"Ruby-Prozess": Berlusconi-Verteidiger fordert Freispruch

"Ruby-Prozess": Berlusconi-Verteidiger fordert Freispruch

Berlusconi sei unschuldig, habe menschlich gehandelt, das Gericht aber sei voreingenommen: Mit Breitseiten auf Anklage und Richter verlangt Berlusconis Anwalt im "Ruby"-Prozess einen Freispruch.

Freispruch auf der ganzen Linie für Silvio Berlusconi hat sein Verteidiger im Mailänder „Ruby“-Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch verlangt. In seinem Schlussplädoyer sagte Anwalt Niccolò Ghedini am Montag, die Vorwürfe gegen den früheren italienischen Regierungschef seien gegenstandslos. Das Gericht sei voreingenommen, die Staatsanwältin Ilda Boccassini habe seinen Mandanten „mehr mit Suggestionen als mit Fakten“ vorverurteilt. Berlusconi könne nur freigesprochen werden.
Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft für den 76-Jährigen verlangt, ein Strafmaß, das Ghedini am Montag „ungeheuerlich“ nannte. Er kritisierte eine „kulturellen Nähe“ zwischen Staatsanwaltschaft und Richtern und gab seinen Eindruck wieder, die Verteidigung sei in diesem Prozess nur störend oder lästig gewesen. Berlusconi hat in den beiden Anklagepunkten wiederholt beteuert, unschuldig zu sein. Ein erstinstanzliches Urteil gegen ihn könnte bereits am 24. Juni fallen.

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Die junge Marokkanerin „Ruby“, im Zentrum angeblich wilder Bunga-Bunga-Feste in der Villa Arcore Berlusconis, hatte sich in einem Nebenprozess nicht mehr so gut erinnern können. Sie konnte nicht sagen, ob sie im März 2010 - damals noch minderjährig - allein oder mit anderen jungen Frauen in Berlusconis Villa übernachtet hat. Jedenfalls will sie keinen Sex mit ihm gehabt und von ihm auch keine Millionen erhalten haben. „Ruby“ alias Karima El Mahroug gab an, früher geprahlt und „Dummheiten“ ausgesagt zu haben. Die Anklage hingegen sprach von „systematischer Prostitution“ in der Villa.
Das Gericht solle diese kürzlichen Erklärungen „Rubys“ zu den Akten nehmen, beantragte Ghedini. Berlusconi, damals Regierungschef, hatte ausgesagt, er habe sie für eine Verwandte des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Husni Mubarak gehalten und ihr aus Schwierigkeiten mit der Polizei helfen wollen, um so diplomatische Verwicklungen mit Ägypten zu vermeiden.

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