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Schuldenkrise: Peter Bofinger hat Zweifel an der Rettung des Euro

von Bert Losse, Konrad Handschuch, Malte Fischer und Anne Kunz

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger glaubt, dass sich die Zukunft des Euro in den kommenden sechs Monaten entscheidet. „Bleibt die Bundesregierung bei ihrer bisherigen Strategie, hat der Euro keine Zukunft“, sagt er.

Peter Bofinger Quelle: dapd
Peter Bofinger Quelle: dapd

„Bleibt die Bundesregierung bei ihrer bisherigen Strategie, hat der Euro keine Zukunft“, sagte das Mitglied des Sachverständigenrats im Interview mit der WirtschaftsWoche. Um den Euro zu retten, müssten jetzt die Finanzmärkte stabilisiert und eine konjunkturelle Abwärtsspirale verhindert werden, so Bofinger. „Bei beiden Zielen hilft das Maßnahmenpaket der Politik nicht weiter. Es wird frühestens in ein bis zwei Jahren in Kraft treten können. Die Zukunft der Währungsunion entscheidet sich aber in den nächsten sechs Monaten“, warnt der Würzburger Ökonom.

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Um einen Bankrott von Italien und Spanien zu vermeiden, sieht Bofinger die Europäische Zentralbank (EZB) in der Pflicht. Er schlägt vor, dass die EZB künftig für die Langfristzinsen Italiens und Spaniens eine Obergrenze von vier bis fünf Prozent festlegt und durch Anleihekäufe absichert. Dies sei „ein Niveau, das diese Staaten stemmen können.“

Zudem fordert der Ökonom die Einführung von Euro-Bonds: „Für die hoch verschuldeten Euro-Länder wären gemeinsame Anleihen aller Euro-Staaten ein Segen. Wenn es gelingt, wirksame Fiskalregeln in der Euro-Zone zu etablieren, spricht nichts gegen eine gemeinsame Haftung.“ Viele Bundesbürger würden von dieser Lösung laut Bofinger sogar profitieren. „Die derzeitigen Mickerzinsen sind eine Enteignung der deutschen Sparer zugunsten des Staates. Wenn der Zins deutscher Staatsanleihen wieder auf ein normales Niveau von drei bis vier Prozent steigt, profitieren davon die Anleger.“

Einen Ausstieg Deutschlands aus der Währungsunion lehnt Bofinger in der WirtschaftsWoche rigoros ab: „Eine neue D-Mark würde sofort um 30 bis 40 Prozent aufwerten und die Exporte abstürzen lassen. Wir bekämen Deflation. Alle Wettbewerbsvorteile, die wir uns in den vergangenen Jahren mühevoll erarbeitet haben, würden über Nacht weggeblasen.“

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.01.2012, 11:40 UhrAnonymer Benutzer: Walter

    Sicher gehört Bofinger eher zu den "linken Volkswirten".

    Die These, dass nur Subventionen (dauerhafte Transferleistungen) an die stark über ihre Verhältnisse lebenden verschuldeten Euroländer den Euro retten können, ist mit einer vernünftigen ökonomischen Logik nicht nachvollziehbar.
    Transferleistungen können zwar kurzfristig die Finanzmärkte etwas beruhigen, aber man macht sich dann eben auch zum Sklaven der Finanzmärkte. Sobald diese unruhig werden, muss man Geld nachschieben. Mittelfristig werden solche Transfers den Sparwillen der PIGS Länder massiv unterwandern und damit das Ende des Euro einleuten, weil die solideren Länder niemals soviel Geld "nachschieben" können, wie die PIGS Staaten sinnlos verprassen.

    Bofinger scheint mit seinen schlecht begründeten Thesen etwas anders zu bezwecken, als eine Euro- Stabilisierung.

  • 24.12.2011, 18:11 UhrAnonymer Benutzer: bodo

    Selbst der "Vater des Euro" Jacques Delors bezweifelt das Überleben des Euro in einem Interview mit dem "Telegraph", da sich die Politiker nicht an die von seiner EU-Kommission vorgegebenen Richtlinien gehalten hätten.

  • 22.12.2011, 21:47 UhrAnonymer Benutzer: Schlau

    Vertrauen in eine Wärung entsteht nicht dadurch, dass weiterhin
    Schulden angehäuft werden. Durch Eurobonds sinkt der Zinssatz aller
    Schulderländer und der Zinsatz Deutschlands steigt.Unsere Wirtschaft wird ausgebremst und die Schuldnerländer werden den neuen Spielraum zum weitern Schulden machen ausnutzen und den Euro weiter verwessern. Die Einkünfte der Deutschen sind real nicht gestiegen, weil die Inflation die Lohnsteigerung auffrist. Die Hochfinanz interessiert das nicht die verdient ja an weiteren Schulden machen durch den Zinseszins und läßt sich die Verluste vom Steuerzahler bezahlen.
    "Kapital wird durch Sparsamkeit erhöht und durch Verschwendung und Misswirschaft vermindert" sagte Adam Smith.
    Der Wettbewerb mit den großen Industrienationen geht verloren, und für Europa bleibt nur noch Platz auf den Zuschauerrängen.
    Das ist den internationalen Konzernen und der Hochfinanz egal sie sind ja auch die Nutznießer des Euro's.Die einfachen Bürger müssen
    später mit Minirenten zurecht kommen, weil ihre Ersparnisse in marode Anleihen gesteckt wurden.

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