Schuldenkrise: Der Fluch der hohen Arbeitskosten

Schuldenkrise: Der Fluch der hohen Arbeitskosten

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In Griechenland sind die Arbeitskosten in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Produktivität.

von Tim Rahmann

Der Schluck aus der Lohnpulle ist verführerisch. Vor allem in den europäischen Mittelmeerländern konnten viele Arbeitnehmer und Gewerkschaften nicht widerstehen, wie eine neue Studie zeigt. Die Folgen sind fatal.

Wenn die Wirtschaft kräftig wächst, wollen die Arbeitnehmer – zu Recht – ein Stück vom Kuchen abbekommen. Der beste Beweis: Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Spitzenfunktionäre der Gewerkschaften Verdi und DBB Tarifunion handelten mit Bundesinnenminister Hans-Peter-Friedrich und kommunalen Arbeitgebervertretern die Löhne für die rund zwei Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen aus. Das Ergebnis: Die Gehälter der rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen steigen 2012 und 2013 in drei Schritten um insgesamt 6,3 Prozent.

So erfreulich das Ergebnis für die Beschäftigten ist, so fragwürdig ist es aus ökonomischer Sicht. Denn der Abschluss kostet allein die Städte und Gemeinden in der Endstufe rund 4,3 Milliarden Euro zusätzlich – pro Jahr.  Viele finanziell klamme Kommunen werden wohl schon bald Dienstleistungen für die Bürger zurückfahren, Öffnungszeiten und Personal reduzieren. Oder eben noch mehr Schulden machen.

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Geringster Anstieg der Kosten in Deutschland

Wie hoch dürfen Arbeitskosten sein? Die einfachste Antwort: Sie dürfen nicht schneller wachsen als die Produktivität. In vielen Euro-Ländern war das in den vergangenen Jahren anders. Zwar bezahlten die Arbeitgeber in der deutschen Privatwirtschaft Jahr 2011 durchschnittlich 30,10 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Damit liegt das Arbeitskostenniveau in Deutschland innerhalb der Europäischen Union auf Rang sieben, so  das Statistische Bundesamt (Destatis) Aber: Nirgendwo in der EU sind die Arbeitskosten in den vergangenen zehn Jahren so wenig angestiegen wie zwischen Hamburg und München.

Diagramm: Lohnstückkosten Quelle: EU-Kommission

Diagramm: Lohnstückkosten (zum Vergrößern bitte klicken)

Bild: EU-Kommission

Die Bruttoverdienste und Lohnnebenkosten verteuerten für die Privatwirtschaft in Deutschland von 2001 bis 2011 um 19,4 Prozent. Zum Vergleich: Im benachbarten Frankreich stiegen die Arbeitskosten in diesem Zeitraum mit 39,2 Prozent mehr als doppelt so stark, im EU-Schnitt um Prozent um 36,1 Prozent. Deutschland nehme „eine Sonderstellung“ ein, so die Autoren der Studie.

Sechs Länder sind teurer als Berlin

Belgien hatte mit 39,30 Euro die höchsten Arbeitskosten, gefolgt von Schweden (39,10 Euro) und Dänemark (38,90 Euro). Auch Frankreich (34,20 Euro), Luxemburg (33,70 Euro) und die Niederlande (31,10 Euro) liegen noch vor Deutschland. Die Arbeitgeber in Bulgarien mussten mit 3,50 Euro die niedrigsten Arbeitskosten je geleistete Stunde zahlen.

In den Euro-Pleiteländern Irland, Portugal und Griechenland liegen die Arbeitskosten im EU-Mittelfeld. Irland liegt mit seinen durchschnittlichen Arbeitskosten in Höhe von 27,40 Euro nur knapp hinter Österreich und noch vor Großbritannien. In Portugal liegen die Arbeitskosten bei moderaten 12,10 Euro. Allerdings sind die Lohnstückkosten seit dem Jahr 2000 um über 25 Prozent gestiegen. Die Produktivität konnte da nicht mithalten.

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