Schuldenkrise: Fliegt Griechenland nun aus dem Euro?

Schuldenkrise: Fliegt Griechenland nun aus dem Euro?

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Karolos Papoulias ist mit seinem Vermittlungsversuch gescheitert. Der griechische Präsident konnte die Parteien nicht zu einer Regierungsbildung bewegen.

von Tim Rahmann

Viele Griechen haben begonnen, die Banken zu stürmen und ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Die Angst vor dem Kollaps wächst. Stürzt das Land aus der Eurozone und ins Chaos? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lage in Griechenland.

Wieso ist auch der letzte Versuch gescheitert, eine Regierung zu bilden?

Der Staatspräsident Karolos Papoulias ist mit seinem Vorschlag gescheitert, eine parteiunabhängige Technokraten-Regierung zu bilden. Die pro-europäischen, ehemaligen Volksparteien Nea Dimokratia und Pasok, die zuvor mit eigenen Koalitionsverhandlungen gescheitert waren, sollen zu einem Kompromiss bereit gewesen sein. Der Chef der Demokratischen Linken, Fortis Kouvelis, sprach sich allerdings gegen diesen Vorschlag aus. Seine Begründung: Eine Technokratenregierung wäre das Eingeständnis, dass die Politik versagt habe. Auch der Linksradikale Alexis Tsipras lehnte den Präsidenten-Vorstoß ab. Der 37-Jährige kämpft vehement gegen das Sparpaket – und weigerte sich bereits zuvor, mit den pro-europäischen Parteien ein Bündnis einzugehen.

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Neuwahlen sind nun unausweichlich. Bereits am Donnerstag könnte sich das frisch gewählte Parlament wieder auflösen. Am 17. Juni sollen die Griechen ein zweites Mal an die Wahlurne treten. Bis dahin wird das Land von einer Übergangsregierung geführt, voraussichtlich unter Leitung des Präsidenten eines der höchsten Gerichtshöfe.

Chaos in Griechenland Tango in Athen

Mit dem Scheitern der Regierungsbildung rückt der Austritt Griechenlands aus dem Euro näher. Das Land könnte sich an Argentinien orientieren. 

Der Linksradikale Alexis Tsipras freut sich auf die Neuwahlen. Laut Umfragen kann seine Partei zur stärksten Fraktion gewählt werden. Tsipras will die Sparbemühungen zurückfahren, das Euro-Aus droht. Quelle: dapd

Wer profitiert von Neuwahlen?

Vor allem einer: Alexis Tsipras. Seine linksradikale Syriza-Partei könnte bei einem erneuten Wahlgang noch einmal deutlich hinzugewinnen und mit 23,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft im neuen Parlament werden. Am 6. Mai holte die Partei des 31-Jährigen nur 16,8 Prozent der Stimmen. Die pro-europäischen Kräfte würden bei Neuwahlen im Juni weiter an Parlamentssitzen einbüßen – und hätten wohl keine Chance, eine Regierung zu bilden. Denn: Die stärkste Partei erhält zusätzlich 50 Mandate im 300 Sitze umfassenden Parlament. Gegen Tsipras könnte dann kaum regiert werden. Auch die Radikalen vom rechten Rand würden wieder ins Parlament einziehen. Sozialistenchef Evangelos Venizelos sprach nach dem Krisentreffen von „schlimmen Bedingungen“ für Neuwahlen.

Wieso stürmen die Griechen nun die Banken?

Seit Wochenbeginn sind laut Notenbank-Angaben bis zu 800 Millionen Euro aus den heimischen Banken abgezogen worden. Die Institute sind besorgt, dass die Kapitalflucht weiter zunimmt. Die Griechen ziehen seit Monaten kontinuierlich Geld aus den Kreditinstituten ab, doch mit dem Scheitern der Regierungsbildung hat dieses Phänomen eine neue Dimension erreicht. Die Bürger ziehen ihr Geld ab, um es in ihren Häusern oder im Ausland in Sicherheit zu bringen. Grund ist die Angst vor einer Rückkehr zur Drachme. Automatisch würden dann jegliches Bankguthaben in die alte neue Währung umgerechnet. Da die Griechen ihre Währung drastisch abwerten müssten, würden Sparer herbe Verluste hinnehmen müssen.

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