Schuldenkrise: Das Endspiel um den Euro geht in die entscheidende Phase

KommentarSchuldenkrise: Das Endspiel um den Euro geht in die entscheidende Phase

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Zyprische Demonstranten verbrennen eine Fahne der Europäischen Union vor dem Parlament in Nikosia.

von Dieter Schnaas

Italiens neuer Regierungschef Enrico Letta eilt gleich nach seiner Antrittsrede nach Berlin - an den Europäischen Regierungshof von Angela Merkel. Ein Gehorsamserweis? Im Gegenteil.

Vier Nachrichten aus den vergangenen Tagen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

Erstens: Die französischen Sozialisten von Regierungschef Francois Hollande kommen in einem internen Strategiepapier zu dem Schluss, dass die Sparpolitik der deutschen Bundeskazlerin Angela Merkel (CDU) ein übler Ausdruck von persönlicher "Sturheit" und "egoistischer Kompromisslosigkeit" sei.

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Zweitens: Ein Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium von Philipp Rösler (FDP) erreicht die Kollegen vom "Handelsblatt", in dem scheinbar teilnahmslos von "stark gestiegenen Lohnstückkosten" in Frankreich die Rede ist - und in dem lakonisch zu Protokoll gegeben wird, dass die Industrie in Frankreich "zunehmend an Wettbewebsfähigkeit" verliere.

Drittens: Italiens neuer Regierungschef Enrico Letta nutzt seine Antrittsrede zum programmatischen Doppelbekenntnis, dass "Sparprogramme allein uns umbringen" und "eine wachstumsorientierte Politik nicht länger warten kann".

Gekommen, um Merkel die Führungsrolle zu entreißen

Und schließlich viertens: Kanzlerin Angela Merkel befindet, dass für Deutschland derzeit etwas höhere, für andere Länder hingegen etwas niedrigere Zinsen gut wären.

Und - was sind die Nachrichten hinter den Nachrichten?

Och, nichts weiter. Es ist nur so, dass die Euro-Krise ihre nächste dramatische Zuspitzung erfährt. Dass die Entfremdung zwischen Berlin und Paris neue, ungeahnte Höhen erreicht. Dass der rhetorische Einklang zwischen den Südländern immer vernehmbarer wird. Und dass Angela Merkel mit ihren geldpolitischen Äußerungen nicht nur beurkundet, dass die Unabhängigkeit der EZB eine Farce ist, sondern dass sie durchaus auch der Meinung ist, der Euro spalte den gemeinsamen Währungsraum.

Anders gesagt: Das Endspiel um den Euro und Europa geht in seine entscheidende Phase. Wie gesagt: Nichts weiter.

Man hätte also gern Mäuschen gespielt bei der Unterredung zwischen Angela Merkel und Enrico Letta am Dienstagnachmittag im Kanzleramt. Denn Letta war erkennbar nicht nach Berlin gereist, um der Kanzlerin seine Ergebenheit zu bekunden, sondern um ihr gegenüber auf nationale Unabhängigkeit und Souveränität zu pochen, mehr noch - der italienische Premier tritt erkennbar an, um Merkel die Deutungshoheit über die europäische Krisenpolitik - und das heißt auch: die politische Führungsrolle in Europa - zu entreißen.

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