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Schuldenkrise: EZB vor historischer Zinsentscheidung

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird heute wahrscheinlich erstmals in ihrer Geschichte den Leitzins auf unter ein Prozent senken. An den Finanzmärkten herrscht gespannte Erwartungshaltung. Der Ölpreis gab bereits nach.

Eines kann man Mario Draghi sicher nicht vorwerfen: Tatenlosigkeit. Seit der Italiener vor bald 100 Tagen an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) aufrückte, kramt er tief im Instrumentenschrank. Schließlich brennt es im Euroraum lichterloh - und nicht wenige sehen in der EZB den einzigen potenten Retter im Kampf gegen Schuldenkrise, drohenden Bankenkollaps und Rezession. „Realistisch gesehen verfügt gegenwärtig nur noch die Geldpolitik über die Mittel, die Wirtschaft zu beleben“, sagt etwa Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Bild: dpa

Endlich ist er da - der seit Tagen mit großer Spannung erwartete EZB-Tag. Bis zur Zinsentscheidung gegen 13.45 Uhr dürften die meisten Marktteilnehmer das machen, was sie auch die vergangenen Tage getan haben - abwarten, kein unnötiges Risiko eingehen. Eine Mehrheit der Analysten rechnet mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent. Doch ganz ausgemacht ist das nicht. Einige setzten auf einen größeren Zinsschritt - andere rechnen gar mit keiner Zinsänderung. Die IWF-Chefin Christine Lagarde hatte sich am Mittwoch gegen eine Zinssenkung ausgesprochen, die ihrer Auffassung nach nicht effektiv sei.

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Entsprechende Andeutungen für die historische Senkung gab es bereits aus dem inneren Zirkel der Notenbank. „Es gibt keine Doktrin, dass der Leitzins nicht unter 1,0 Prozent liegen kann“, sagte etwa EZB-Chefvolkswirt, Peter Praet, der „Financial Times Deutschland“. Gründe für eine Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes, zu dem sich Banken Geld von der EZB leihen können, gibt es gleich mehrere. Die erwartete Inflation ist nicht übermäßig hoch, die Wirtschaft stagniert und die Arbeitslosigkeit in der Eurozone liegt auf Rekordniveau. Außerdem brauchen die Banken, besonders in Krisenstaaten wie Spanien und Italien, billiges Geld, weil ihnen Institute aus dem wirtschaftlich stärkeren Teil der Währungsunion keinen Kredit mehr gewähren.

Die Ölpreise haben am Donnerstag leicht nachgegeben. Am frühen Morgen fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur August-Lieferung um sechs Cent auf 99,71 US-Dollar. Im Verlauf der Woche war der Brent-Preis erstmals seit Mitte Juni zeitweise über die Marke von 100 Dollar gestiegen. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) verbilligte sich im frühen Handel um 63 Cent auf 87,03 Dollar.

Neben der EZB-Entscheidung steht ab 14.30 Uhr die Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi an, dessen Aussagen noch detailliert als üblich analysiert werden dürften. Einige Börsianer haben zuletzt neue Liquiditätsspritzen - oder wenigsten die Ankündigung derselben - gefordert. Andere hoffen auf eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms, was aber angesichts des Widerstands im EZB-Rat als äußerst unwahrscheinlich gilt. Vor der EZB entscheidet am Mittag bereits die Bank von England über ihren weiteren geldpolitischen Kurs. Auch von ihr erwarten die meisten Investoren eine Lockerung der Geldpolitik, jedoch in Form weiterer Staatsanleihenkäufe statt einer Zinssenkung.

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Der Dax dürfte jedenfalls am Donnerstagvormittag kaum große Sprünge machen. Schon am Mittwoch - dem US-Unabhängigkeitstag - traute sich kaum ein Anleger an den Markt. Der Leitindex war mit 6565 Punkten 0,2 Prozent niedriger aus dem Handel gegangen. Dabei waren im Dax Aktien für eben mal etwas mehr als zwei Milliarden Euro umgesetzt worden - geradeso als wäre auch hierzulande Feiertag gewesen.

Vorgaben für den Dax gibt es kaum, denn die US-Börsen waren am Mittwoch geschlossen geblieben. In Asien überwogen am Donnerstag die Minuszeichen: Der Nikkei-Index notierte kurz vor Handelsschluss 0,4 Prozent leichter, der Shanghai-Composite lag 1,4 Prozent im Minus.

Neben der EZB dürfte der unerwartet schnelle Zusammenschluss von VW mit Porsche schon zum 1. August sowie die Auktion spanischer Staatsanleihen am Rentenmarkt für Gesprächsstoff sorgen.

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