Ronald McKinnon: "Ich halte den Kurs der Notenbanken für falsch"

Ronald McKinnon: "Ich halte den Kurs der Notenbanken für falsch"

von Malte Fischer

Der Stanford-Ökonom, Ronald McKinnon, warnt vor einer währungspolitischen Spaltung Europas und befürchtet einen globalen Inflationsschub durch die lockere Geldpolitik.

WirtschaftsWoche: Professor McKinnon, in der ‧Euro-Zone spitzen sich die Probleme zu. Wäre es nicht das Beste für alle Beteiligten, Griechenland verließe die Währungsunion?

McKinnon: Für Griechenland wäre die Aufgabe des Euro und die Wiedereinführung der Drachme ein großes Problem. Die restlichen Länder der Euro-Zone dürften dagegen von einem Austritt der Griechen profitieren. Zudem würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass der Euro überlebt.

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Befürchten Sie bei einem Austritt der Griechen keine Ansteckungseffekte?

Die Ansteckung hat schon längst stattgefunden. Die Zinskosten für Länder wie Italien und Spanien haben im Herbst 2011 massiv zugelegt. Ich glaube nicht, dass ein Ausscheiden Griechenlands die Probleme vergrößert, solange die anderen Krisenländer an ihrem Sparkurs festhalten.

Welche ökonomischen Folgen hätte ein Auseinanderbrechen der Währungsunion?

Die Rückkehr zu nationalen Währungen wäre mit großen Wechselkursschwankungen verbunden, die Investitionen und Handel beeinträchtigen. Für die Handelsintegration Europas, die in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht hat, wäre das ein Rückschlag.

Betriebe können sich gegen Wechselkursrisiken absichern.

Für kurzfristige Forderungen oder Außenstände mag das stimmen. Aber langfristig angelegte, grenzüberschreitende Investitionen lassen sich an den Terminmärkten nur schwer gegen Wechselkursrisiken absichern. Zudem käme es nach einem Platzen des Euro zu einer währungspolitischen Spaltung Europas.

Was meinen Sie damit?

Um stabile Wechselkurse zu erreichen, benötigt man einen Anker. Die Länder Nordeuropas würden deshalb Deutschland als Ankerland wählen und ihre Währungen an die D-Mark koppeln. Den Süden Europas würde das jedoch überfordern. Investoren würden sofort Abwertungserwartungen gegen die Südwährungen hegen und hohe Zinsen von diesen Ländern verlangen. Die Länder Südeuropas dürften daher eher dazu neigen, ihre Währungen an den US-Dollar zu koppeln. In Europa entstünde dann ein D-Mark-Block und ein Dollar-Block.

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