Schuldenkrise: Der griechische Patient

KommentarSchuldenkrise: Der griechische Patient

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Antonio Padoa-Schioppa versucht Schäuble in einem offenen Brief einzureden Deutschland sei Schuld, wenn Griechenland pleite geht.

von Ferdinand Knauß

Das Bild von den Krisenländern als "Kranke" und von der falschen "Therapie" der Deutschen wird nicht nur von Antonio Padoa-Schioppa in seinem Brief an Wolfgang Schäuble verwendet. Es verfolgt einen politischen Zweck.

Sprachbilder sind ein sehr beliebtes und effektives Mittel der politischen Willensbildung. In der Finanzkrise sprechen viele Kommentatoren besonders gerne von Kranken oder Patienten und von der angeblich falschen Therapie.  Das jüngste Beispiel gibt Antonio Padoa-Schioppa, Rechtsprofessor und Bruder des verstorbenen italienischen Finanz- und Wirtschaftsministers Tommaso Padoa-Schioppa, jetzt mit seinem offenen Brief an Bundesfinanzminister Schäuble.  Die kranken Patienten sind in diesem Bild stets Griechenland und die anderen unter Finanzierungsnöten leidenden Staaten der Eurozone. Der Arzt ist Deutschland und die Therapie ist das so genannte "Spardiktat". In Padoa-Schioppas Worten: "In einer Phase der Rezession kann eine hastige, schlecht umgesetzte Therapie den Kranken eher umbringen als heilen."

Offener Brief „Deutschland spielt mit dem Feuer“

Deutschlands strenge Ausgabenpolitik ist seit Maastricht bekannt, doch dadurch genesen die nationalen Haushalte nicht. Zur Rettung des Euros müsssen alle mithaften und für eine föderale Regierung Europas eintreten.

Wolfgang Schäuble (rechts) unterhält sich mit Innenminister Friedrich. Quelle: Reuters

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Diejenigen, die dieses Bild gezeichnet haben, tun das sicher nicht nur mit der Absicht des gutmütigen Lehrers, der seinen Schülern ein abstraktes Problem erklärt. Das Bild des Kranken und des Arztes wird nicht zufällig stets von denen verwendet, die den Zerfall der Eurozone um jeden Preis verhindern und dafür Deutschland und andere bislang nicht in Finanznöte geratene Staaten besonders zur Kasse bitten wollen.  Und weil es eine moralische Pflicht ist, einen Kranken zu retten, kann Padoa-Schioppa  nach Einführung dieses Bildes auch wirksam seine eigentliche Botschaft verbreiten:  "Die Rettung Griechenlands ist Pflicht." Also muss man keine weiteren Argumente liefern. Eine unbelegte Behauptung genügt: "Das Schicksal des Euros, der die zweitwichtigste Währung der Welt ist, wäre besiegelt, wenn ein Land rausgeworfen würde."

Der Arzt, der nicht hilft, ist Schuld, wenn der Patient stirbt

Ebenso wichtig wie die Etablierung der Krisenstaaten als "Kranke" oder "Patienten" ist die von Deutschland als "Arzt". Ein Arzt hat nicht zu fragen, warum der Kranke krank ist, und ob er daran möglicherweise selbst schuld ist. Zum helfen und Leben retten ist moralisch jeder verpflichtet. Aber ein Arzt ist dazu in besonderem Maße in der Lage. Ein Arzt trägt daher besondere Verantwortung für den Kranken. Der Arzt, der nicht hilft, ist schuld, wenn der Patient stirbt. Und daher kann Padoa-Schioppa auch seine zweite zentrale Botschaft ohne jedes weitere Argument verkünden: "Die Bundesrepublik hat eine gewaltige historische Verantwortung, mehr als jedes andere Land der Union."

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Wolfgang Schäuble sollte sich von Padoa-Schioppa oder anderen selbsterklärten Finanz-Medizinern nicht einreden lassen, dass er etwas anderes ist als ein Minister, der geschworen hat, den Nutzen Deutschlands zu mehren und Schaden von ihm zu wenden. Den Eid des Hippokrates hat er nicht geschworen.

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