Schuldenkrise: Keine Stabilität durch Eurobonds

KommentarSchuldenkrise: Keine Stabilität durch Eurobonds

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In der Eurozone wurde schon lange über die Eurobonds gestritten. Jetzt stellt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso drei Optionen für eine gemeinsame Anleihe der 17 Euro-Staaten vor - Eurobonds gehören dazu.

von Silke Wettach

Die angebliche Wunderwaffe „Stabilitätsanleihe“ wird nicht funktionieren, weil kaum jemand eine gemeinsame Anleihe der 17 Eurostaaten kaufen dürfte.

Immer wieder ist in den vergangenen Monaten über gemeinsame Anleihen der Eurozone gestritten worden. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hegt für solche Eurobonds ebensoviel Sympathie wie der italienische Ministerpräsident Mario Monti. Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen lehnt das Konzept konsequent ab.

An diesem Mittwoch legt die EU-Kommission nun erstmals einen Vorschlag auf den Tisch, wie eine solche gemeinsame Anleihe funktionieren könnte. Das Grünbuch, dass EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso präsentieren wird, schlägt drei Optionen für eine gemeinsame Anleihe der 17 Euro-Staaten vor, die von den Beamten euphemistisch „Stabilitätsanleihe“ genannt wird.

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Die Kommission präsentiert die Eurobonds als rasche Lösung: „Die Aussicht auf Stabilitätsanleihen könnte die Schuldenkrise schnell abmildern“, heißt es in einem Entwurf des Papiers, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Doch die Annahme ist naiv. Wahrscheinlich wird es die Eurobonds nie geben, denn mittlerweile hat sich die Situation an den Anleihemärkten so stark zugespitzt, dass sich dafür keine Käufer finden würden. Schlussendlich werden sich die Euroretter eher auf eine Variante einigen, bei der die Europäische Zentralbank als Kreditgeber der letzten Instanz auftritt – auch wenn sich die Bundesregierung noch heftig gegen die Variante sperrt.

Eurobonds statt nationale Anleihen

Die EU-Beamten haben in dem so genannten Grünbuch drei Varianten von Eurobonds untersucht. Die erste sieht vor, dass alle nationalen Anleihen durch Eurobonds ersetzt würden. „Dieser Ansatz wäre am effektivsten, um die Vorteile von Stabilitätsbonds zum Tragen kommen zu lassen“, heißt es in dem Papier. Durch die komplette Umstellung auf Eurobonds entstünde ein sehr großer und homogener Markt für europäische Anleihen.

Das Problem: Für Mitgliedsstaaten schwindet jeglicher Anreiz zur sparsamen Haushaltsführung. Die Finanzmärkte könnten verschwenderische Staaten nicht mehr abstrafen. Die EU-Kommission gesteht ein, dass Länder, die bisher hohe Renditen zahlen in dieser Variante von erheblich niedrigeren Renditen profitieren würden. Gleichzeitig müssten sparsame Länder wie Deutschland mehr bezahlen, wenn sie Kredit aufnehmen. Die Kommission schlägt einen Ausgleich vor, bei dem die Profiteure einen Teil ihrer niedrigeren Zinsenlast an Länder wie Deutschland weiterreichen. Wie das in der Praxis funktionieren soll, bleibt völlig offen.

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