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Schuldenkrise: Neue Milliarden für Griechenland?

Langsam bahnt sich eine endgültige Entscheidung an, ob Griechenland im Euro bleibt. Die gesamte Eurozone wappnet sich für einen Austritt Griechenlands. Führende CDU-Politiker lehnen weitere Finanzspritzen ab.

Eine griechische Zehn-Drachmen-Münze (r), fotografiert neben einem griechischen Euro. Quelle: dpa
Eine griechische Zehn-Drachmen-Münze (r), fotografiert neben einem griechischen Euro. Quelle: dpa

Griechenland wird immer mehr zum Fass ohne Boden. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf jüngste Erkenntnisse der sogenannten Troika berichtet, fehlen in den beiden kommenden Jahren nicht 11,5 Milliarden Euro, wie von der Regierung in Athen eingeräumt, sondern bis zu 14 Milliarden Euro. Weitere Hilfen lehnten Finanzminister Wolfgang Schäuble und Unionsfraktionschef Volker Kauder (beide CDU) am Wochenende jedoch ab. Offenbar wappnet sich die Eurozone bereits für einen Austritt Griechenlands aus der gemeinsamen Währung.

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Nach Informationen des "Spiegel" bewertet die sogenannte Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds die griechischen Reformanstrengungen als ungenügend. Die Regierung Samaras habe bislang nicht einmal erklären können, wie sie die Einsparungen von 11,5 Milliarden Euro erreichen wolle. Rund ein Drittel der geplanten Einsparungen sei nicht gedeckt.

Laut "Welt am Sonntag" dringt Frankreich zusammen mit anderen südeuropäischen Ländern darauf, Athen notfalls neue Hilfen zu gewähren, um ein Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion zu vermeiden. Der "Spiegel" berichtete hingegen, dass die Regierungen der Eurozone nach einem Weg suchen, die Finanzierungslücke ohne ein neues Hilfspaket zu überbrücken. Im Gespräch sei, dass die Geberländer Griechenlands einen Rabatt auf die Zinsen für ihre Hilfskredite gewährten oder sich mit einer kompletten Stundung einverstanden erklärten.

Wozu Griechenland sich verpflichtet hat

  • Schuldenabbau

    Griechenland verpflichtet sich, seine Staatsverschuldung bis 2020 auf einen Stand von rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bringen. Erlaubt sind eigentlich nur 60 Prozent.

  • Einsparungen

    Vereinbart sind Einsparungen in den nächsten beiden Jahren in Höhe von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Der Großteil wird erreicht durch Einschnitte bei den Staatsausgaben, die die Größe des Staates reduzieren und seine Effizienz verbessern“, heißt es im Text.

  • Renten

    Athen hat sich zu einer radikalen Reform des Rentensystems verpflichtet. Bis Ende September 2012 sollen die Renten „angepasst“ werden, wobei Bezieher geringer Renten geschützt werden.

  • Öffentlicher Sektor

    Athen muss die Beschäftigung im öffentlichen Sektor bis Ende 2015 um 150.000 Stellen reduzieren.

  • Steuern

    Griechenland vereinfacht sein Steuersystem und hebt Steuerbefreiungen auf - um seine Einnahmen zu steigern. Der Kampf gegen Steuerbetrug wird verschärft.

  • Arbeitsmarkt

    Die Mindestlöhne werden um 22 Prozent gegenüber dem am 1. Januar 2012 geltenden Niveau gesenkt. Regelungen über automatische Lohnzuwächse werden ausgesetzt.

  • Liberalisierung

    Der griechische Staat soll konkurrenzgeschützte Berufe wie etwa Apotheker, Buchhalter oder Makler liberalisieren. In überteuerten Wirtschaftsbereichen muss ausländische Konkurrenz zugelassen werden.

  • Verkehr

    Angegangen werden Fusionen und Privatisierungen - etwa regionaler Flughäfen. Auf dem Strommarkt sollen Netze und Versorgung getrennt werden.

  • Kontrolle

    Die Umsetzung der Reformen überwacht die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF), die vierteljährliche Berichte erstellt.

  • Derzeitige Lage

    Griechenland liegt in der Verwirklichung fast aller Auflagen zurück. Das liegt an der starken Rezession, aber auch am kompletten politischen Stillstand während des Wahlkampfs.

  • Athens Ziel

    Das „strategische“ Ziel Athens sind Neuverhandlungen, um die Sparmaßnahmen um zwei Jahre zu strecken. Die Rückzahlung der gewährten Hilfen soll erst 2017 beginnen. Der neue Premier Antonis Samaras will beim EU-Gipfel Ende Juni in Brüssel mit den EU-Staats- und Regierungschefs darüber reden.

  • Klausel

    In dem Memorandum ist ausdrücklich vorgesehen, die Verpflichtungen Griechenlands zeitlich zu strecken, falls die Wirtschaftskrise sich verschärft. Athen kann laut Text die EU, die EZB und den IWF „konsultieren“, falls die Rezession schlimmer als erwartet ausfallen sollte.

