Schuldenkrise: Euro-Ländern steht Herabstufung kurz bevor

Schuldenkrise: Euro-Ländern steht Herabstufung kurz bevor

von Tim Rahmann

Mehrere Länder der Euro-Zone stehen unmittelbar vor einer Herabstufung ihrer Bonitätsnote durch die amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's. Frankreich bestätigte bereits, das das Land seine Top-Bewertung verlieren wird. Die Euro-Rettung gerät in Gefahr.

Hiobsbotschaft kurz vor dem Wochenende: Mehrere Länder der Euro-Zone stehen unmittelbar vor einer Herabstufung ihrer Bonitätsnote durch die amerikanische Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P). Darunter ein Schwergewicht Europas: Frankreich. Wirtschaftsminister François Baroin bestätigte am Freitagabend im französischen Fernsehen bestätigte, dass Frankreich die Top-Bonitätsnote "AAA" verlieren werde. Die Ratingnote gehe um eine Stufe zurück auf „AA+“.

Standard & Poor's äußerte sich noch nicht. Spekuliert wird, dass auch Österreich, Italien, Spanien und Portugal abgestuft werden. Zum Teil gar um zwei Noten. Fest steht aber: Deutschland allerdings wird sein Top-Rating behalten.

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Europäische Politiker versuchten in ersten Reaktionen, Nervenstärke zu zeigen. Die Abstufung sei keine Katastrophe, betonte der französische Wirtschaftsminister Baroin. „Es sind nicht die Ratingagenturen, die Frankreichs Politik diktieren.“ Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich betont unbeeindruckt: „Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen“,
sagte er dem Fernsehsender RTL am Rande einer Wahlkampfveranstaltung im schleswig-holsteinischen Henstedt-Ulzburg.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

  • IWF

    Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

    Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

  • ESM (Bareinzahlung)

    Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

    Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

  • ESM (Bürgschaften)

    Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

    Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

  • IWF-Rettungsplan für Griechenland

    Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

    Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

  • EU-Rettungsplan für Griechenland

    Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

    Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

    Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

    Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

  • Gesamt

    Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

    Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's hatte am 6. Dezember den Ausblick für das Rating von 15 Euro-Ländern auf „negativ“ gesetzt und damit eine Herabstufung binnen drei Monaten vorbereitet. Zur Erklärung hieß es damals: Der negative Ausblick sei in dem Glauben ausgesprochen worden, " dass systemische Stressfaktoren in der Eurozone in den vergangenen Wochen zugenommen haben in dem Ausmaß, dass nun Druck auf die Bonität im gesamten Euroraum ausgeübt wird."

Zweifel an den Staats- und Regierungschefs

Als weiterer Grund wurde damals der anhaltende Streit unter Europas Regierungschef genannt. Es gebe "eine Vertrauenskrise", da unklar sei wie sich die Eurozone wirtschaftlich, finanziell und steuerlich annähern könnte. Unmittelbar im Anschluss hatten sich die Staats- und Regierungschef der Eurozone auf tiefgreifende Reformen geeinigt. Doch die angestrebte Einführung von Schuldenbremse und automatischen Sanktionsmöglichkeiten stehen inzwischen wieder zur Debatte.

Allen voran Großbritannien, Tschechien und zuletzt Italien äußerten öffentlich Kritik an der geplanten Gesetzesinitiative der Europäischen Union zur Einführung eines Fiskalpaktes, über die die Staats- und Regierungschefs Europas auf einem Gipfel am Ende des Monats abstimmen sollen.

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