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Schuldenkrise: Muss Merkel jetzt auch Frankreich retten?

von Gerhard Bläske

Mit der Abstufung Frankreichs ist die Schuldenkrise in Kern-Europa angekommen. Der jahrelange Schlendrian der Pariser Regierungen rächt sich jetzt. Auf Deutschland kommen neue Belastungen zu.

Merkel Illustration Quelle: Torsten Wolber
Angela Merkel führt das Volk an. Quelle: Torsten Wolber

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy ist Mario Draghi zu großem Dank verpflichtet. Denn es war der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), der dafür sorgte, dass Frankreich am Donnerstag vergangener Woche, trotz des Verlustes des Triple-A-Ratings bei Standard & Poor’s, Staatsanleihen über acht Milliarden Euro am Markt platzieren konnte – zu erstaunlich niedrigen Zinsen und bei großer Nachfrage der Investoren.

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Grund dafür war allerdings weniger das Zutrauen der Banken in Frankreichs ökonomische Potenz, als vielmehr der übergroße Anlagedruck im Markt. Ende Dezember hatte die EZB den europäischen Banken fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre und zu einem Zins von nur einem Prozent zur Verfügung gestellt. Jeder Staat könne sich nun an die Banken wenden, die über genug Liquidität verfügten, freute sich Frankreichs Präsident über das in der Finanzwelt „Sarko-Trade“ genannte Draghi-Geschenk.

Die Fehler bei der Euro-Rettung


Rettungsfonds EFSF: Eine kleine Krücke
Die im Mai 2010 als Euro-Rettungsfonds geschaffene European Financial Stability Facility (EFSF) ging mit der Arbeitshypothese ans Werk, sie werde gar nie zum Einsatz kommen. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hofften, allein die Ankündigung, finanzschwachen Staaten zur Seite zu stehen, werde die Finanzmärkte nachhaltig beeindrucken. Doch es kam anders. Die Summe, die der EFSF zur Verfügung stand, ließ die Märkte kalt. Der Versuch, die Mittel der EFSF zu hebeln und das Kreditvolumen auf eine Billion Euro zu steigern, ist kläglich gescheitert. Mittlerweile sind die Investoren so beunruhigt, dass auch eine Versicherung von 20 bis 30 Prozent sie nicht mehr locken kann.

Quelle: dpa

Tatsächlich nutzten die Institute den Geldsegen, um die vergleichsweise gut verzinsten Staatsanleihen aufzukaufen. Doch die Euphorie wird nicht lange halten, denn 2012 müssen sich die Euro-Staaten mit insgesamt 800 Milliarden Euro refinanzieren. Weitere 115 Milliarden Euro brauchen die Banken, um die strengeren Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Frankreichs Finanzierungsbedarf beläuft sich für das Gesamtjahr auf 202 Milliarden Euro, der Deutschlands liegt bei 184 Milliarden Euro. Patrick Artus, Chefvolkswirt der Bank Natixis, fürchtet „in den kommenden Monaten eine weitere Herabstufung“. Schon wurden auch die Ratings der Staatsbahn SNCF, der Arbeitslosenversicherung Unedic und des Energieriesen EDF gesenkt. Die Banken könnten bald folgen.

Diagramm: Schuldenstand Quelle: IWF
Diagramm: Schuldenstand (zum Vergrößern bitte klicken) Quelle: IWF

Dabei sind die Folgen der Herabstufung schon jetzt dramatisch genug. „Die Glaubwürdigkeit des Präsidenten, seine Fähigkeit, Dinge zu ändern und Frankreich zu schützen, sind infrage gestellt“, sagt François Miquet-Marty vom Umfrage-Institut Vivavoice. Ausgerechnet zum wirtschaftlich und politisch schlechtesten Zeitpunkt – während einer beginnenden Rezession und kurz vor den Wahlen – müsste Präsident Sarkozy das Ruder energisch herumreißen und seinem Land einen strikten Spar- und Sanierungskurs verordnen. Sonst könnten auch die Finanzmärkte den Daumen senken und Frankreich in Geldnöte bringen. Ein anhaltender ökonomischer Niedergang der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone würde nicht nur Europa und Deutschland mit in den Strudel der Schuldenkrise reißen, sondern könnte am Ende sogar das Ende des Euro bedeuten.

19 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.01.2012, 17:45 UhrAnonymer Benutzer: Daswirdnixmehr

    Komisch, die Verschuldung Deutschlands liegt leicht über der Frankreichs (in % v. BIP); dies scheint hierzulande aber niemanden grossartig zu irritieren. Auch der Umstand, dass die Verschuldung in D lustig weitersteigt und auch dieses Jahr wieder kein ausgeglichener Bundeshaushalt vorgelegt wird scheint keinen zu stören. Dass eine Vielzahl von Städten und Gemeinden bankrott sind und es auch bleiben werden, wen interessiert das ? Aber über die USA, Frankreich, Italien und Griechenland sowieso medial herzuziehen geht immer. Hier wird ganz einfach von der dramatischen und mittlerweile auch wohl hoffnungslosen Lage Deutschlands abgelenkt. Na ja, was solls, hauptsache die Bürger wissen dass es anderen viel, viel schlechter geht- angeblich.

  • 24.01.2012, 10:26 UhrAnonymer Benutzer: cashca

    Schuldenkrise:
    Muss Merkel jetzt auch Frankreich retten?
    ---
    Ja klar, rettet alle,rettet die Welt, rettet die Banken, die Konzerne und und das Geschäft mit allem und jedem.
    Damit ist sicher gestellt, dass dieses Theater möglichst bald endet. Dann ist endlich Ruhe. Damit werden alle dem unvermeidbaren Untergang geweiht sein, dann beginnt das Spiel von vorne.
    Wer alles rettet, rettet am Ende nichts.
    Man kann sich ja dieses traurige Ende fast nur noch wünschen.
    Mit dieser Mannschaft, dieser EU-Führung, wird und kann es keinen Neuanfang geben. Aber genau diesen brauchen wir. Dieser Sumpf ist zu tief, der kann nicht mehr trockengelegt werden.
    Also leute, rettet, rettet zahlt und zahlt- bis zum eigenen Untergang.
    Das wäre fast schon eine Befreiung.

  • 24.01.2012, 09:47 UhrAnonymer Benutzer: PikAs

    Ohne Euro hatten wir auch Frieden. Ohne Euro wären Griechenland und die anderen PFIIGS nicht in dieser desolaten Lage. Arrogante Politiker ignorierten die Geldgesetze. Die Rechnung sollen wir jetzt bezahlen.

    Machen Sie sich bitte erst schlau, bevor Sie das Gelaber der Politik wiederholen. Lesen Sie mal deutsche-mittelstands-nachrichten.de, dr-hankel.de, zerohedge.com und wirtschaftsfacts.de

    Wir können es uns nicht leisten, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und später noch Frankreich und Belgien zu retten.

    Eine Währung funktioniert nur in einem einzigen Staat. 17 unterschiedliche Ökonomien können nicht mit einer Währung arbeiten. Der Euro verzerrt, der Euro hat zu den jetzigen Zuständen geführt.

    Es hilft nur eines, der Euro muss weg! Ansonsten gehen alle in der Euro-Zone pleite. Die Politiker der EU machen handwerklich alles falsch, was man falsch machen kann. Länder wie D mit hochentwickelter Industrie können nicht mit Ländern wie P oder GR, welche von Tourismus und Landwirtschaft eine Währung teilen.

    Es funktioniert nicht und es wird nicht funktionieren. Der bescheidene Euro treibt auch D in die Pleite.

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