Schuldenkrise: Ist die europäische Idee am Ende?

Schuldenkrise: Ist die europäische Idee am Ende?

von Tim Rahmann

Acht von 17 Euro-Ländern haben seit dem Ausbruch der Schuldenkrise ihre Regierungen ausgetauscht. Die Extremen am rechten und linken Rand haben enormen Zulauf. Hat Europa noch eine Perspektive?

„Die EU in ein impotentes Imperium, das Frankreich ausgeplündert hat“, sagt Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National. „Ich beuge mich nicht dem Diktat unnützer Forderungen aus Brüssel“, erklärt der rechtspopulistische Niederländer Geert Wilders. Und die Generalsekretärin der kommunistischen KKE in Griechenland, Aleka Papariga, ruft gar zum Umsturz auf: „Wir sagen Nein zu allem.“

Man könnte diese Aussagen als Spinnereien abtun, sie mit einer abschätzigen Handbewegung bedenken und mit dem Tagesgeschäft weitermachen. So wie es die Mehrheit der Nationalregierungen und Politiker in Brüssel getan hat. Doch geholfen hat es nicht. Im Gegenteil: Die massiven Demonstrationen in Südeuropa, die Regierungskrise in den Niederlanden und die Wahlen in Frankreich zeigen deutlich, dass die Europa-kritischen Stimmen an Gewicht gewonnen haben. Mit Anti-Brüssel-Kampagnen lassen sich inzwischen beachtliche Wahlerfolge feiern. Siehe das Beispiel Marine Le Pen, die eine radikale Gegnerin der europäischen Einigung ist und den Euro lieber heute als morgen wieder durch den Franc ersetzen würde. Wenn knapp ein Fünftel der Franzosen – wie in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen geschehen – für sie stimmen, bedeutet das auch, dass das Projekt Europa in einem seiner Gründerstaaten nicht mehr viel zählt.

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"Das Frustpotenzial der Bürger ist enorm hoch"

„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das Frustpotenzial der Bürger enorm hoch. Populistische Thesen finden da Gehör“, sagt Tanja Börzel, Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Integration an der Freien Universität Berlin im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online.

Das gilt insbesondere für die jungen Wähler zwischen 18 und 24 Jahren. Unmittelbar vor der Wahl kündigten 26 Prozent von ihnen an, für die Tochter des früheren FN-Chefs Jean-Marie Le Pen zu stimmen, Hollande lag mit 25 Prozent nur auf Rang zwei. Der Hauptgrund: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Frankreich bei 22,6 Prozent – und damit mehr als 11,5 Prozentpunkte höher als in Deutschland.

„Diese wirtschaftliche Not führt zu Politikverdrossenheit und einer ausländerfeindlichen Stimmung“, erklärt Börzel. „Die Existenzangst überlagert auch die positiven, persönlichen Erfahrungen, die junge Franzosen in Schulaustäuschen, auf Reisen oder beim Auslandspraktikum erfahren haben.“

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38 Kommentare zu Schuldenkrise: Ist die europäische Idee am Ende?

  • zum letzten Mal: die reelle Jugendarbeitslosigkeit liegt in DE in der Altersklasse der 24 bis 29jährigen bei 17% - in der Altersklasse davor wird sie durch die Statistik künstlich runtergerechnet, zum Einen durch das Übergangssystem, zum Anderen durch das duale System. Wer das nicht glaubt, kann gerne beim Berufsschulllehrerverband nachfragen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Jugendquotient Frankreichs wesentlich höher ist, da seit 40 Jahren eine höhere Geburtenrate besteht, der erkennt, dass wir nicht besser dastehen. Mit 17% gehören wir auch nur zum unteren Mittelfeld Eu-Weit.

  • Es ist doch eigentlich nachvollziehbar, dass die Sparsamen und Fleißigen keine Lust haben, die Schulden der Verantwortungslosen und Verschwender zu bezahlen. Und zwar für alle Zukunft.
    Es ist doch ein gutes Zeichen, dass immer mehr Bürger auf die Lügen und Propaganda der Politik nicht mehr hereinfallen.
    Der so genannte Fiskalpakt zerbricht ja schon, bevor er überhaupt gestartet wurde.
    Wenn „Europa“ eine Schulden-und-Pleite-Union bedeutet, und alles läuft darauf hinaus, können wir gerne darauf verzichten.
    Da kann Herr Schulz von Solidarität reden so lange er will.

  • Selten so einen schwachen Artikel gelesen. Und dazu in der WiWo. Alles, was gerade passiert, haben die Eurorealisten mit Prof. Hankel - die natürlich ehrabschneidend immer noch "Euroskeptiker" genannt werden - vorhergesagt. Der Euro ist tatsächlich an allem Schuld!
    Es ist widerlich, jetzt ein "politisches Projekt" mit aller Macht gegen die Bevölkerungen der europäischen Nationalstaaten durchzuziehen. Es wird nicht klappen.
    Der Euro wird die EU zerstören. Ich weine dieser korrupten Organisation keine Träne nach. Und genau das sage ich als EUROPÄER. Ich lass mich nicht dumpf-national verorten, nur weil ich die Ausweglosigkeit in die Sackgasse der aktuellen Politik nicht gutheiße!
    Es soll sich keiner wundern, wenn ich Europa wieder national gewählt wird. Die Deutschen werden es sich jedenfalls nicht gefallen lassen, daß auf ihre Kosten ein "politisches Projekt" nicht "gerettet", aber um den gesamten Wohlstand der hier lebenden Menschen, im Sterben eine Weile behindert wird. Der Euro wird zerbrechen mit dem Ergebnis des deutschen Staatsbankrotts. Hier geht es nicht um Peanuts - sondern ein "politisches Projekt", das BILLIONEN kostet. Merkt das keiner?

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