Schuldenkrise: Ratingagenturen widersprechen Euro-Optimisten

Schuldenkrise: Ratingagenturen widersprechen Euro-Optimisten

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EU-Währungskommissar Olli Rehn sieht in der Schuldenkrise den Wendepunkt erreicht. Die Ratingagenturen teilen diesen Optimismus nicht.

EU-Währungskommissar Olli Rehn sieht in der Schuldenkrise den Wendepunkt erreicht. Ende 2013 gehe es aufwärts. Die Ratingagenturen sehen das anders. Sie warnen Europa eindringlich.

Kann Europa noch für positive Schlagzeilen sorgen? Ja, es kann. In der Euro-Krise sei der Wendepunkt geschafft, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn der "Financial Times Deutschland". "Der letzte Krisenhöhepunkt war im Juni rund um die Wahl in Griechenland. Nun haben wir den umgekehrten Trend." Als Beispiel für erfolgreiche Sparpolitik nannte er den Abbau der Haushaltsdefizite im Euro-Währungsraum. Zugleich verteidigte der Kommissions-Vizepräsident die harte Sparpolitik in Staaten wie Griechenland, Portugal oder Spanien.

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Endlich positive Nachrichten aus und über Europa also? So einfach ist es nicht. Denn an der Haltbarkeit der Rehn’schen These bestehen große Zweifel. Mehrere Länder der Eurozone befinden sich tief in der Rezession, in Slowenien und Griechenland genießt die Politik kaum noch Rückhalt – und die Schulden der Länder steigen trotz der Sparbemühungen vieler Länder weiter drastisch an. Selbst der Währungskommissar räumte ein, dass die Daten aus der Realwirtschaft noch besorgniserregend seien, vor allem die Lage am Arbeitsmarkt. Auch dies sei aber die Konsequenz der Entwicklung im ersten Halbjahr. Im Sommer hätten die Regierungen und die Europäische Zentralbank (EZB) die Lage stabilisiert. Nun sei er "weniger pessimistisch, als ich es vor der Sommerpause war".

Glossar Rating-Deutsch

  • Investitionsklasse AAA, AA+, AA, AA-

    Beste Bonität, geringstes Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallsquote nach fünf Jahren beträgt 0,1 Prozent

  • Investitionsklasse A+, A, A-

    Gute Bonität, geringes Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 0,5 Prozent

  • Investitionsklasse BBB+, BBB, BBB-

    Stark befriedigende Bonität, geringes bis mittleres Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 2,0 Prozent

  • Schrottklasse BB+, BB, BB-

    Befriedigende Bonität, mittleres Insolvenzrisiko. Die statistische Ausfallquote nach fünf Jahren beträgt 9 Prozent

  • Schrottklasse B+, B, B-

    Ausreichende Bonität, höheres Insolvenzrisiko. Nach fünf Jahren beträgt die statistische Ausfallquote 20 Prozent

  • Schrottklasse CCC, CC, C

    Kaum ausreichende Bonität, hohes bis sehr hohes Insolvenzrisiko. Nach fünf Jahren beträgt die statistische Ausfallquote 40 Prozent

Die Ratingagentur Moody's teilt den Optimismus nicht. Sie warnt stattdessen vor einem Übergreifen der europäischen Staatsschulden- und Wirtschaftskrise auf Nordeuropa. Noch ginge es den Firmen, die sich vorwiegend im Norden Europas engagierten, besser als denen auf den Märkten im kriselnden Südeuropa, schrieben die Moody's-Analysten in einem am Donnerstag in London veröffentlichten Bericht. Doch es wachse die "Gefahr einer Ausweitung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten von den südeuropäischen Staaten auf die Länder Nordeuropas", hieß es in dem Ausblick für 2013.

Moody's hatte als Folge der anhaltenden Krise in Europa bereits in diesem Jahr die Bonität zahlreicher Branchen und Unternehmen herabgesetzt. Auch 2013 dürfte dem Bericht zufolge die Zahl der Herabstufungen die der Heraufstufungen übersteigen.

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