Schuldenkrise: Draghi bringt seine Bazooka in Stellung

Schuldenkrise: Draghi bringt seine Bazooka in Stellung

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Wirft der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, schon bald die Notenpresse an?

von Anne Kunz, Henning Krumrey, Christian Ramthun und Silke Wettach

Auf den Märkten bahnt sich ein Käuferstreik für Europas Staatsanleihen an. Selbst Deutschland ist betroffen. Die Politik drängt die Europäische Zentralbank dazu, durch unbegrenzte Anleihekäufe das Überleben des Euro zu sichern. Gibt sie dem Druck nach, wäre das Ende der Währungsunion besiegelt.

Wenn der Portugiese Vitor Constâncio versucht, die Märkte zu beruhigen, werden selbst die hartnäckigsten Optimisten nervös. Man solle das Ergebnis nicht zu negativ bewerten, sagte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), nachdem Mitte vergangener Woche die Auktion einer zehnjährigen Bundesanleihe mangels Käufer nicht komplett geklappt hatte. Ausgerechnet die Staatsanleihen der Deutschen, deren Papiere bisher als bombensicher galten, wollte keiner mehr haben. Da schrillten der ungelenken Beschwichtigungen Constâncios zum Trotz alle Alarmglocken: Der Ernstfall naht, verstanden die Anleger.

Der Ernstfall, das ist der Käuferstreik: wenn von der Euro-Schuldenkrise verunsicherte Anleger sich vollkommen aus den Anleihemärkten zurückziehen. Dann gibt es nach einschlägiger Meinung nur noch einen Ausweg: den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB. Der in Oxford lehrende Ökonom Clemens Fuest, der als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums auch dessen Amtschef Wolfgang Schäuble berät, bringt es auf den Punkt: „Ich fürchte, dass sich die Euro-Krise weiter verschärfen wird“, sagt der renommierte Finanzwissenschaftler. Und: „Die EZB wird sehr viel mehr aufkaufen müssen. Nur sie kann den Absturz noch verhindern.“

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Es ist mal wieder, wie schon so oft seit Ausbruch der Euro-Krise im Mai 2010: Was bis vor wenigen Wochen noch als Tabu galt, erscheint plötzlich als letzte Rettung. Doch der Schein trügt. Würde sich die EZB, ähnlich wie die amerikanische Zentralbank Fed, die japanische Notenbank Bank of Japan und die britische Bank of England zum massenhaften Ankauf von Staatsanleihen klammer Euro-Länder aufschwingen und als „Lender of last Resort“ fungieren, würde sich Europas Schuldenkrise dramatisch verschärfen. Die Risiken für die deutschen Steuerzahler, den größten Anteilseigner der EZB, nähmen dramatisch zu, die notwendige Sanierung der Schuldenländer würde verschleppt, die EZB würde sich vollends in die Abhängigkeit der Politik und der Finanzmärkte begeben, und schon mittelfristig nähme auch die Inflationsgefahr deutlich zu. Kaum vorstellbar, dass die Bürger bislang stabiler Euro-Länder in Deutschland, in den Niederlanden oder auch in Finnland eine solche Entwicklung akzeptieren würden. Ihr Ausstieg aus dem Euro wäre eine realistische Option.

Infografik Der optimale Euro-Raum

Nur durch eine Neuausrichtung auf einen homogenen Kern kann der Euro überleben. Mit wem könnte Deutschland eine stabile Währungsunion gründen?

Die optimale Euro-Zone

Wackerer Widerstand

Noch leisten die Deutschen diesem Szenario wacker Widerstand. Doch mit ihrer prüden Haltung sind Bundesregierung und Deutsche Bundesbank im Kreis der Euro-Retter isoliert. Was die Sache noch schlimmer macht: Mittlerweile sind auch die EU-Regierungschef mit ihrem Latein am Ende. Die Beschlüsse des EU-Krisengipfels vom 27. Oktober, auf dem nach langem Kampf die Ausweitung des Rettungsfonds EFSF beschlossen wurden sind weitgehend verpufft. Was Bundeskanzlerin Angela Merkel damals als „umfassende Lösung“ gepriesen hatte, erweist sich in der Praxis als Illusion.

Vor allem die Hebelung der EFSF-Milliarden macht große Probleme. Die Versicherungslösung wird von den Märkten nicht akzeptiert. Der Grund: Käufer von Staatsanleihen wollen Sicherheit. Aber wenn die Regierungen die Notwendigkeit einer Teilversicherung sehen, signalisiert dies eher, dass die Anleihen von Peripherieländern riskant sind. Hinzu kommt, dass viele Investoren an der Glaubwürdigkeit der komplizierten Konstruktion zweifeln. „Denn wenn die Regierungen den Schuldenschnitt eines Peripherielandes wie im Falle Griechenlands als freiwillig darstellen, wäre es aus Sicht der Anleger denkbar, dass der EFSF als Versicherungsgeber bei künftigen Schuldenschnitten nicht zahlen würde“, sagt Jörg Krämer, Chefökonom bei der Commerzbank. Zudem reichen 25 Prozent Absicherung einfach nicht: Bei einer Staatspleite gehen die Verluste weit darüber hinaus.

Anleihekäufe zur Märktestabilisierung

Die Hoffnung auf frisches Geld aus Ländern mit Handelsüberschüssen hat sich ebenfalls nicht erfüllt. China zeigt sich bisher zurückhaltend, wenn es darum geht in großem Stil in ein neues Finanzvehikel einzusteigen. „Das alles ist ein Experiment, das an der Wirklichkeit erprobt werden muss. Sollte es scheitern, bricht Chaos aus, und es bleibt nur noch die EZB die durch Anleihekäufe die Märkte stabilisieren kann“, sagt Ulrich Kater von der DekaBank.

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