Schuldenkrise: Griechenland taumelt dem Euro-Aus entgegen

Schuldenkrise: Griechenland taumelt dem Euro-Aus entgegen

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An den Finanzmärkten gehen viele Teilnehmer von einem Euro-Austritt Griechenlands noch in diesem Jahr aus

von Malte Fischer und Tim Rahmann

Griechenland scheitert an der Bildung einer neuen Regierung. Athen taumelt Neuwahlen entgegen – und dem Euro-Aus. Wie teuer kommt dieses Szenario Deutschland zu stehen?

Die Verhandlungen sind gescheitert. Endgültig. Nachdem die Vorsitzenden der drei großen griechischen Parteien, der konservative Antonis Samaras, der Linksradikale Alexis Tsipras und Sozialist Evangelos Venizelos, keine Regierung bilden konnten, gab nun auch der Staatspräsident seinen Vermittlungsversuch entnervt auf.

Griechenlands Kollaps und das Ausscheiden aus der Eurozone rücken damit immer näher. Denn aller Voraussicht nach wird bereits im Juni neu gewählt – und die eurokritischen Parteien werden die Pro-Europa-Konkurrenz wohl noch deutlicher deklassieren als bei der Parlamentswahl am 6. Mai. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Marc, deren Ergebnis der griechische Fernsehsender Alpha am Donnerstagabend ausstrahlte, sieht demnach das Bündnis der Radikalen Linken (Syriza) mit 23,8 Prozent klar vorne. Das wäre ein Zugewinn von sieben Prozentpunkten. Syriza lehnt die Sparprogramme der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank unter Internationalem Währungsfonds strikt ab. Die europafreundlichen Parteien von Nea Dimokratia (ND) und die sozialistische Pasok verlören weitere Stimmen und fielen von 18,85 auf 17,4 Prozent (ND) bzw. von  13,18 auf 10,8 Prozent (Pasok).

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Unmissverständliches Votum

Das Votum zeigt unmissverständlich: Die Griechen haben die Nase voll von dem Sparkurs, den ihnen die Europa-Partner abverlangen. „Die Bevölkerung ist nicht mehr bereit, weitere Spareinschnitte hinzunehmen. Sie kann nicht mehr. Das ist umso dramatischer, da sich die große Mehrheit der Bürger zu Europa und zum Euro bekennt“, sagt Vassilis Tsianos, Soziologe an der Universität Hamburg mit Blick auf sein Heimatland.

Eine Richtung, die auch der Linksradikale Alexis Tsiprad verfolgt. Der 37-Jährige will im Euroraum bleiben – das Sparpaket allerdings aufweichen. Für Europa kommt das nicht infrage. „Wenn der verbindlich vereinbarte Reformweg verlassen werden sollte, dann ist die Auszahlung weiterer Hilfstranchen nicht mehr möglich“, drohte Außenminister Guido Westerwelle am Freitag im Bundestag. „Solidarität funktioniert nicht ohne Solidität.“

Grafik Haushaltssaldo und Staatsschulden Griechenlands

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Die Ausgangslage ist damit klar: Hellas muss schnellstens weitere 11,5 Milliarden Euro einsparen, um die nächste Tranche des zweites Rettungspaketes zu bekommen. Es geht um Zusagen in Höhe von über 31 Milliarden Euro. Athen braucht das Geld bis spätestens Mitte Juni, um fällige Altschulden zu tilgen und die laufenden Ausgaben im Staatshaushalt zu finanzieren.

„Die Wahrscheinlichkeit eines Ausstiegs Griechenlands aus der Eurozone in den nächsten Monaten liegt bei 90 Prozent, falls sich keine politische Mehrheit für den Sparkurs findet“, sagt Harvinder Sian, Zinsstratege der Royal Bank of Scotland.

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