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Schuldenkrise: Lawine des Elends rollt über Griechenland

von Gerd Höhler

Die Wirtschaft bricht ein, Reformen bleiben aus. Athens Politiker können – oder wollen – das Land nicht retten.

Athens Innenstadt ist ein Sinnbild für Griechenlands Absturz. Quelle: dpa
Athens Innenstadt ist zu einem Sinnbild für Griechenlands Absturz geworden. Quelle: dpa

Verwaiste Hotels, geschlossene Geschäfte. Wirre Graffiti überziehen die heruntergelassenen Blechrollläden. Müll liegt in den Straßen. Griechenlands Absturz: Am Athener Omonia-Platz zeigt er sich so krass wie kaum irgendwo. Hier schlug noch bis vor ein paar Jahren das Herz der griechischen Metropole, hier pulsierte das Leben. Heute sind Drogenhandel und Prostitution die einzigen Geschäfte, die hier noch florieren.

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Außer ein paar Touristen, die sich versehentlich hierher verirren, geht niemand mehr freiwillig in diese Gegend. Nicht die Straßenkehrer, die in den Gassen rund um den Omonia-Platz die Spritzen der Junkies zusammenkehren müssen. Nicht die Polizisten in ihren schusssicheren Westen.

Schlange stehen vor den Armenküchen

Und auch nicht Dimitris, wenn das sein richtiger Name ist. Er will zum Haus Nummer 35 an der Piräus-Straße, die vom Omonia-Platz nach Süden führt. Hinter der blauen Holztür des zweistöckigen Gebäudes befindet sich Athens größte Armenküche. Dimitris stellt sich an. Die Schlange vor der Essensausgabe ist lang. Heute gibt es Nudeln mit Hackfleischsoße und zum Nachtisch eine Orange. „Ich bin ganz unten angekommen“, sagt der 58-Jährige. Im September 2010 hat er seinen Job als Kellner verloren. Ein Jahr lang bekam er Arbeitslosengeld. Seit vier Monaten zehrt er von seinen bescheidenen Ersparnissen. „Knapp 300 Euro sind noch auf dem Konto“, sagt Dimitris, „was danach werden soll, weiß ich nicht.“

Die Fehler bei der Euro-Rettung


Rettungsfonds EFSF: Eine kleine Krücke
Die im Mai 2010 als Euro-Rettungsfonds geschaffene European Financial Stability Facility (EFSF) ging mit der Arbeitshypothese ans Werk, sie werde gar nie zum Einsatz kommen. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hofften, allein die Ankündigung, finanzschwachen Staaten zur Seite zu stehen, werde die Finanzmärkte nachhaltig beeindrucken. Doch es kam anders. Die Summe, die der EFSF zur Verfügung stand, ließ die Märkte kalt. Der Versuch, die Mittel der EFSF zu hebeln und das Kreditvolumen auf eine Billion Euro zu steigern, ist kläglich gescheitert. Mittlerweile sind die Investoren so beunruhigt, dass auch eine Versicherung von 20 bis 30 Prozent sie nicht mehr locken kann.

Quelle: dpa

Die Landespleite droht

Auch Lucas Papademos plagen wohl Zukunftsängste. Aber bei ihm geht es um andere Summen. Griechenlands Premier will den privaten Gläubigern einen Verzicht auf die Hälfte ihrer Forderungen abtrotzen. Um 100 Milliarden Euro könnte der griechische Schuldenberg von insgesamt 352 Milliarden Euro damit abgetragen werden. Um die Details des Schuldenschnitts wurde vergangene Woche noch heftig gerungen. Ob er überhaupt zustande kommt, war auch Stunden nach dem EU-Gipfel noch ungewiss.

Auch wie viele der Gläubiger sich beteiligen, zeigt sich allenfalls Ende Februar. Einige Hedgefonds wollen definitiv nicht mitmachen und halten „Griechenland die Pistole an den Kopf“, sagt der US-Hedgefondsmanager Patrick Morris. Viel Zeit bleibt Athen nicht: Am 20. März wird eine Staatsanleihe über 14,4 Milliarden Euro zur Tilgung fällig. Wenn bis dahin der Schuldenschnitt und das neue Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) nicht in trockenen Tüchern sind, ist das Land pleite.

Immer mehr Volkswirte äußern allerdings Zweifel, ob das Land selbst nach einem gelungenen Schuldenschnitt wieder auf die Beine kommen kann. Die Volkswirte der Economist Intelligence Unit rechnen schon damit, dass Griechenlands Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 7,4 Prozent einbrechen wird. Nicht nur die Wirtschaft entwickelt sich schlechter als erwartet, auch der Reformprozess bleibt weit hinter den Erwartungen zurück.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.02.2012, 04:54 UhrAnonymer Benutzer: EinBuerger

    Der name Rettungsschirm ist irreführend. In Wirklichkeit gehts um eine Blutbank für die Südländer-Elite-Vampire.
    Vampire die ihr eigenes Land und deren kleine Bürger aussaugen um dann mehr Blut von den Nachbarn zu fordern.

    Und die Banken sind die Betreiber der Blutbank die hier profit machen wollen.
    Und wir werden von unseren Politikern zum Blutabliefern getrieben.

    Und hier kann man lesen wie diese Elite-Vampire ticken:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article13839686/Die-Italiener-stecken-jeden-Deutschen-in-den-Sack.html

  • 31.01.2012, 18:20 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Was will uns der Artikel sagen? Es gibt nur eine Antwort: Der Euro ist eine gigantische Fehlkonstruktion! Das Schlimme daran: Trotz wirtschaftspolitischer Bestandsaufnahme, Reaktion der Finanzmärkte und Stimmung in der Bevölkerung (in fast aller Ländern) versuchen Politik, Großindustrie und Journalisten uns allen einzutrichtern: Der Euro ist gut. Nur: Die Bürger glauben es nicht mehr...

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