Schuldenkrise: Euro-Retter in der Sackgasse

KommentarSchuldenkrise: Euro-Retter in der Sackgasse

von Tim Rahmann

Griechenland wird bei der Sondersitzung der Euro-Finanzminister am Dienstag weitere Hilfe bekommen. Der Einsatz steigt stetig. Es ist Zeit für einen Befreiungsschlag.

Der Griechenland-Poker steht kurz vor der nächsten Entscheidung. Wie bei dem populären Kartenspiel liegen die Einsätze vor der letzten Karte ("River") schon turmhoch auf dem Tisch. Im Pott sind 308 Milliarden Euro. So viel Geld würde nach Berechnungen des ifo-Instituts bei den europäischen Geberländern und dem Internationale Währungsfonds (IWF) an Verlusten anfallen, sollte Griechenland pleitegehen. Alleine Angela Merkel hat als Vertreterin Deutschlands bislang 82 Milliarden Euro in den Pott geworfen. Geld, das sofort weg wäre, würde sie nun den Pokertisch verlassen.

Mit Rettungspaketen in die Sackgasse

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Um das Spiel am Leben zu halten, müssen die Spieler nun noch einmal gemeinsam 13,5 Milliarden Euro auf den Tisch legen, um eine neuerliche griechische Finanzierungslücke zu schließen. Deutschland Anteil läge bei rund 3,6 Milliarden Euro, jenem 27-Prozent-Anteil, den die Bundesrepublik etwa auch am Euro-Rettungsschirm trägt. Das sind 4,3 Prozent der Summe, die Deutschland bislang investiert hat. Jeder gute Pokerspieler weiß: Die Kanzlerin muss nun mitgehen. Die Verluste sind im Vergleich zum neuerlichen Einsatz zu groß. Denn immerhin gibt es noch – sei sie auch noch so gering – eine Chance, dass sich mit der letzten Karte das Blatt wendet und Griechenland die Wende schafft.

Anteil Deutschlands an der Euro-Rettung

  • IWF-Anteil am Rettungsschirm

    15 Mrd. Euro

  • Bürgschaften für Hilfen aus dem EU-Haushalt (EFSM)

    12 Mrd. Euro

  • Bürgschaften für EFSF

    253 Mrd. Euro

  • 1. Rettungspaket des IWF für Griechenland

    2 Mrd. Euro

  • 1. EU-Rettungspaket für Griechenland

    22 Mrd. Euro

  • EZB-Staatsanleihenkäufe - DE

    94 Mrd. Euro (Haftungsanteil Deutschlands, wenn die Krisen-Länder einschließlich Italien als Garantiegeber ausfallen)

  • Target-Verbindlichkeiten der Krisenländer

    277 Mrd. Euro (Haftungsanteil Deutschlands, wenn die Krisen-Länder einschließlich Italien als Garantiegeber ausfallen)

Wer sein Geld hätte retten und die Verluste begrenzen wollen, hätte schon früher einen Schlussstrich ziehen müssen, etwa beim zweiten Rettungspaket für Griechenland. Doch nichts ist passiert. Stattdessen hat die Rettungspolitik der kleinen Schritte – ein Rettungspaket hier, ein halbherziger Schuldenschnitt da – die Bundeskanzlerin und die Euro-Länder in eine Sackgasse geführt. Sie müssen Griechenland zunächst weiter stützen, auch wenn kaum einer außerhalb Griechenlands ernsthaft an eine Wende glaubt.

Die Finanzminister der Euro-Länder werden bei ihrer Sondersitzung am Dienstag also die Finanzierungslücke schließen. Vorher kann die Troika aus EU, IWF und EZB kein grünes Licht geben für die Auszahlung weiterer voraussichtlich 44 Milliarden Euro aus dem zweiten Hilfsprogramm von insgesamt 130 Milliarden Euro. Strittig ist derzeit nicht ob die Lücke geschlossen wird, sondern wie.

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