Schuldenkrise: Europas Sparern droht eine kalte Enteignung

Schuldenkrise: Europas Sparern droht eine kalte Enteignung

von Anne Kunz

Die Verbindlichkeiten der USA und Europas haben ein Ausmaß angenommen, das durch Sparen und Wachstum nicht mehr zu beherrschen ist. Was bleibt, ist der Zugriff auf die Konten der Sparer durch Regulierung, niedrige Zinsen und Inflation.

Paul Krugman, 58-jähriger US-Starökonom und Nobelpreisträger, gibt sich modern: Er pflegt eine Facebook-Fanseite, bloggt regelmäßig bei Twitter und im Online-Portal der „New York Times“. Da überrascht eine Eigenschaft, die man eher von Ewiggestrigen kennt. Er redet sich die Vergangenheit schön: „Das Amerika der Nachkriegszeit war enorm erfolgreich. Warum denken wir so schlecht darüber?“

Das Amerika der Nachkriegszeit – das war vor allem die Zeit eines gewaltigen Booms, der dem zeitgleichen westdeutschen Wirtschaftswunder kaum nachstand: Von 1946 bis 1973 wuchs die Wirtschaft der USA jährlich um durchschnittlich 3,8 Prozent, die steigenden Einkommen ermöglichten vor allem der amerikanischen Mittelschicht einen wirtschaftlichen Aufstieg wie niemals zuvor oder danach: Eigenheime und Autos, Farbfernseher und elektrische Küchengeräte wurden zu Selbstverständlichkeiten des amerikanischen Traums. So weit klingt Krugmans Bemerkung plausibel.

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Wie von Zauberhand

Doch da gab es noch ein anderes Phänomen. Das hängt mit der US-Staatsverschuldung zusammen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf erschreckende 116 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestiegen war. Ohne Zweifel haben die Jahre des starken Wachstums Amerika dabei geholfen, diesen gigantischen Schuldenberg abzutragen. Doch die amerikanischen Ökonominnen Carmen Reinhart vom Peterson Institute for International Economics und Belen Sbrancia von der University of Maryland haben noch eine andere Erklärung für die wundersame Gesundung der Staatsfinanzen gefunden: die systematische Enteignung der Sparer durch den Staat.

Dazu kommt es, wenn die Zinsen, zu denen sich der Staat von seinen Bürgern Geld leiht, niedriger sind als die Inflation. Ökonomen sprechen dann von einem negativen Realzins. Den Prozess der Enteignung nennen sie finanzielle Repression. Die Amerikaner der Nachkriegszeit wähnten sich so glücklich, dass es ihnen gar nicht auffiel, dass ihr gespartes Vermögen real an Wert verlor. Es ging ihnen wie dem Helden im Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm: Mit jedem neuen Tausch ist Hans hochzufrieden, ohne zu merken, dass aus einem Goldklumpen am Ende zwei Steine geworden sind. Tatsächlich reduzierte die finanzielle Repression den Schuldenstand in den USA – ebenso wie zur gleichen Zeit in Großbritannien – um drei bis vier Prozent des BIPs pro Jahr.

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8 Kommentare zu Schuldenkrise: Europas Sparern droht eine kalte Enteignung

  • Was mich bei all den klugen Äußerungen von Medienvertretern, Professoren, Politikern und anderen "Experten" schon immer wütend gemacht hat, war die Tatsache, dass sie mit ihren Bemerkungen erst dann zur Stelle sind, wenn das Kind schon längst in den Brunnen gefallen ist. Anders gesagt: Jede ungebildete Hausfrau, jeder Hinterwaldler-Stammtisch hätte uns vor 10 oder 20 Jahren sagen können, dass diese ewige Schuldenmacherei auf Dauer unmöglich gut gehen kann. Wo waren aber damals die großen Nationalökonomen, die Professoren und die Leitartikler, die sich jetzt haufenweise mit ihren ach so schlauen Analysen zu Wort melden? Waren die alle in einem Dauerschlaf oder melden sich diese Herrschaften nur dann mit einem bestimmten Thema zu Wort, wenn es gerade opportun ist?

  • Hi Nemo, wunder mich das Sie so überrascht sind. Ich kann mich erinnern, dass vor 10 Jahren die Leute schon über die Schulden geschimpft haben. Nur hört einfach keiner zu. Das Kind "muss" in den Brunnen fallen, dann passiert etwas. Gleiche ist doch auch bei der Rente. Warnungen z.b. wer soll die Renten der Beamten bezahlen oder eine kinderlose Gesellschaft gibt es schon lange. Wurde was gemacht? Nein... Also was nützt es, man sollte privat über den Tellerrand schauen. Die Politker können das leider nicht... so ist die Welt Gruss aus Muenchen

  • Diese "Weisheiten" sind dem Volk doch längst bekannt.
    Die Politkasten haben den Souverän verarscht.
    Schon die Euroeinführung war eine Währungsreform,
    jetzt kommt die sog. kalte Enteignung als Konsequenz für die
    Schuldenmacherei.
    Man kann nur empfehlen: "Zieht Euch warm an" Ihr Politgangster.
    Man wird euch nicht schonen.

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