Schulden: Wie Staaten die Zinsen manipulieren

Schulden: Wie Staaten die Zinsen manipulieren

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Chefvolkswirt Stefan Hofrichter warnt vor einer kommenden Repression.

Der weltweite Druck auf die Zentralbanken steigt, mehr Inflation zu zulassen – um so die Staatsschulden real zu entwerten. Was bedeutet das für Anleger?

Schuldenkrise und kein Ende: Über die Frage, wie sich die desaströse Lage der europäischen Staatshaushalte am besten entschärfen lässt, gibt es wenig Konsens unter Politikern und Ökonomen. In der Praxis dürfte am Ende alles auf ein für die Politik bequemes Instrument hinauslaufen – die „finanzielle Repression“.

Dieser Begriff wurde 1973 von Ronald McKinnon und Edward Shaw in die Wirtschaftsliteratur eingeführt. Er beschreibt ein Bündel an Maßnahmen, mit dem Regierungen die eigenen Finanzierungskosten künstlich niedrig halten. Dazu gehören niedrige Zentralbankzinsen, direkte Interventionen im Markt für Staatsanleihen, regulatorische Vorgaben oder auch Kapitalverkehrskontrollen. Wie die Ökonomen Carmen Reinhart und Belen Sbrancia in ihrer Studie „The Liquidation of Government Debt“ herausgestellt haben, war finanzielle Repression in der Vergangenheit – zusammen mit einer moderaten Dosis an Inflation und in Ergänzung zu fiskalischen Sparmaßnahmen – ein oft genutztes politisches Mittel, um die öffentliche Schuldenquote abzubauen.

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Diagramm: Tief unten Quelle: Thomson Reuters

Diagramm: Tief unten (zum Vergrößern bitte klicken)

Bild: Thomson Reuters

Staatliche Eingriffe

Ein gutes Beispiel dafür sind die USA zwischen 1945 und Anfang der Achtzigerjahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Land Schulden in Höhe von etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) angehäuft. Durch Regulierungen wie Zinsobergrenzen für Einlagen, einen Anleihetausch in niedrig verzinste langlaufende Anleihen und Kapitalverkehrskontrollen sowie eine entsprechende Zentralbankpolitik konnte die Regierung das Zinsniveau für ihre Staatsanleihen künstlich niedrig halten. Die realen kurzfristigen Zinsen waren meist negativ. Dies stimulierte das Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig allerdings fielen die Inflationsraten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten höher aus als von Unternehmen und privaten Haushalten erwartet. Mit einem nominalen BIP-Wachstum, das höher war als das Zinsniveau, sank die öffentliche Schuldenquote bis Anfang der Achtzigerjahre auf rund 35 Prozent vom BIP.

Wenn auch die Eingriffe in den Kapitalmarkt aktuell weniger drastisch sind, gibt es bereits genügend Beispiele für Maßnahmen und Eingriffe, die Staatsanleihezinsen nach unten drücken. Die großen Zentralbanken (Fed, BoE, EZB) kaufen im Sekundärmarkt direkt Staatsanleihen, zudem ist eine Eigenkapitalunterlegung für Käufe von Staatsanleihen durch Banken in den meisten Fällen nicht notwendig.

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