Schuldenkrise: Griechenlands Wirtschaft nutzt ihre Chancen nicht

21. November 2012
Griechisches Olivenöl geht Kanister weise ins Ausland, hauptsächlich nach Italien, wo es mit italienischem Olivenöl verschnitten wird. Das Endergebnis landet dann als teures Qualitätsprodukt auf dem Markt – zumeist mit italienischem Etikett. Quelle: dpaBild vergrößern
Griechisches Olivenöl geht Kanister weise ins Ausland, hauptsächlich nach Italien, wo es mit italienischem Olivenöl verschnitten wird. Das Endergebnis landet dann als teures Qualitätsprodukt auf dem Markt – zumeist mit italienischem Etikett. Quelle: dpa
von Katja Köllen

Griechenland müsste eigentlich in der Lage sein, qualitativ hochwertiges Olivenöl und exzellenten Wein herzustellen - und zu exportieren. Doch das Land verschleudert sein Talent. Der Deutsche Markus Stolz versucht, gegenzusteuern.

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Griechenland hat alles, findet Markus Stolz. Er spricht von Landschaft, Historie und Kultur und "herausausragenden Produkten" – aber auch von Marketingschwächen. Er ist von Griechenlands Potenzial überzeugt, denn er lebt bald ein Jahrzehnt in Athen und ist seit den Neunzigern mit einer Griechin verheiratet. Doch da gibt es dieses große "aber", das die Hellenen an ihrem wirtschaftlichen Erfolg hindere. Genau hier hat Stolz angesetzt – und ist mit seinem Konzept erfolgreich.

Der ehemalige Derivatehändler machte sein Hobby zum Beruf, nachdem er durch die Bankenkrise mit seinem alten Job immer unzufriedener wurde: Er führt heute einen griechischen Weinexporthandel.

Markus Stolz ist in Griechenland angekommen. Wenn er von den Vorzügen des Landes spricht, das er seine Heimat nennt, sieht man die Berge Athens, die Olivenhaine und ein gutes Essen in der Taverne vor sich. Er spricht von Käse, Wein, Früchten und Olivenöl, aber auch von der Kreativität der jungen Griechen.

Früher Banker, heute Wein-Exporteuer. Der Deutsche Markus Stolz ist von Griechenlands Potenzial überzeugt. Quelle: WirtschaftsWoche Online
Früher Banker, heute Wein-Exporteuer. Der Deutsche Markus Stolz ist von Griechenlands Potenzial überzeugt. Quelle: WirtschaftsWoche Online

Doch das Land mache nicht genug aus dem eigenen Potenzial. Es gebe so viel, was die Griechen nützen könnten. "Und was wird gemacht?", fragt Stolz energisch nach seiner schwärmerischen Produktbeschreibung als wäre er griechischer Tourismusbeauftragter. "Nehmen wir das Olivenöl: Griechenland ist der größte Hersteller und ich glaube es ist auch bekannt, das es eine gute Qualität hat, aber es gibt nicht einmal anständige Abfüllanlagen und dann wird es zum Spottpreis nach Italien exportiert."

Es ist ein offenes Geheimnis: Das griechische Öl wird offen verkauft – in großen Kanistern. Damit entgeht den Griechen die Möglichkeit es selbst als Produkt in Flaschen in großer Zahl auf den Markt zu bringen. Stattdessen geht das Olivenöl Kanister weise ins Ausland - hauptsächlich nach Italien, wo es mit italienischem Olivenöl verschnitten wird.

Das Endergebnis landet dann als teures Qualitätsprodukt auf dem Markt – zumeist mit italienischem Etikett. Damit kassieren letztendlich die italienischen Unterhändler und nicht die griechischen Erzeuger das wirklich Geld mit dem Qualitätsprodukt. Besonders paradox: Ein großer Teil des Öls macht sogar den Weg zurück in die griechischen Supermarktregale.

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Olivenöl ist repräsentativ für die Probleme der griechischen Wirtschaft: Infrastruktur, Fortschritt und Marketing. Beim Olivenöl mangelt es häufig an Abfüllanlagen, um es in wirtschaftlich wirklich rentablen Mengen zu produzieren. Hinzu kommt, dass es sehr viele Familienproduzenten gibt. "Das ist tolle Qualität, eben wie auch beim Wein. Diese Menschen haben aber oft nicht das nötige Fachwissen, um Dinge zu ändern", sagt Stolz. Weder was die Produktion, noch das richtige Marketing angeht.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 21.11.2012, 19:34 UhrDeutelmoser1994

    vielleicht sollte die griechische Wirtschaft "ihre" Chance nutzen :-)

  • 22.11.2012, 21:00 UhrPequod

    Vielleicht sollte auch ein zweiter Versuch mit der von dem
    Schriftsteller Basil in Griechenland geerbten Braunkohlen-
    grube gestartet werden, allerdings diesmal nicht mit einer
    von Alexis Sorbas konstruierten Seilbahn, die bei der Ein-
    weihung zusammenbrach, was symptomatisch für die griechi-
    sche Wirtschaft war!

  • 23.11.2012, 11:48 UhrNichtDumm

    Die Griechen sollten immer daran denken: Keiner braucht Griechenland! ... nicht mal die griechische Industrie, denn die ist längst nach Bulgarien und Rumänien verschwunden. Das eigene Land ist auch denen voll egal.

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