Schäuble in Athen: Griechenlands gefährlicher Drahtseilakt

Schäuble in Athen: Griechenlands gefährlicher Drahtseilakt

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Der heutige Besuch in Athen wird für Wolfgang Schäuble einer der schweren Schritte in seiner mehr als fünf Jahrzehnten andauernden Karriere sein.

von Felix Ehrenfried

Griechenlands Parlament hat Massenentlassungen beschlossen. Bis zu 15.000 Beamte verlieren ihren Job. Für Bundesfinanzminister Schäuble, der heute nach Athen reist, dürfte es ein ungemütlicher Empfang werden.

Es wird einer der schweren Schritte für Wolfgang Schäuble in seiner mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnten andauernden Karriere im deutschen Politikbetrieb sein. Der heutige Besuch in Athen wird für den gebürtigen Freiburger zu einem Drahtseilakt. Auf der einen Seite soll Schäuble, in Verhandlungen als harter Gegner bekannt, die Sparmaßnahmen der griechischen Regierung weiter vorantreiben. Die Deutschen haften zu 27 Prozent für die Hilfskredite an Griechenland. Das entspricht, unterschiedlichen Berechnungen zufolge, einem Betrag zwischen 310 und 771 Milliarden Euro die der deutsche Staat im Falle einer griechischen Pleite abschreiben müsste.

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Dass da Deutschlands oberster Schatzmeister an einer schnellen und konsequenten weiteren Umsetzung der Einsparungen mehr als interessiert ist, liegt auf der Hand. Sollten auch die harten Einschnitte, wie Entlassungen tausender Staatsdiener und die Privatisierung großer Staatsunternehmen die Griechen nicht raus aus den roten Zahlen bringen, dürfte das zum Debakel für Deutschland werden. Auf der anderen Seite steht die Regierung in Berlin. Zeigen die Sparmaßnahmen nicht den erwünschten Erfolg hieße der nächste Schritt dann wahrscheinlich: Schuldenschnitt. Und darüber will man in Berlin im aktuellen Wahljahr nicht reden. Auch wenn der griechische Wirtschaftsminister Kostis Chatzidakis in einem Interview mit der Welt kürzlich aussprach, was viele sowieso schon vermuten: "Griechenland hofft auf einen neuen Schuldenschnitt." Die Erlassung von Schulden, bei denen Deutschland einer der größten Gläubiger ist, dürfte für Angela Merkel mit den anstehenden Bundeswahlen einem Supergau gleichkommen.

So muss Schäuble heute seinen griechischen Kollegen klar machen, dass weiteres Sparen angesagt ist und ein Schuldenschnitt, zumindest von deutscher Seite nicht in absehbarer Nähe liegt. Jedoch sitzt ihm auf der anderen Seite des Verhandlungstisches Niemand gegenüber, der sich freudig auf die Umsetzung neuer Sparwünsche aus der Bundesrepublik stürzt. Auch wenn der deutschen Regierung mit Antonis Samaras ein konservativer Regierungschef gegenübersitzt, der auch vor harten Sparmaßnahmen nicht zurückschreckt, dürften neue Forderungen aus der Bundesrepublik hier empfindlich aufgenommen werden. Erst letztes Jahr sorgte eine Äußerung Schäubles für regelrechtes Wüten im griechischen Politbetrieb. Auf den Vorschlag Schäubles, dass eine Expertenregierung, ähnlich wie in Italien, auch eine Option für die Hellenen sein könnte, tobte Staatspräsident Karolos Papoulias  auf einer offiziellen Veranstaltung: "Wer ist Herr Schäuble, dass er Griechenland kränkt?"

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Jedoch sind die Äußerungen im griechischen Politbetrieb gegenüber Schäuble noch verhalten, vergleicht man sie mit der Wahrnehmung in der Bevölkerung. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" steht Schäuble auf der Beliebtheitsskala in Griechenland weit unten. Seiner harten Linie und den öffentlichen Äußerungen sei Dank, stehen acht von zehn Hellenen ihm aufgebracht gegenüber.

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