer Vorbehalte Großbritanniens hat sich Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier nicht abschrecken lassen und schlägt zeitweilige Obergrenzen durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) vor, wenn die Mitgliedstaaten selber nicht genügend eingreifen. Im Vergleich mit den USA ist dies ein zaghafter Schritt, aber doch in die richtige Richtung.

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