Schuldenkrise: Finanzbranche steht unruhiges Jahrzehnt bevor

Schuldenkrise: Finanzbranche steht unruhiges Jahrzehnt bevor

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Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann: "Der Beginn der Finanzkrise 2007 hat eine Zeitenwende eingeläutet."

von Stephanie Heise und Rebecca Eisert

Deutsche Top-Banker diskutieren in Frankfurt bei der "Euro Finance Week" die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise.

Gerade mal eine Handvoll Demonstranten der Nichtregierungsorgansisation Attac versammelten sich an diesem frostkalten Morgen vor dem Eingang zum Congress Center in Frankfurt.

Während sie mit Rufen wie "Bremst die Banken und Finanzen" demonstrierten, sprachen drinnen deutsche Spitzenbanker von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf der Konferenz Euro Finance Week über die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf den Finanzstandort Deutschland und ihre Institute.

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Schuldenkrise verschärft den Wettbewerb

Die europäischen Banken drohen nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in der Euro-Schuldenkrise von ihren Rivalen in den USA abgehängt zu werden. Die Spreu werde sich mehr denn je vom Weizen trennen: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Wettbewerber ausscheiden oder sich zusammenschließen, ist höher als je zuvor."

Ackermann: "Der Beginn der Finanzkrise 2007 hat eine Zeitenwende eingeläutet. Wer sich der Illusion hingibt, dass es eine Rückkehr zum Status quo ante gibt, sollte sich schleunigst eines Besseren belehren lassen. Der Finanzbranche steht ein unruhiges Jahrzehnt bevor."

 Thierry Breton, Vorstandschef des IT-Dienstleisters Atos und von 2005-2007 französischer Finanzminister Quelle: REUTERS

Thierry Breton, Vorstandschef des IT-Dienstleisters Atos und von 2005-2007 französischer Finanzminister

Bild: REUTERS

Dem stimmte Thierry Breton, Vorstandschef des IT-Dienstleisters Atos und von 2005-2007 französischer Finanzminister zu: "Um zur Normalität zurückzukommen, wir es ein Jahrzehnt brauchen."

Ackermann warnte, durch zusätzlichen Auflagen der Regulierer und der Politik würden Institute in Europa stärker belastet als ihre Konkurrenten in den USA. „Wir dürfen in der Debatte nicht vergessen, dass wir im globalen Wettbewerb stehen.“

Trennbankenystem keine Option

Der Deutsche-Bank-Chef wehrte sich gegen Forderungen nach einer Aufspaltung in Investment- und Privatkunden-Banken. „Wenn wir vom System der Universalbanken abrücken, würden wir den Platz für US-Amerikaner freiräumen.“ Denn viele Großkunden hätten komplexe Ansprüche und drohten dann zu Wettbewerbern abzuwandern. „Dann freuen sich andere.“ In Großbritannien wird über ein Trennbankensystem diskutiert, damit die Einlagen der Privatkunden nicht von den Spekulationen im Investmentbanking in Mitleidenschaft gezogen würden.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann Quelle: REUTERS

Bundesbankpräsident Jens Weidmann

Bild: REUTERS

Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann wandte sich gegen eine Trennung: "Eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken wäre erstens juristisch schwierig umzusetzen und zweitens hätte sie die aktuelle Krise nicht verhindern können. Brandbeschleuniger war bekanntlich eine reine Investmentbank (Lehman Brothers, Anm.d. Red.) und in der Folge waren Investment- und Geschäftsbanken gleichermaßen betroffen." 

Er nannte die zunehmenden Vereinnahmung der Geldpolitik für finanzpolitische Zwecke gefährlich. "Die Geldpolitik kann und darf Solvenzprobleme von Staaten nicht lösen. Die Entscheidungen dazu müssen von den nationalen Parlamenten getroffen werden."

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