Schuldenkrise: Die griechische Sage vom ausgeglichenen Etat

Schuldenkrise: Die griechische Sage vom ausgeglichenen Etat

von Martin S. Feldstein

Die Aussage über Griechenlands Staatshaushalt bezieht sich lediglich auf das Primärdefizit. Von einem ausgeglichenen Haushalt ist das Land noch weit entfernt.

Letztens war aus Zeitungsüberschriften zu erfahren, der griechische Staatshaushalt des Gesamtjahres 2013 werde am Ende ausgeglichen sein. Keine Schulden mehr? Eine unglaubliche Nachricht: Als offizielle Vertreter Griechenlands die wirkliche Lage ihrer Staatsfinanzen erstmals offen legten – das war erst 2010 –, betrug das Haushaltsdefizit mehr als zehn Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dieser Augenblick statistischer Ehrlichkeit war der Auslöser der Schuldenkrise in der Eurozone. Dass nun dieses griechische Haushaltsdefizit in nur drei Jahren völlig beseitigt wäre, ist auf den ersten Blick zu schön, um wahr zu sein.

Und tatsächlich: Es ist zu schön, um wahr zu sein. Jeder Zeitungsleser, der mehr als die Überschriften zur Kenntnis nahm, erfuhr schnell, dass die Prognose eines Haushaltsdefizits von null in Wirklichkeit in die Irre führte: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte nur vorausgesagt, dass Griechenland 2013 ein "Primärdefizit" von null erreichen würde.

Anzeige

Ein "Primärdefizit" (und entsprechend ein "Primärüberschuss") im Staatshaushalt ist die Differenz zwischen einerseits sämtlichen Staatsausgaben bis auf die Zinsausgaben für die Schuldenlast und andererseits sämtlichen Einnahmen aus Steuern und anderen Quellen. Im Falle Griechenlands beziehen sich die Zinszahlungen auf Staatsschulden gegenüber griechischen Privatleuten und Institutionen wie auch auf die Staatsschulden, die der IWF, die Europäische Zentralbank EZB und andere ausländische Gläubiger halten.

Griechenland Haushaltsfortschritte sind „spektakulär“

OECD-Chef Angel Gurría macht den Griechen Mut. Das Land habe seine Wettbewerbsfähigkeit zurückgewonnen. Trotzdem gibt es noch viel zu tun.

OECD-Chef Angel Gurría hat das griechische Spar- und Reformprogramm gelobt. Quelle: dpa

Das tatsächliche Haushaltsdefizit wird 2013 der Prognose zufolge immer noch 4,1 Prozent vom griechischen BIP betragen. Das ist viel besser als 2010, aber von einem ausgeglichenen Haushalt immer noch weit entfernt. Aus diesem Unterschied zwischen dem Gesamtdefizit und dem Primärdefizit folgt aber offensichtlich auch, dass die griechischen Staatsschulden den Staat in diesem Jahr 4,1 Prozent vom BIP kosten.

Darüber hinaus folgt aus den Zahlen, dass der griechische Staat ungewöhnlich niedrige Zinsen für seine Schulden zu zahlen hat. Da die Staatsverschuldung dieses Jahr immer noch bei etwa 170 Prozent vom BIP liegt, folgt aus der Zinslast von 4,1 Prozent, dass das Land für seine Verschuldung im Durchschnitt nur 2,4 Prozent Zinsen zahlt – sehr viel weniger als der Zinssatz von annähernd neun Prozent, mit denen griechische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit derzeit auf dem freien Markt notieren.

Der große Unterschied ergibt sich aus dem niedrigeren Zinssatz für kurzfristige Schuldtitel und aus den sehr vorteilhaften Bedingungen, zu denen Griechenland derzeit von öffentlichen Gläubigern wie IWF und EZB Geld leihen kann. Müsste Griechenland zum marktüblichen Zins für seine zehnjährigen Anleihen Geld aufnehmen, würde sein Haushaltsdefizit gemessen an der Staatsverschuldung um 6,5 Prozent und gemessen am BIP um 11 Prozent steigen. In diesem Fall läge das gesamte griechische Haushaltsdefizit bei ungefähr 15 Prozent vom BIP und die gesamte Staatsschuld stünde kurz vor der Explosion.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%