Schuldenkrise: Italiener fordern per Anzeige Solidarität

Schuldenkrise: Italiener fordern per Anzeige Solidarität

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Die Anzeige des Verlages Classeditori im Handelsblatt am 15.6.2012

von Ferdinand Knauß

Ein italienischer Verlag ruft mit einer Zeitungsanzeige Kanzlerin Angela Merkel und allen Deutschen zur "Solidarität" auf. Die Nerven in Italien liegen blank.

Der italienische Verlag Classeditori, der unter anderem die Wirtschaftszeitungen „Milano Finanza“ und „Italia Oggi“ herausgibt, richtet einen außergewöhnlichen Appell an Deutschland. Mit einer ganzseitigen Anzeige in Form eines Briefes im „Handelsblatt“ spricht er die „werte Frau Kanzlerin Merkel“ und die „lieben Bürger Deutschlands“ direkt an. „Ohne auch nur ansatzweise zu polemisieren“, erlaubt sich Classeditori, den Deutschen und Italienern die Vorteile der Europäischen Union und ihre Verantwortung dafür ins Gedächtnis zu rufen.

Doch zunächst einmal greift der Text, unter dem auch Logo der vom italienischen Staat unterstützten Initiative „L‘Italia c’è“ steht, nach den Sternen des historischen Pathos: Deutschland und Italien hätten mit ihren beiden Diktaturen im letzten Jahrhundert „die größte Tragödie heraufbeschworen“. Nun gelte es eine „weitere Tragödie zu verhindern“, die „ebenso tödlich sein könne“. In jeder Zeile hoch emotionalisiert, beschwört er Italien und Deutschland, „die Gemeinschaft und das Wohl aller Völker“ zu bewahren.

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"Ausnahmeregeln und Vergünstigungen"

Was folgt ist eine nicht nur ansatzweise polemische Auflistung von „Ausnahmeregelungen und Vergünstigungen“, die Deutschland  „im Namen der Einzigartigkeit seiner Vergangenheit und gestützt auf die Solidarität der Gemeinschaft“ durch „ausschließlich auf den eigenen Vorteil gerichtetes Verhalten“ erhalten habe.  

Als angebliche deutsche Extrawürste prangert der Autor zum Beispiel die deutsche Währungsunion von 1990 an – „zu nicht marktbezogenen Wechselkursen“. Die damalige Steuererhöhung sei „mit der Stabilität der europäischen Finanzmärkte nicht vereinbar gewesen“. Argumente und die Tatsache, dass dies vor dem Maastrichter Vertrag stattfand, erwähnt der Autor nicht. Vorgehalten wird den Deutschen auch die EU-Ausnahmeregelung, die die Förderung der neuen Länder erlaubt. Dass dieses Geld allein aus deutschen Kassen kommt, wird nicht erwähnt. An anderer Stelle schreibt Classeditori, Deutschland habe „im Gegensatz zu Italien politische Entscheidungen getroffen, die im Lichte der sich aus dem Maastrichter Vertrag ergebenden Verpflichtungen durchaus diskutabel sind, und sich nach und nach vom Referenzwert [der 60-Prozent-Grenze] entfernt. Vorwürfe gegen den deutschen Staat gehen unvermittelt in solche gegen deutsche Banken über. Es habe „nicht den Anschein, als hätte das deutsche Bankensystem auf irgendeine Weise dazu beigetragen, die Risiken der finanziellen Instabilität des gesamten Kontinents zu verringern.“  

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