Schuldenkrise: Frankreich hat Mitleid mit Griechenland

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Schuldenkrise: Frankreich hat Mitleid mit Griechenland

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Noch halten die griechischen Säulen - Präsident Hollande vor dem Élysée-Palast

von Karin Finkenzeller

Eine Pleite Griechenlands würde die Franzosen schwer treffen. Sie reagieren darauf aber anders als die Deutschen.

Vorige Woche wurde der Unterschied wieder einmal deutlich. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias hatte geklagt, das restliche Europa habe sein Land „gnadenlos ausgepeitscht“. In deutschen Tageszeitungen wurde das als kleine Nachricht weggedrückt – in der französischen Presse dagegen ausführlich und weitgehend zustimmend zitiert.

Dabei sitzen Deutschland und Frankreich im selben Boot. Nach den Regeln des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) würde Frankreich nach Deutschland zweitwichtigster Bürge und im schlimmsten Fall mit insgesamt 142 Milliarden Euro für die vom Scheitern bedrohten Staaten der Euro-Zone haften. Griechenland alleine könnte die Franzosen mehr als 58 Milliarden Euro kosten. Kaum weniger als die Deutschland drohenden 78 Milliarden Verlust durch Griechenland, ungefähr gleich viel in Relation zur Wirtschaftsleistung der beiden Länder.

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Dabei hätte Frankreich im Falle einer Staatspleite Griechenlands einfach kein Geld für die dann anfallenden Verpflichtungen. Staatspräsident François Hollande und seine Regierung sind weit von der relativ komfortablen Lage Deutschlands entfernt, wo Staat und Sozialversicherungen im ersten Halbjahr 2012 acht Milliarden Euro mehr einnahmen, als sie ausgaben, und die Industrieproduktion bislang noch der europäischen Schuldenkrise trotzt.

Tollkühne Steuerkrise

Die griechische Krise bringt die Franzosen aber nicht in Wallung. Sie diskutieren dieser Tage stattdessen etwa, ob auch Sportler und Künstler nach dem Willen der sozialistischen Regierung demnächst 75 Prozent Steuern auf Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro entrichten müssen. Oder ob Bernard Arnault, Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH und reichster Mann Frankreichs, wirklich Belgier werden will, um der französischen Steuer zu entgehen.

Wegen der desolaten Haushaltslage muss Hollande bis Ende kommenden Jahres 38 Milliarden Euro auftreiben, um die Neuverschuldung unter die von der EU vorgeschriebene Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Die Arbeitslosigkeit hat in Frankreich die Schmerzgrenze von drei Millionen überschritten, weitere Massenentlassungen sind angekündigt.

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