Schottische Unabhängigkeit: Großbritannien vor dem Zerfall

Schottische Unabhängigkeit: Großbritannien vor dem Zerfall

, aktualisiert 08. September 2014, 16:24 Uhr
von Niklas Dummer

Erstmals haben die Befürworter einer schottischen Unabhängigkeit eine Mehrheit. Die europakritischen Briten bangen um die Einheit und umwerben Schottland – ausgerechnet mit Verweis auf die Vorzüge der Europäischen Union.

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Ein Mädchen hüllt sich in die schottische Flagge ein: Die Schotten stimmen am 18. September 2014 über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien ab.

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Schottland bleibt im Königreich – davon war zumindest bis vor wenigen Tagen auszugehen. Dann, zehn Tage vor dem Referendum, der Umschwung. Das ergab zumindest eine Umfrage im Auftrag der Wochenzeitung „Sunday Times“. Danach waren 51 Prozent der Schotten dafür, sich vom Vereinigten Königreich zu trennen. Eine Grafik auf der Website whatscotlandthinks.org zeigt, wie die Stimmung gekippt ist.

Das Ergebnis schockt die Briten. Königin Elizabeth II. hält sich derzeit in ihrer schottischen Residenz auf und will laut „Sunday Times“ laufend informiert werden.

Die Zahl der Befürworter und Gegner der schottischen Unabhängigkeit in Prozent – aufbereitet von whatscotlandthinks.org. Quelle: whatscotlandthinks.org

Die Zahl der Befürworter und Gegner der schottischen Unabhängigkeit in Prozent – aufbereitet von whatscotlandthinks.org.

Bild: whatscotlandthinks.org

Eine Abspaltung würde zwar nicht den Sommersitz der Queen in Schottland gefährden - es bliebe aber offen, was mit den strategisch wichtigen Stützpunkten der britischen Flotte und den Atomwaffen in Schottland geschieht. So pocht die Scottish National Party (SNP) darauf, dass die britischen Nuklear-U-Boote, die derzeit in der Nähe Glasgows liegen, aus dem Land geschafft werden.

Drohungen und Offerten

„Das wäre natürlich ein praktisches Problem für die Briten“, sagt Frank Lorenz Müller. Er ist Historiker an der Universität von St. Andrews in Schottland. Seit 2002 lebt der Deutsche in Schottland. Er selbst wird am 18. September gegen die Unabhängigkeit stimmen. Er sagt: „Aber die politische Niederlage für Großbritannien wäre noch viel gewaltiger. Es sieht nie gut aus, wenn einem das Land unter den Händen wegbröckelt.“ Besonders nicht nach einer über 300-jährigen Union.

Um möglichst viele Schotten zu einem Nein zur Unabhängigkeit zu bewegen, versuchten die Briten es jüngst neben Drohungen auch mit Offerten. In der ersten Fernsehdebatte hatte der frühere Labour-Minister Alistair Darling, Leider der Unionisten-Kampagne „Better Together“ gedroht, im Falle einer schottischen Unabhängigkeit verlören die Schotten den Pfund. Das bekräftigte laut „Independent“ am Montag der britische Schatzmeister George Osborne.

Gleichzeitig versuchte Osborne die Schotten mit „the best of both worlds“ zu umgarnen – dem Besten aus beiden Welten. Damit meint er die „schottische Selbstverwaltung“ und „Sicherheit durch den Verbleib im Vereinigten Königreich“.

Osborne kündigte an, im Falle eines Neins zur Unabhängigkeit bekämen die Schotten mehr Handhabe in Sachen Steuer-, Haushalts- und Sozialpolitik. Zudem, so zitiert ihn die „Sunday Times“, solle es einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung dieser Maßnahmen geben.

Auf Seiten der Konservativen spricht neben Osborne Großbritanniens Premierminister David Cameron von den Vorteilen der Stabilität der Europäischen Union für Schottland. „Cameron will sich nicht als Verteidiger der Europäischen Union darstellen“, sagt Müller. „Innerhalb der Konservativen gehört er aber dennoch zum gemäßigten Flügel, zu denen, die die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU beibehalten wollen – unter verbesserten Bedingungen.“

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