Schuldenkrise: Holland in Not

Schuldenkrise: Holland in Not

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Die Wirtschaft schrumpft, die Aussichten sind ernüchternd: Die Niederlande stecken in der Krise. Die ersten Analysten orakeln, das Land habe das wirtschaftliche Herz Europas verlassen.

von Tim Rahmann

Die Niederlande stecken in der Krise. Die Wirtschaft schrumpft, die Staatsschulden steigen – und die Regierung ist kaum noch handlungsfähig. Fällt die nächste Euro-Stütze?

Auf den akademischen Titel legen die Niederländer keinen Wert. Auf die Krawatte auch nicht. Und statt zum üppigen Geschäftsessen lädt der Unternehmer aus dem deutschen Nachbarland lieber zum Mittagssnack. Beim „broodje met kaas en een glas melk“ – einem Käsebrötchen und einem Glas Milch –  zeigt sich: Der niederländische Geschäftsmann ist bodenständig, oft geduldig und bemerkenswert unkompliziert.

Ganz anders verhielt sich die niederländische Regierung in der Euro-Krise. Angetrieben vom gefürchteten Rechtspopulisten Geert Wilders wurden die Pleiteländer im Süden Europas aus Amsterdam und Den Haag mal belächelt, mal belehrt. Doch das ist nun vorbei: Die niederländische Wirtschaft befindet sich in der Rezession, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft in diesem Jahr um 0,75 Prozent.

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Über den Maastricht-Vorgaben

Die Niederländer reißen seit Jahren die Maastricht-Neuverschuldungs-Grenze von drei Prozent des BIPs. (für eine detaillierte Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik) Quelle: wiwo

Die Niederländer reißen seit Jahren die Maastricht-Neuverschuldungs-Grenze von drei Prozent des BIPs. (für eine detaillierte Ansicht klicken Sie bitte auf die Grafik)

Bild: wiwo

Gleichzeitig wächst das Haushaltsdefizit um 4,5 Prozent des BIPs. Bis 2015 wird die Nettoneuverschuldung stets über der Maastricht-Grenze von drei Prozent liegen – und die Staatsverschuldung auf über 75 Prozent des BIP hieven. So jedenfalls sieht die düstere Prognose des „Netherlands Bureau for Economic“ (CPB) aus, einer unabhängigen Organisation für makroökonomische Analysen. „Unserer Meinung nach haben die Niederlande bereits das wirtschaftliche Herz Europas verlassen“, schreibt Analyst Jürgen Michels schonungslos in einer Studie der Citigroup. Nach Standard Poor's droht seit heute auch die US-Ratingagentur Fitch mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Niederlande. Die Euro-Partner sind beunruhigt. Bis zum Ende des Monats muss die niederländische Regierung ihre Budgetpläne für die Jahre 2013 bis 2015 in Brüssel vorlegen.

Nichts aus der Finanzkrise gelernt

Schuld an der Krise sind die Euro-Pleiteländer, heißt es in den Niederlanden. Griechenland, Spanien & Co. hätten den Kontinent verunsichert und das Wachstum abgewürgt. Wahr ist: Außer Deutschland kauft kaum ein europäisches Land mehr niederländische Produkte im großen Stil. Ein Problem für die Wirtschaft des Tulpenstaates, die abhängig ist von den Exporten in die Euro-Partnerländer wie kein zweites Land.

„Diese Argumentation ist mir ein bisschen zu einfach“, entgegnet Axel Gerberding, Geschäftsführer der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag. „Fakt ist: Die Niederlande haben sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Die Regierung hat Reformen unterlassen – und die Wirtschaft hat zu wenig in Maschinen und Fortschritt investiert."

Dabei war das Nordseeland gewarnt. So schrumpfte das niederländische BIP 2009 um fast vier Prozent, weil die Exporte im Zuge der Weltwirtschaftskrise um fast neun Prozentpunkte einbrachen. Und bereits im Sommer 2010 deutete sich an, dass in weiten Teilen Europas der Konsum nachlässt. Doch in den Niederlanden blieb man ruhig. Zu ruhig, findet Axel Gerberding.

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