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Schuldenkrise: Europas Sparern droht eine kalte Enteignung

von Anne Kunz

Die Verbindlichkeiten der USA und Europas haben ein Ausmaß angenommen, das durch Sparen und Wachstum nicht mehr zu beherrschen ist. Was bleibt, ist der Zugriff auf die Konten der Sparer durch Regulierung, niedrige Zinsen und Inflation.

Kampf gegen die Staatsschulden
Großbritannien 1940 - 2011
Ende der 1940er Jahre stiegt der Schuldenstand auf über 200 Prozent vom britischen Bruttoinlandsprodukt. Winston Churchill bat die britischen Sparer zur Kasse: Für Staatspapiere erhielten sie Zinsen unterhalb der Inflationsrate.

Quelle: dpa

Paul Krugman, 58-jähriger US-Starökonom und Nobelpreisträger, gibt sich modern: Er pflegt eine Facebook-Fanseite, bloggt regelmäßig bei Twitter und im Online-Portal der „New York Times“. Da überrascht eine Eigenschaft, die man eher von Ewiggestrigen kennt. Er redet sich die Vergangenheit schön: „Das Amerika der Nachkriegszeit war enorm erfolgreich. Warum denken wir so schlecht darüber?“

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Das Amerika der Nachkriegszeit – das war vor allem die Zeit eines gewaltigen Booms, der dem zeitgleichen westdeutschen Wirtschaftswunder kaum nachstand: Von 1946 bis 1973 wuchs die Wirtschaft der USA jährlich um durchschnittlich 3,8 Prozent, die steigenden Einkommen ermöglichten vor allem der amerikanischen Mittelschicht einen wirtschaftlichen Aufstieg wie niemals zuvor oder danach: Eigenheime und Autos, Farbfernseher und elektrische Küchengeräte wurden zu Selbstverständlichkeiten des amerikanischen Traums. So weit klingt Krugmans Bemerkung plausibel.

Wie von Zauberhand

Doch da gab es noch ein anderes Phänomen. Das hängt mit der US-Staatsverschuldung zusammen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf erschreckende 116 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) gestiegen war. Ohne Zweifel haben die Jahre des starken Wachstums Amerika dabei geholfen, diesen gigantischen Schuldenberg abzutragen. Doch die amerikanischen Ökonominnen Carmen Reinhart vom Peterson Institute for International Economics und Belen Sbrancia von der University of Maryland haben noch eine andere Erklärung für die wundersame Gesundung der Staatsfinanzen gefunden: die systematische Enteignung der Sparer durch den Staat.

Dazu kommt es, wenn die Zinsen, zu denen sich der Staat von seinen Bürgern Geld leiht, niedriger sind als die Inflation. Ökonomen sprechen dann von einem negativen Realzins. Den Prozess der Enteignung nennen sie finanzielle Repression. Die Amerikaner der Nachkriegszeit wähnten sich so glücklich, dass es ihnen gar nicht auffiel, dass ihr gespartes Vermögen real an Wert verlor. Es ging ihnen wie dem Helden im Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm: Mit jedem neuen Tausch ist Hans hochzufrieden, ohne zu merken, dass aus einem Goldklumpen am Ende zwei Steine geworden sind. Tatsächlich reduzierte die finanzielle Repression den Schuldenstand in den USA – ebenso wie zur gleichen Zeit in Großbritannien – um drei bis vier Prozent des BIPs pro Jahr.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.01.2012, 22:40 UhrAnonymer Benutzer: denkdochmalmit

    Alles Nonsens!

    Einfach mal die Erbschaftssteuer auf 90% anheben und das Problem ist in ein paar Jahren gelöst!
    Aber das geht natürlich nicht, man würde ja besonders die Schichten treffen die seit ewig nur von den Zinsen leben, heißt andere für sich arbeiten lassen.
    Und dieses " Privileg" möchte man natürlich auch weiterhin vererben.
    Kein Wunder also das eine massive Anhebung der Erbschaftssteuer niemals zu Diskussion stand...

  • 11.01.2012, 15:13 UhrAnonymer Benutzer: silberatze

    Wer mehr über über Enteignung der Sparer (im Nachstehenden unter "financel assets") lesen will:

    http://www.bcg.de/documents/file87307.pdf

    und dazu über geplante Massnahmen:

    http://ftd.de/karriere-management/management/:abgeworbener-finanzfachmann-schaeuble-hievt-top-berater-auf-schluesselposten/60136385.html

    oder im Handelsblatt vom 22.12.2011 zu lesen:
    "Wir kommen um einen klaren Schnitt nicht herum"

    Unverhohlen wird darüber nicht nur spekuliert, sondern auch die Durchführung dargestellt.

  • 09.01.2012, 20:36 UhrAnonymer Benutzer: ArnoNyhm

    Trick: Als Bank nehme ich Geld bei der EZB zu 1% Schuldzins auf. Damit kaufe ich Italien-Schrottanleihen zu 7% -die Differenz ist risikofreier Gewinn.
    "risikofrei", weil ich den Italienschrott natürlich sofort wieder bei der EZB als "Sicherheit" hinterlege, um neues, frisches Geld zu bekommen und das Risiko bei der EZB (=dem Steuerzahler) abzuladen.
    So geht das Schneeballsystem weiter und wenn ich jemals meine Gier befriedigt haben sollte, parke ich das Geld zum Schluss eben in irgendeiner sicheren Anlage -mein Zinsarbitrage-Geschäft mache ich ja trotzdem.
    -Pervers hoch drei...

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