  • Aussicht auf Erfolg

    Bei den Geldgebern ist die Bereitschaft erkennbar, der neuen Regierung mehr Zeit für die Verwirklichung des Reform- und Sparprogramms und die Rückzahlung der Kredite zu lassen. Die Euro-Staaten pochen laut Diplomaten aber darauf, dass Athen seine Schulden langfristig abbaut und strukturelle Reformen umsetzt.

Bundesregierung gegen weitere Finanzspritzen

Die Bundesregierung lehnt ein drittes Rettungspaket ab und wird in dieser Haltung nach Angaben der "Welt am Sonntag" auch von Staaten wie Finnland, Estland und der Slowakei unterstützt. "Natürlich können wir den Griechen helfen, aber wir können nicht verantworten, Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Samstag beim Tag der Offenen Tür der Bundesregierung.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wandte sich gegen weitere Zugeständnisse an Griechenland. Eine Aufweichung der vereinbarten Reformen "in der Substanz" komme nicht in Betracht, sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Er wünsche zwar, dass die Eurozone zusammenbleibe. Der Schlüssel für die Zukunft Griechenlands in der Eurozone liege allerdings in Athen.

Nach Einschätzung von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker gibt es allerdings keinen Grund zu der Annahme, dass es zu einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone kommen könnte. "Es wird nicht passieren. Es sei denn, Griechenland verletzt alle Auflagen und hielte sich an keine Vereinbarung", sagte er der "Tiroler Tageszeitung". Ein griechischer Euroaustritt sei zwar "technisch gestaltbar", politisch aber nicht.

Auch der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnte nachdrücklich vor einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. "Wenn es zu einer Ansteckung Italiens und Spaniens käme, wäre das das Ende des Euro. Die Politik würde die Kontrolle verlieren, denn darüber würden dann die Märkte entscheiden", sagte der frühere Vizekanzler der "Bild am Sonntag".

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.08.2012, 12:22 UhrEuroWahnsinn

    <Finanzminister Ioannis Stournaras :„Wir müssen unter dem (Euro)-Schirm bleiben“, zitierte die Zeitung den Finanzminister. „Nur das wird uns vor einer Armut bewahren, die wir noch nie erlebt haben“, sagte der Minister den Blatt weiter.
    Joschka Fischer:"Wenn es zu einer Ansteckung Italiens und Spaniens käme, wäre das das Ende des Euro.>
    +++++++

    Griechenland muss/will unter dem Euro-Schirm bleiben, damit es vor einer noch nie erlebten Armut bewahrt bleibt. – Deutschland muss raus aus dem Euro aus demselben Grund. -

    Bei Griechenland besteht sogar die Hoffnung, dass es dem Land nach dem Austritt und einer dann abgewerteten Drachme und natürlich großen eigenen Anstrengungen wieder besser geht. Deutschland muss viele Milliarden gewährter Hilfsleistungen abschreiben. Griechenland erhält weiterhin Unterstützung von der EU, und das Land wird sicherlich weiter unterstützt, z. B. im Aufbau einer funktionierenden Finanzverwaltung.

    Was heißt hier Ansteckung von Italien und Spanien? Was hat die Immobilienblase in Spanien mit Griechenland zu tun? Die „Ansteckung“ war der Euro: Es gab im Gegensatz zur Vor-Euro-Zeit viel billiges Geld, und das wurde ausgegeben. Leider wurde zu wenig eingenommen. Jetzt ist das Geld zwar billiger als in der Vor-Euro-Zeit, aber teurer als während der letzten Jahre der Euro-Zeit. Das müssen die Bürger Spaniens und Italiens nun leider büßen: Zwangsanleihen, höhere Steuern, Sozialkürzungen, Strukturreformen.

    Deutschland hatte zur Zeit der Agenda 2010, Sozialkürzungen, Erhöhung des Renteneintrittsalters usw. zu verkraften. Wir arbeiten z. B. bald bis 67, und zahlen seit ca. 20 Jahren eine Solidaritätssteuer.

    Wenn gewünscht, helfen unsere Experten sicher beim Aufbau eines ähnlichen Systems.

  • 20.08.2012, 08:21 UhrZirkus

    Das ganze Schmierentheater läuft weiter wie bisher, vielleicht schmeissen sie zur Scheinwahrung Griechenland mit weiteren Milliardenhilfen aus dem Euro um dann offiziell via EZB und ESM Spanien, Italien und Frankreich das Geld reinzublasen!

  • 20.08.2012, 08:15 Uhrberkmann

    Nach allem, was wir bisher gesehen haben, machen die deutschen Euro-Retter jetzt eine Menge Wirbel, und zahlen am Ende doch wieder alles.
    Weil erstens die heilige Euro-Schulden-Union nicht gefährdet werden darf und zweitens eh nur das Geld der Steuerzahler verschleudert wird.
    Ich wünsche mir immer noch mündige Wähler, welche diese Typen dafür an der Wahlurne zum Teufel jagen.

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