Schuldenkrise: Der Euro ist ein Auslaufmodell

KommentarSchuldenkrise: Der Euro ist ein Auslaufmodell

von Frank Doll

In Europa ist die Sparpolitik gescheitert. Italien, Portugal und Spanien steuern jetzt ungebremst auf den Staatsbankrott zu. Berlin gerät unter Druck.

Man kann es drehen und wenden wie man will - Silvio Berlusconi ist zurück an den Schalthebeln der Macht in Rom. Der designierte italienische Ministerpräsident heißt zwar Enrico Letta und ist Sozialdemokrat, aber schon dessen Onkel Gianni Letta gehört zum engsten Beraterkreis von Berlusconi. Der Cavaliere, dreifacher Premierminister und zweifach verurteilter Gesetzesbrecher, ist die Schlüsselfigur in den laufenden Verhandlungen zur Regierungsbildung. Ohne die Stimmen von Berlusconis Il Populo della Libertà (PDL) erhielte Letta keine parlamentarische Mehrheit. Das Regierungsprogramm und die Auswahl der Minister werden deshalb die Handschrift Berlusconis tragen. Ciao Reformen! Ciao Sparkurs!

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Für 2013 und 2014 rechnen Ökonomen der Citigroup mit einer Kontraktion der italienischen Wirtschaft um 1,6 Prozent und 1,2 Prozent. 2015 werde die Staatsverschuldung Italiens 142 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreichen. Damit würde Italien endgültig im Schuldensumpf versinken. Die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Italien stellen einmal mehr den Erfolg der Euro-Rettungsmanöver in Frage.

Wissenswertes über Italien

  • Italiener leben lang – und ungesund

    Das Klima und die mediterrane Küche sind wohl ausschlaggebend für die hohe Lebenserwartung der Italiener. In Europa führen sie die Liste aller OECD-Staaten an, weltweit belegen sie den zweiten Platz. Die Lebenserwartung beträgt bei Frauen circa 83 Jahre, bei Männern 78 Jahre. Ungefähr 19 Prozent der Italiener sind älter als 65 Jahre.

    Dennoch ist auch im Stiefelstaat der Trend zum Übergewicht festzustellen. Italien hat der adipösen Gesellschaft den Kampf angesagt und so gibt es in Italien einige Krankenhäuser, die sich ausschließlich um fettleibige Patienten kümmern.

  • Das sind die reichsten Italiener

    Der Süßwarenfabrikant Michele Ferrero ist der reichste Mann Italiens. Sein Vermögen wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt. Leonardo Del Vecchio, Gründer von Luxottica, folgt auf Rang zwei.

  • Verkaufsschlager Wein und Öl

    Die italienische Landwirtschaft spielt insgesamt keine große Rolle. In zwei Bereichen sind die Italiener dennoch Weltspitze: So produzierte das Land 2010 rund 44,8 Millionen Hektoliter Wein. Nur Frankreich stellt mehr Wein her. Außerdem ist Italien, nach Spanien, der zweitgrößte Erzeuger von Olivenöl.

  • Italiens beste Kunden

    Italiens Handelspartner befinden sich in direkter Nähe zu dem Land. Deutschland ist der wichtigste Partner, gefolgt von Frankreich. Italiens Produkte erfreuen sich besonders in Großbritannien, Spanien und den USA großer Beliebtheit. Importiert wird aus den Niederlanden, China, Libyen und Russland.

  • Was kann Italien besser als Deutschland?

    Eindeutig Brillen herstellen! Denn Luxottica, mit Sitz in Agordo (Provinz Belluno) ist der weltgrößte Brillenhersteller. Seit 1995 kauft das italienische Unternehmen US-Marken wie Ray-Ban und Oakley auf.

  • Italiens "Blaue Banane"

    Mailand, Turin und Genua sind die größten Wirtschaftszentren Italiens. Sie sind Teil des europäischen Wirtschaftsraumes, der durch neun Länder führt und "Blaue Banane" heißt. Zentrale Einrichtungen der Europäischen Union und 20 Weltstädte befinden sich in der Zone. Hier sind die Bevölkerung, die Wirtschaft, das Kapital und die Infrastruktur sehr gut verwoben und bilden somit eine wirtschaftliche Achse Europas. Vergleichbar ist dieser Wirtschaftsraum mit BosWash in den USA.

  • Die kuriosesten Gesetze

    Kuriose Gesetze sind in Italien keine Seltenheit. So müssen Hunde dreimal täglich Gassi gehen. Die Polizei darf sich bei den Nachbarn auch erkundigen, ob dies eingehalten wird. Hohe Geldstrafen sind ausgesetzt, wer sich nicht an die Gesetze halten will. Wer sich in der Lombardei abends auf einer Bank ausruhen will, muss sich vergewissern, dass nicht mehr als drei Personen Platz nehmen. Denn in einem öffentlichen Park ist dies streng reglementiert.

  • Reich an Kultur

    Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten. Italien ist in Besitz von 100.000 Denkmälern. Darunter befinden sich nicht nur Kirchen, Galerien und Schlösser. Auch archäologische Funde, Brunnen und Villen fallen unter den Denkmalschutz.

