Schuldenkrise: Dem Euro hilft nur noch Plan B

Schuldenkrise: Dem Euro hilft nur noch Plan B

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Eine mögliche Lösung aus dem Euro-Dilemma: Rückkehr zu nationalen Währungen

von Malte Fischer und Anne Kunz

Die Länder der Währungsunion driften immer stärker auseinander, auch der Streit um den richtigen Kurs in der Euro-Rettung spitzt sich zu. Ein Zerbrechen der Währungsunion ist nicht mehr auszuschließen. Die Rückkehr zu nationalen Währungen oder die Bildung einer Kernunion wäre die beste Lösung.

Unter griechischen Hoteliers herrscht seit Tagen helle Aufregung. Anfang des Monats erhielten sie ein Schreiben von Tochtergesellschaften des Touristikkonzerns TUI. Darin fordert der Reisekonzern sie auf, einen neuen Vertrag zu unterschreiben, durch den sich die TUI gegen das Risiko einer Rückkehr Griechenlands zur Drachme absichert. „Wenn der Euro nicht mehr die Währung sein sollte“, heißt es in dem Schreiben, „ist die TUI berechtigt, die Geldsumme in der neuen Währung zu bezahlen.“

Bei TUI wiegelt man ab, es handele sich bei der Währungsklausel um ein ganz normales Vorgehen, das auch anderswo üblich sei. Doch der Fall zeigt: Die ersten Unternehmen stellen sich bereits darauf ein, dass die Europäische Währungsunion auseinanderbricht.

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Erschreckendes Signal

Die Sorge ist begründet. Selbst in der Bundesregierung denkt man laut über einen Austritt Griechenlands nach. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, die Bundesregierung wäre eine „grauslige Regierung, wenn sie nicht auch darüber nachdenken würde, was sie macht, wenn es schiefgeht“. Und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hält es für ein Märchen, „dass der Euro oder gar die Europäische Union nicht mehr weiterleben würden, wenn sich ein Land wie Griechenland für den Austritt entscheiden würde“.

Keine Wetten

Auch an den Finanzmärkten mag niemand mehr darauf wetten, dass Athen noch lange in der Euro-Zone bleibt. Stünde nur Griechenland auf der Kippe, würden die Märkte das wohl mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen. Doch der Krisenvirus hat längst auf Italien, Spanien und selbst auf Frankreich übergegriffen. Die Risikoprämien für die Staatsanleihen dieser Länder kletterten in der vergangenen Woche auf über beziehungsweise knapp unter sieben Prozent. Für die Chefs der Übergangsregierungen in Griechenland und Italien ist das ein erschreckendes Signal: Sowohl der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Lucas Papademos, als auch der frühere EU-Kommissar Mario Monti haben auf den Märkten keinen Kredit.

Das Misstrauen gegenüber der Währungsunion ist so groß, dass selbst der Euro- Rettungsfonds EFSF keinen Investor findet, der bereit ist, sein Geld in Rettungsaktionen zu stecken. Ihre eigenen Anleihen musste die EFSF bei der jüngsten Auktion anbieten wie sauer Bier – und 3,6 Prozent Zinsen zahlen, doppelt so viel wie die Bundesregierung für ihre zehnjährigen Anleihen.

In Bankerkreisen heißt es, selbst die Emission gemeinschaftlich verbürgter Euro-Bonds könnte die Märkte nicht mehr beruhigen. Zu groß ist der Vertrauensverlust in die Politik. Für den Wirtschaftshistoriker Hans-Joachim Voth von der spanischen Eliteuni Pompeu Fabra in Barcelona ist die Zeit für den Euro abgelaufen. Die Politiker, so Voth, müssten jetzt das Undenkbare denken: „Wie kann ein Rückbau des Euro so ausgestaltet werden, dass den verlorenen Milliarden nicht noch mehr hinterhergeworfen werden?“

Dass die Euro-Krise sich dermaßen beschleunigt, hat selbst Voth überrascht. „Vor ein paar Wochen hätte ich dem Euro noch fünf Jahre gegeben, jetzt würde es mich nicht überraschen, wenn die Währungsunion in den nächsten sechs Monaten platzt“, sagt der in Oxford ausgebildete Ökonom.

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