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Sanierung: Spaniens Banken brauchen 62 Milliarden Euro

Ein mit Spannung erwartetes Gutachten zeigt: Spaniens Banken brauchen bis zu 62 Milliarden Euro für ihre Sanierung. Für Anleihen muss das Land stark steigende Zinsen zahlen. Der Banken-Generalsekretär befürchtet, dass das Land dem Druck auf Dauer nicht standhalten kann.

Spanien muss hohe Zinsen für Staatsanleihen zahlen. Wie lange werden die Banken dem noch standhalten können? Quelle: dpa
Spanien muss hohe Zinsen für Staatsanleihen zahlen. Wie lange werden die Banken dem noch standhalten können? Quelle: dpa

Die angeschlagenen spanischen Banken brauchen laut Gutachten für ihre Sanierung bis zu 62 Milliarden Euro. Dies geht aus zwei Gutachten der Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger hervor. Der Vizegouverneur der spanischen Zentralbank, Fernando Restoy, gab die Ergebnisse der Untersuchungen am Donnerstag in Madrid bekannt. In dem Gutachten des Beraters Oliver Wyman wird für das Stress-Szenario mit einer Kernkapitalquote von sechs Prozent ein Kapitalbedarf zwischen 51 und 62 Milliarden Euro ausgewiesen. In einem zweiten Gutachten von Roland Berger sind es 51,8 Milliarden.

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Die von den EU-Partnern angebotenen 100 Milliarden Euro würden damit einen breiten Spielraum zum Ausgleich des Kapitalbedarfs bieten, erklärte die spanische Notenbank. Zudem hieß es, die drei größten Banken Spaniens benötigten kein Kapital. Das Problem sei beschränkt auf eine Gruppe von Banken, bei denen der Staat schon aktiv an der Problemlösung arbeite. Bei dem Stress-Szenario wurden ein deutlicher Wirtschaftsabschwung und neue Buchverluste simuliert. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wird eine detailliertere Überprüfung im September vorliegen.

Über die Bedingungen der Kredite wird laut Diplomaten hinter den Kulissen immer noch gefeilscht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte den Finanzbedarf der spanischen Banken auf mindestens 40 Milliarden Euro geschätzt. Ökonomen sprachen von bis 60 bis 80 Milliarden Euro.

Die extrem hohen Renditen, die Madrid für seine Staatsanleihen bieten muss, sind nach Ansicht der spanischen Banken auf Dauer nicht tragbar. „Wenn die Märkte (Spanien) weiter attackieren und bedrängen, werden die Zinskosten für die Ausgabe von spanischen Schuldscheinen weiter hoch bleiben. So wird es für Spanien auf Dauer unmöglich sein standzuhalten“, sagte der Generalsekretär des Spanischen Bankenverbands (AEB), Pedro Pablo Villasante, am Donnerstag. Deswegen habe der AEB die EU aufgerufen, ihre Integration auf wirtschaftlicher und fiskalischer Ebene sowie im Bereich der Banken voranzutreiben. Zusätzlich seien Wachstumsimpulse nötig, um die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auszugleichen, die Länder wie Spanien getroffen hätten.

Spanien hat wie die anderen südeuropäischen Euro-Länder von den niedrigen Zinsen in der Währungsunion profitiert und einen kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Ähnlich wie in Irland bildete sich eine Immobilienblase, die mit einem lauten Knall platzte: Der Bausektor fiel in sich zusammen, die Arbeitslosigkeit stieg rasant.

Bild: REUTERS

Spanien kämpft bei der Geldaufnahme weiter mit kräftig steigenden Zinsen: Bei einer Anleiheauktion musste das Euro-Schwergewicht am Donnerstag tief in die Tasche greifen, um die Ansprüche von Investoren zu erfüllen. Doch zumindest die Nachfrage nach den Papieren war groß, wie aus den Daten der spanischen Schuldenagentur hervorgeht. Insgesamt sammelte Madrid 2,22 Milliarden Euro und damit etwas mehr ein als die anvisierten zwei Milliarden Euro.

Allerdings handelt es sich auch um ein außergewöhnlich niedriges Volumen, das den aktuellen Marktverwerfungen geschuldet sein dürfte, unter denen Spanien leidet. Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge sollten zudem ursprünglich sieben- und zehnjährige Anleihen angeboten werden. Madrid habe jedoch kurzfristig auf den kräftigen Anstieg der Renditen in den vergangenen Wochen reagiert.

Versteigert wurden letztlich Papiere mit zwei-, drei- und fünfjähriger Laufzeit. Auch bei diesen vergleichsweise kurzen Fälligkeiten wird es für Spanien immer teurer, neues Geld aufzunehmen: Bei den zweijährigen Anleihen stieg die durchschnittliche Rendite im Vergleich zur letzten Auktion von 2,069 auf 4,706 Prozent, bei den dreijährigen Titeln von 4,876 auf 5,457 Prozent und bei den fünfjährigen Papieren von 4,96 auf 6,07 Prozent.

Ein Lichtblick war jedoch die starke Nachfrage: Alle drei Papiere waren mehr als dreifach überzeichnet. Am Sekundärmarkt, wo umlaufende Titel gehandelt werden, gingen die Renditen für richtungweisende zehnjährige Papiere aus Spanien weiter zurück. Bereits am Vortag hatten Spekulationen, die Euro-Rettungsfonds könnten über Anleihekäufe die Renditen drücken, zu einer deutlich Entspannung geführt. Auch der Euro reagierte positiv auf die Ergebnisse der Auktion und holte einen Teil seiner vorherigen Verluste wieder auf.

Die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich platzierte am Donnerstag ebenfalls Staatsanleihen. In Paris kam ein dickes Paket von vier Papieren mit Fälligkeiten zwischen 2014 und 2017 unter den Hammer. Insgesamt flossen nach Angaben des französischen Finanzministeriums 8,432 Milliarden Euro in die Staatskasse. Das Maximalziel von 8,5 Milliarden Euro wurde damit leicht verfehlt. Allerdings kam Frankreich mit durchschnittlichen Renditen zwischen 0,54 und 1,43 Prozent noch günstiger als bei den letzten vergleichbaren Auktionen an neues Geld.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.06.2012, 21:54 UhrJens

    Geht euch diese schwachsinnige Banker- und Politikerpolemik "Wenn die Märkte Spanien weiter attackieren.." auch so auf den Senkel? Ich attackiere wohl den Bio-Gemüsebauern auf unserem Markt auch ständig, weil ich nicht seine Bio-Gurken kaufen, sondern die preiswerteren am Nachbarstand. Von Spanien wollen die Anleger nur eine Risikoprämie, um denen ihre Wackelbonds abzunehmen. Ist völlig normal. Ein Markt ist ein Markt und kein Gladiator. Ich kenne viele Märkte von innen und außen. Keiner hat je jemanden attackiert. Ich kann diesen Mist nicht mehr hören.

  • 21.06.2012, 18:38 Uhrallesverloren

    Spanien muss seinen Gläubigern Gründe für deren Glaube geben, seine Schulden zurückzuzahlen. Das geht nur durch Taten und nicht durch Stresstests, Rufe nach ESM und Eurobonds oder sonstige Märchengeschichten.

    Unter Rettungsschirme schlüpfen nur Staaten, die gerettet werden müssen, also Pleite sind. Durch das grosse Gedränge unterhalt des Rettungsschirms ist dieser selbst pleite. Daher der permanente Ruf nach mehr, größer, nachhaltiger, deutscher, ups auch Pleite.

    Kleine Reformen in die richtige Richtung, dann braucht es keinen Schirm mehr und die Zinsen fallen automatisch.

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