Schuldenkrise: Investoren reißen sich um Griechenland-Anleihen

Schuldenkrise: Investoren reißen sich um Griechenland-Anleihen

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Griechenland hat am Kapitalmarkt Geld eingesammelt.

von Tim Rahmann

Die Rückkehr der Griechen an die Kapitalmärkte ist gelungen. Die Auktion der fünfjährigen Staatsanleihen war rund sechsfach überzeichnet – obwohl das Land weiter tief in der Krise steckt.

Griechenland ist zurück am Kapitalmarkt. Und wie. Fast vier Jahre nach dem finanziellen Kollaps hat sich Griechenland am Donnerstag erstmals wieder Kapital bei privaten Investoren beschafft. Wie das Finanzministerium in Athen mitteilte, sammelte das krisengeplagte Land dabei drei Milliarden Euro ein, rund eine halbe Milliarde mehr als angepeilt. Die Anleger erhalten dafür einen Zinssatz von 4,75 Prozent. Wie hoch am Ende faktisch der Ertrag für die Anleger sein wird, blieb zunächst offen. Nach früheren Angaben aus gut informierten Finanzkreisen soll die Rendite bei ungefähr fünf Prozent liegen. Die Rendite ergibt sich bei Anleihen aus dem Zinssatz, dem sogenannten Kupon, und dem Ausgabekurs der Anleihe.

„Die Emission aus Griechenland ist ein Indiz dafür, wie sehr die Zuversicht der Anleger zurückgekehrt ist“, sagte Christian Lenk von der DZ Bank in Frankfurt: „Händler halten sich bei Investments dieser Kategorie nicht länger zurück.“

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Griechenland ist seit 2010 auf internationale Finanzhilfe angewiesen und hat sich seitdem nicht mehr an den Märkten finanzieren können. Als Folge des strikten Sparkurses der Regierung verbesserten sich die öffentlichen Finanzen aber zuletzt stetig, die für den Verkauf der Anleihen entscheidenden Renditen fielen.

Und dass, obwohl Griechenland im Vergleich zu 2011 kaum vorangekommen ist. Die Arbeitslosigkeit (27 Prozent) ist höher denn je, der Schuldenschnitt von 2012 ist bereits verpufft. Private Gläubiger wurden 2012 genötigt, auf rund 100 Milliarden zu verzichten, die Staatsverschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts sank von rund 170 Prozent auf 156,9 Prozent. Doch der Trend hielt nicht an. Ende 2013 stand das Land schon wieder mit dem einem Rekordminus da (177,3 Prozent). Das liegt freilich auch daran, dass die Wirtschaftsleistung (also das BIP, die Referenzgröße) gesunken ist. Inzwischen erwirtschaftet Griechenland nur noch 181,7 Milliarden Euro im Jahr – rund 50 Milliarden Euro weniger als vor dem Ausbruch der Schuldenkrise.

Was also treibt die Investoren? Sind sie schlicht optimistischer, dass Griechenlands Rettung Fahrt aufnimmt, als der Durchschnittsbürger und die Medien?

Kapitalmarkt Griechenlands Augenwischerei

Das Euro-Krisenland wagt den Schritt an die Kapitalmärkte und gibt fünfjährige Bonds heraus. Athen will damit ein positives Zeichen setzen - und über den tatsächlichen Zustand des Landes hinwegtäuschen.

Quelle: dpa

Gustav Horn, der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung glaubt, dass die Investoren nicht per se optimistischer seien. Sie würden vielmehr spekulieren, dass nicht sie bei einem neuerlichen Einknicken Griechenlands zahlen müssen, sondern dass die Europäische Zentralbank einspringt. „Es war ja niemals so, dass nur Griechenland unter einer Vertrauenskrise litt, sondern der gesamte Euro-Raum. Es gab Zweifel an der Bereitschaft der Mitgliedsländer, Einzelne nicht im Regen stehen zu lassen“, bemängelt Horn im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Dies sei nun offenbar anders. „Schon allein die Ankündigung der Zentralbank, im Zweifelsfall Staatsanleihen aufzukaufen, schafft Sicherheit.“

(mit Material von Bloomberg)

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