Ein ähnliches Fiasko wie in Italien droht in Spanien und Portugal. Spanien erwartet 2013 ein Minuswachstum von 1,3 Prozent. Die Sanierung des Haushalts wird erst einmal um zwei Jahre nach hinten verschoben. In Portugal ist die wirtschaftliche Lage inzwischen so kritisch, dass sich gar Mário Soares zu Wort meldet. Der ehemalige Premierminister und Staatspräsident fürchtet wegen der Sparpolitik einen wirtschaftlichen Kollaps seines Landes und fordert für Portugal einen Staatsbankrott nach argentinischem Vorbild. Nach Berechnungen der Citigroup wird die Staatsverschuldung von Portugal 2015 untragbare 154 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung erreichen.

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21 Kommentare zu Schuldenkrise: Der Euro ist ein Auslaufmodell

  • Leider wirds mit dem Auslaufen des Euro noch eine Weile dauern:

    Eine Änderung gibts nicht durch Einsicht der Politiker und anderer Begünstigter des Systems sondern nur durch Druck und Angst vor einem crash.
    Der Reform-Druck im ClubMed wird aber unverändert durch Geld, vor allem dem sauer verdienten Geld der deutschen Bürger aufgehoben.

    Solange also in Deutschland kein Gegen-Druck in Richtung "alternativlos Retten um jeden Preis" aufgebaut wird um die ClubMed-Alimentierung zu unterbinden wird sich nichts ändern - allen wortreichen Absichtserklärungen zum Trotz.

    Daher wird sich ohne einen sehr deutlichen Erfolg der AfD nichts ändern und Deutschland immer weiter zahlen..

  • Leider dürften diese offensichtliche Wahrheiten und Wirklichkeiten den meisten Deutschen kaum bekannt sein. Es sei denn, sie nutzen das Internet und lesen einige gute Fachbücher.

    Der grundlegende Fehler wurde mit der Begründung dieser Währungsunion begangen. Der zweite Fehler war, dass man schon in den Jahren von 2002 bis 2005 nicht auf die eklatanten Leistungsbilanzdefizite der Südzone hinwies. Der dritte Fehler war die Errichtung des EFSF. Der vierte Fehler war die Duldung der bisherigen EZB-Rettungspolitik à la ELA, LTRO, Target II, Dauerniedrigstzinsen, SMP, OMT und STEP. Der fünfte Fehler war die Errichtung des ESM. Der sechste Fehler war, dass die Rettungsschirme EFSF und ESM auch Banken rekapitalisieren dürfen.

    So reiht sich ein Fehler an den anderen und ist kaum wieder wett zumachen. Die ökonomischen Ungleichgewichte nehmen zu, die Defizite und Arbeitslosigkeiten ebenso. Ein brauchbarer, tragfähiger und glaubwürdiger Lösungsansatz ist nicht in Sicht. Der Bericht der EZB bezüglich der Vermögensentwicklungen innerhalb der Eurozone spricht Bände, die Einkommensentwicklungen in Deutschland ebenso.

    Murks bleibt Murks, Schrott bleibt Schrott und Lügen bleiben Lügen.

    Nächste Baustellen: Eurobonds, Bankenunion, eine europäische Arbeitslosenversicherung, Konjunkturschwankungausgleichsfonds, eine europäische Wirtschaftsregierung mit Durchgriffsrechten, eine Bankenlizenz für den ESM und Strafen/Verwarnungen bei exorbitanten Überschüssen. Ein Erfolgsmodell sieht aber irgendwie völlig anders aus oder?

  • Ich muss hier mal eine Lanze für Frank Doll brechen: Seine Kolumne hebt sich wohltuend ab von der inhaltsleeren "Hofberichterstattung" anderer Blätter -überlegt, kritisch analytisch und immer mit einer klaren eigenen Meinung. Chapeau!

    "Mit dem Scheitern der Sparpolitik droht aber auch der Versuch, die Währungsunion zu retten, zu scheitern."

    Das genau ist der Punkt: Die Rotweinstaaten wollen ja gar nicht sparen. Wie die WiWo ja auch schon die Woche gemeldet hatte, wird da gar nichts gespart, stattdessen wachsen die Schuldenberg fröhlich weiter.
    Und selbst wenn sie sparen wollten, könnten sie es gar nicht in dem Maße, wie es nötig wäre, um aus dem -selbstverursachten!- Schuldensumpf wieder herauszukommen.

    Und so blüht die Hinhaltetaktik: Nach außen hin jammern, man könne nicht mehr sparen, nach Brüssel hin alles mögliche versprechen (aber nicht umsetzen) und dann immer wieder bis zum Sanktnimmerleinstag noch eine und noch eine Stundung der Kredite herauswinden.

    -Immer ist das Motto "Zeit schinden, bitte keine echte Sparpolitik während meiner Amtszeit!"

    Ja, der Euro ist eigentlich kein Auslaufmodell mehr, sondern bereits klinisch tot -und nur durch die EZB künstlich am Leben erhalten.

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