Schock für Draghi: Wie konnte die Aktivistin in die EZB kommen?

Schock für Draghi: Wie konnte die Aktivistin in die EZB kommen?

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Die Aktivistin kletterte auf das Podium vor EZB-Chef Mario Draghi.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist streng abgeriegelt wie eine Festung, die Sicherheitsmaßnahmen sind streng. Warum eine Aktivistin trotzdem die Pressekonferenz stürmen konnte.

Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB), Pressesaal, fünfter Stock über dem Haupteingang. EZB-Chef Mario Draghi ist mitten in den ersten Sätzen seiner Pressekonferenz, als in der ersten Reihe plötzlich eine junge Frau aufspringt. Sie entert das Podium vor Draghi, aus ihrem adretten Business-Jäckchen regnet es Konfetti und Papier. „Stoppt die EZB-Diktatur“ skandiert sie dabei lautstark, auf ihrem schwarzen T-Shirt steht in weißer Schrift „End the ECB Dick-tatorship“.

Erst als die Konfettikanone leer ist, kommen die an beiden Seiten des Podiums postierten Sicherheitsbeamten bei der jungen Frau an und zerren sie aus dem Raum. Die gedrillten Sicherheitsleute der EZB beendeten das Schauspiel – allerdings nicht ganz so rasch, wie es ihre Ausbilder ihnen hätten beibringen sollen. Auch Mario Draghi wird kurzzeitig in einen Nebenraum gebracht, setzt die Konferenz dann aber schnell fort. Nach ersten Schrecksekunden machte sich dann bei den Beobachtern Erleichterung breit, denn es war schnell klar: Es handelte sich um eine symbolische Attacke, nicht um einen Angriff die Gesundheit oder gar das Leben des EZB-Präsidenten. Der blieb zum Glück unverletzt, ebenso die Aktivistin und das Personal der Zentralbank.

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Nachdem das Innere der EZB während der Blockupy-Proteste nahezu der sicherste Ort in Frankfurt war, hatte mit so einem Vorfall offenbar keiner gerechnet. Seitens der EZB heißt es, die Aktivistin hätte sich als Journalistin regulär zur Veranstaltung angemeldet. Ebenso wie bei allen anderen Medienvertretern sei ihre Identität überprüft worden.  

Via Twitter bekennt sich die deutsche Aktivistin Josephine Witt zu dem Konfetti-Regen für Draghi.

Witt ist nach eigenen Angaben ehemalige Femen-Aktivistin. Bekannt wurde sie in Deutschland durch eine Protestaktion im Kölner Dom. Dort sprang sie mit nacktem Oberkörper auf den Altar, ihr Körper war mit der Aufschrift "I am God" (Ich bin Gott) bemalt.

Die EZB teilte schriftlich mit, sie untersuche den Vorfall. Glaubt man Witt, wurden die Sicherheitsbeamten von der Aktion ziemlich überrumpelt.

Durchleuchtet wie am Flughafen

Doch wie konnte die Aktivistin trotz zahlreicher Sicherheitsschranken ins Zentralbank-Gebäude kommen? Wird der EZB-Präsident aufmerksam genug beschützt? Potenzielles Ziel von Angriffen ist die Zentralbank - erst im März haben anlässlich der antikapitalistischen Blockupy-Proteste gewalttätige Demonstranten den EZB-Sitz Frankfurt in ein Krisengebiet verwandelt. Dabei wurde die Zentralbank als angebliche Verursacherin von Armut in den Europäischen Krisenländern beschuldigt.

Nicht nur wegen Blockupy sind die heiligen Hallen der Geldpolitik gesichert wie eine Kaserne. Wer das Areal im Frankfurter Ostend betreten will, wird gleich am Eingang durch einen Metalldetektor geschickt, Sicherheitsleute durchleuchten das Gepäck wie am Flughafen, ohne Ausweis, respektive Presseausweis geht gar nichts. Sollten Besucher gefährlichere Utensilien als Konfetti mit sich führen, werden die Requisiten konfisziert. Taschenmesser oder ähnliches sollte man beim EZB-Besuch also zuhause lassen, wenn man pünktlich beim Termin sein will.

Im Inneren ist der EZB-Turm mit Vereinzelungsschleusen gesichert, durch die Besucher sich in Begleitung eines Gastgebers quälend langsam hindurchzwängen müssen. Für den Pressesaal gibt einen separaten Fahrstuhl, der nur in das entsprechende Stockwerk fährt. Unterwegs aussteigen geht also nicht, zu groß ist die Gefahr, dass sich ein neugieriger Journalist auf den weiten Fluren der Zentralbank "verirrt".

Konsequenzen noch offen

Wer im weitläufigen Foyer das Glück hat, Mario Draghi höchstpersönlich über den Weg zu laufen, trifft ihn in Begleitung eines so kräftigen wie schweigsamen Beschützers, der dem EZB-Präsidenten beim Passieren der Sicherheitsschleusen assistiert. Die sind längst nicht so weit geöffnet wie die sprichwörtlichen geldpolitischen Schleusen der Zentralbank.

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Angesichts solcher Vorsichtsmaßnahmen werden Ereignisse wie am Mittwoch die Ausnahme bleiben. Ob die EZB strengere Sicherheitsvorkehrungen bei Pressekonferenzen einführt, ist noch offen. Ein Papamobil für den Geldpapst Draghi soll es jedenfalls nicht geben. Obwohl Geld genug dafür da wäre.

Welche Symbolik hinter der Aktion stehen sollte, wurde durch die von der jungen Frau ausgestoßene Forderung nach dem Ende der angeblichen EZB-Diktatur nicht aufgelöst. Vielleicht sollte das herabfallende Konfetti an das Gleichnis vom Helikoptergeld erinnern, bei dem geldpolitische Tauben die Scheine von Hubschraubern über den Köpfen von Sparern und Unternehmen abwerfen. Die umstrittene Kaufaktion der EZB in den Märkten für Staatsanleihen und andere Wertpapiere funktionieren nach diesem Muster.

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