Schuldenkrise: In Slowenien regiert das Prinzip Hoffnung

Schuldenkrise: In Slowenien regiert das Prinzip Hoffnung

Bild vergrößern

Regierungschefin Alenka Bratusek versucht ihr Land mit Privatisierungen und Steuererhöhungen zu retten. Aber ob das funktioniert ist fraglich

von Tim Rahmann

Die slowenische Regierung will ohne Rettungsmilliarden der Europäer aus der Krise kommen. Die Euro-Mitgliedsländer sind erleichtert. Doch die Gefahr ist groß, dass beide Seiten zu blauäugig sind.

So richtig überzeugt ist keiner. Weder in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, noch in Brüssel. Das Sparprogramm, das das Euro-Pleiteland mit seinen maroden Banken, wieder stabilisieren soll, sieht ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor: Die Mehrwertsteuer wird von 20 auf 22 Prozent angehoben, Staatsbedienstete sollen weniger verdienen und 15 staatliche Unternehmen teilweise privatisiert werden, darunter die zweitgrößte Bank des Landes, Nova Kreditna Banka Maribor (NKBM), und die Fluggesellschaft Adria Airways. Und doch sind die Zweifel groß, dass das Reformpaket nicht ausreicht, um die Geldinstitute zu stützen und die Rezession zu stoppen. Offen sagen will das von politischer Seite keiner. Im Gegenteil.

"Dieses Programm wird es Slowenien erlauben, weiter ein völlig souveräner Staat zu bleiben", sagt Ministerpräsidentin Alenka Bratusek. Und auch die Euro-Gruppe übt sich in Zweckoptimismus. "Die slowenische Regierung sagt, sie schafft es ohne Rettungsschirm, sie will kein Programm. Ich glaube, dass sie Recht hat", so Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Anzeige

Wissenswertes über Slowenien

  • Große Berge, kleine Küste

    Das kleine Slowenien hat vier Nachbarn: Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien. Trotz seiner relativ kleinen Staatsfläche von gut 20.000 Quadratkilometern ist es sehr vielseitig. Im Norden ist die Landschaft alpin, hier befindet sich auch der höchste Berg: der 2864 Meter hohe Triglav. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die nur 46,6 Kilometer lange Adria-Küste.

  • Regierungschefs haben’s schwer

    Seit seiner Unabhängigkeit 1991 hat das Land schon sieben Premierminister verschleißt. Das ergibt eine durchschnittliche Amtszeit von 2,6 Jahren.

  • Achtung, Bären

    In Slowenien lebt eine der größten Populationen des Braunbären in Europa. Es soll zwischen 500 und 700 Exemplare geben.

  • Krieg auf europäischem Boden

    Der Kampf für die Unabhängigkeit Sloweniens 1991, auch bekannt als 10-Tage-Krieg, war der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der kurzen Dauer gab es 76 Opfer zu beklagen.

  • Die älteste Flöte der Welt

    Die zumindest 45.000 Jahre alte und in Slowenien gefundene Neandertaler-Flöte ist eines der ältesten Musikinstrumente der Welt.

  • Speisesaal in der Tiefe

    Der Speisessaal des Kohlebergwerks in Velenje, 160 Meter unter der Erdoberfläche, ist der am tiefsten gelegene Speisesaal in Europa. Der Raum ist ungefähr 15 Meter lang, dort gibt es zwölf Tische, an denen 48 Menschen essen können.

  • Höchster Schlot Europas

    In Slowenien befindet sich der höchste Industrieschornstein Europas. Der Schornstein des Wärmekraftwerks in Trbovlje ist 362 Meter hoch. Mit der ungewöhnlichen Höhe wollte man die Luftverschmutzung in niedrigeren Luftschichten verhindern.

  • Todesmutiger Extremsportler

    Der Slowene Davo Karničar ist als Erster vom höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest, mit Skier hinab gefahren. Karničar war auch der erste Mensch der Welt, der alle höchsten Gipfel auf sieben Kontinenten mit Skiern bezwang.

  • Der älteste Weinstock der Welt

    In Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, wächst der älteste Weinstock der Welt. Obwohl die „Alte Rebe“ über 400 Jahre alt ist, werden aus ihren Trauben alljährlich noch immer 25 Liter Wein der autochthonen Weinsorte Žametovka („Blauer Kölner“) hergestellt.

Die Intention ist klar: Die slowenische Regierung fürchtet die Troika. Im Gegenzug für Rettungsmilliarden von den Euro-Partnern müsste schließlich ein Reformpaket vereinbart werden. Dies würde deutlich radikalere Einschnitte fordern, als Ljubljana lieb ist. Und die Euro-Gruppe hat kein Interesse, ein sechstes Land mit Geld aus dem ESM zu stützen. Auch die deutsche Bundesregierung nicht, die vor der Bundestagswahl im September kein weiteres Rettungspaket durch den Bundestag drücken will.

Keine Besserung in Sicht

So regiert das Prinzip Hoffnung – obwohl es keine Zeichen der Besserung in Slowenien gibt. Die maroden Banken sind durch faule Kredite derart in Not, dass sie eine Geldspritze nach der anderen benötigen. Die Löcher im Haushalt – das Minus im laufenden Jahr wird mit 7,8 Prozent des BIP angegeben – sind groß und auch die Realwirtschaft steckt tief in der Krise. Nachdem die Volkswirtschaft 2012 um 2,3 Prozent schrumpfte, wird auch für dieses Jahr ein Minus von zwei Prozent erwartet. Die Folge: Die Stimmung im Land ist angespannt.

"Viele Bürger sind verunsichert. Es ist nicht einfach, für die Sparprogramme und die geäußerten Hoffnungen Verständnis aufzubringen – zumal die Konjunkturprognosen und Reformen von der Regierung nicht ausreichend kommuniziert und erklärt werden", sagt Christof Droste, Geschäftsführer beim Automobilzulieferer Hella Saturnus Slovenija. Dort laufen die Geschäfte noch rund, schließlich sitzen die Kunden des Unternehmens bis auf eine Ausnahme alle im Ausland. Doch Droste fürchtet eine Abwärtsspirale.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%