Sarkozy gegen Hollande: Frankreichs Wahlkampf wird populistisch

Sarkozy gegen Hollande: Frankreichs Wahlkampf wird populistisch

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Nicolas Sarkozy und sein Kontrahent François Hollande unterbrachen ihren Wahlkampf nach den Morden in Toulouse. Doch ihre Beileidsbekundungen gehören ebenfalls zum Wahlkampf. Gewollt, oder ungewollt.

von Benjamin Reuter

Wegen der Mordserie in Toulouse bei der sieben Menschen starben, haben Nicolas Sarkozy und François Hollande ihren Wahlkampf unterbrochen. Vier Wochen vor dem ersten Wahltermin beginnt jetzt aber die entscheidende Phase des Rennens um den Élysée-Palast - die Morde könnten dabei nun eine entscheidende Rolle spielen.

Vier Schüsse haben den französischen Wahlkampf jäh unterbrochen. Der Schütze: Ein maskierter Mann auf einem Motorroller. Der stieg am Montag vor einer jüdischen Schule in Toulouse von seinem Gefährt und tötete aus wenigen Metern Entfernung drei Kinder und einen Familienvater. Aufzeichnungen der Überwachungskameras zeigen den Mann, wie er in aller Ruhe und ohne Eile seine Opfer niederstreckt. Der „Scooter-Mörder“, wie er in Frankreich genannt wird, hatte schon am 11. und am 15. März in Toulouse und im benachbarten Montauban drei Soldaten auf offener Straße erschossen. Bei allen drei Morden entkam er unerkannt. Hinter den Kulissen folgte die Polizei aber schon nach der ersten Tat seiner Spur.

Am frühen Mittwoch Morgen umstellte dann ein Spezialkommando der Polizei das Haus des mutmaßlichen Mörders in Toulouse. Bis zum frühen Donnerstagmorgen hatte sich an der Situation noch nichts verändert. Die Polizei in Toulouse will den umstellten mutmaßlichen Attentäter offenbar mit Zermürbung zur Aufgabe zwingen. In der Nacht hatte es Explosionen aus Richtung des Hauses gegeben, Berichte über den Beginn einer Erstürmung hatte das Innenministerium aber zurückgewiesen. Gefunden hatten die Ermittler den Mann, dessen Familie aus Algerien stammt, durch die Internet-IP-Adresse seines Bruders, über die ein Kaufangebot für den Motorroller abgegeben wurde. Der Nachname fiel der Polizei auf, weil das Innenministerium den Verdächtigen nach Aufenthalten in Afghanistan und Pakistan seit Jahren überwachte. Gegenüber einem Nachrichtensender sagte der Mann am Telefon, dass er mit dem Mord an den jüdischen Kindern, in Palästina getötete Kinder rächen wollte. Die Soldaten, von denen zwei muslimischen Glaubens waren, starben aus Rache für den Afghanistan-Einsatz der französischen Armee. Laut dem Innenminister Claude Guéant, bezeichnete sich der Verdächtige „als Mudschaheddin und Angehöriger von Al Kaida.“ Damit ist der Täter  ausgemacht. Die politische Dimension und der Einfluss der Tat auf den Präsidentschaftswahlkampfs wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

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Beileid der Kontrahenten

Offiziell haben die zwei aussichtsreichsten Kandidaten auf das Präsidentschaftsamt, Nicolas Sarkozy und François Hollande, am Montag nach der Tat ihren Wahlkampf unterbrochen. Sie sagten eilig Parteiveranstaltungen, Fernseh- und Radiointerviews ab. Aber natürlich war jeder Auftritt der Politiker und jede Minute, in der die Nachrichten ihre betroffenen Gesichter zeigten und ihre in schweren Worten vorgetragenen Erklärungen sendeten, weiterhin Wahlkampf – ob es ihnen gefiel oder nicht. Noch am Montag eilte Staatspräsident Nicolas Sarkozy nach Toulouse, sprach von einer „nationalen Tragödie“ und rief in der Region um die Stadt die höchste Terrorwarnstufe aus. „Der Staat hat jetzt die Verpflichtung, Resultate zu liefern“, sagte er.

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