Schüsse in Paris: „Die erste Pflicht des Präsidenten ist es, zu beschützen“

Schüsse in Paris: „Die erste Pflicht des Präsidenten ist es, zu beschützen“

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Emmanuel Macron während der letzten TV-Debatte.

Mitten in die letzte TV-Debatte zur Präsidentschaftswahl platzt die Nachricht von Schüssen auf dem Pariser Prachtboulevard. So reagierten die Kandidaten.

Eine kurze Unterbrechung, aber kein Abbruch: Die Nachricht über die Schießerei auf dem Pariser Boulevard, Champs-Elysées, trifft während der letzten TV-Debatte vor den französischen Präsidentschaftswahlen ein. Schlagartig rückt mit dem Anti-Terrorkampf ein Thema wieder in den Fokus des Wahlkampfes, das zuletzt an den Rand gedrängt worden war.

Acht der Präsidentschaftsbewerber sind zu diesem Zeitpunkt bereits mit ihrem 15-Minuten-Interview beim Sender France 2 durch. Es ist Emmanuel Macron, der gegen 22.10 Uhr als Erster vor den Fernsehkameras Stellung nehmen kann: „Die erste Pflicht des Präsidenten ist es, zu beschützen“, sagte der Kandidat von En Marché. Eine Bedrohung wie heute Abend werde auch in den kommenden Jahren zu unserem Leben gehören. „Deshalb möchte ich zunächst meine Solidarität für die Polizisten und Sicherheitskräfte ausdrücken“, sagte Macron.

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Der Druck bei dieser letzten TV-Debatte ist groß, die Versuchung, unter dem Eindruck der Schüsse noch Stimmen zu holen, ebenfalls. Die Franzosen können am Sonntag zwischen elf Kandidaten wählen. Immerhin noch vier Präsidentschaftsanwärter können sich noch Hoffnung auf die Stichwahl zu machen.

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Paris am Tag nach dem Angriff. Quelle: AP

Neben Macron zählt auch der konservative Bewerber Francois Fillon dazu. Er sprach als erster von einem „terroristischen Akt“ – und kündigte an, eine Reise zu seiner Wahlkampfveranstaltung abzusagen. Er wollte am Freitag in die französischen Alpen reisen, um dort um letzte Wählerstimmen zu werben.

„Der Kampf gegen den Terrorismus muss absolute Priorität des nächsten Präsidenten sein – und es wird meine sein“, sagte er wie gewohnt großspurig. Der Kandidat liegt, trotz der Affäre um die Scheinbeschäftigung seiner Frau, in den Umfragen relativ konstant bei 18, 19 Punkte.

Auch Front-National-Chefin Marine Le Pen kündigte an, ihren Wahlkampf wegen des Attentats auszusetzen. „Ich will nicht, dass man sich an den islamistischen Terror gewöhnt“, erklärt sie in ihrem Schlussstatement.

Dieses nutzten alle elf Kandidaten, um den Opfern zu gedenken und ihre Solidarität auszudrücken. Zuvor hatte die Front National Chefin, die bereits als dritte Kandidatin dran war, den Fernsehauftritt als Kampfansage genutzt – und versucht sich als „Anwältin des Französischen“ zu inszenieren. „Ich verbringe den ganzen Tag damit, das zu verteidigen“, sagte sie.

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Quelle: dpa Picture-Alliance

Gefährder will Le Pen rigoros ausweisen, die Grenzen kontrollieren und Staatsangehörigkeiten aberkennen. „Ich habe das Gefühl, dass bislang nichts passiert ist“. Ihre Strategie: mehr Plätze im Gefängnis und Strafen ohne Bewährung. „Ich möchte nicht, dass die Schläger länger das Gefühl haben ohne Strafen davon zu kommen“, sagte Le Pen.

Der Linke Jean-Luc Mélenchon wirkte in seinem Abschlussstatement besonders emotional und fand klare Worte: "Nur keine Panik, keine Unterbrechung der demokratischen Prozesse". Das sei es schließlich, worauf die Terroristen abzielten. Er setze ganz auf die französischen Grundwerte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Mélenchon über Deutschland

Mit dem Tweet „Maul zu, Frau Merkel. Frankreich ist frei“ erlangte Mélenchon auch in Deutschland eine gewisse Popularität. Das war vor fast drei Jahren, als Kanzlerin Merkel zu größeren Reformanstrengungen in Frankreich aufgerufen hatte. „Kümmern Sie sich lieber um Ihre Armen und Ihre in Ruinen liegende Infrastruktur“, entgegnete der Franzose damals.

In der Fernsehdebatte nun schlug er leicht versöhnlicher Töne: „Die Deutschen sind weder unsere Feinde noch unsere Herren. Sie sind unsere Partner“. Aber auch: „Wir werden ihnen sagen, was zu ändern ist.“ Frankreich solle nicht beherrscht werden.
Mélenchon ist wie Le Pen ein Gegner der Europäischen Union: Er will ein Referendum über einen sogenannten „Frexit“ abhalten lassen. Beide Kandidaten sitzen derzeit im Europäischen Parlament.

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