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Schuldenkrise: Schrumpfende Wirtschaft

Schuldenkrise: Slowenien verkauft sein Tafelsilber

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Schrumpfende Wirtschaft

Griechenland: Die Lohnstückkosten sinken

Stillstand in Griechenland? Nicht ganz. Bei der Sanierung der Staatsfinanzen hat Athen durchaus Erfolge vorzuweisen: Um sechs Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt wurde das Haushaltssaldo in nur zwei Jahren verbessert. Eine solche Konsolidierungsleistung hat kein anderes Euro-Land geschafft. Und im ersten Halbjahr liegt Griechenland beim Defizitabbau sogar vor dem Plan. Auch dem Ziel, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, kommt das Land näher: Die Lohnstückkosten sind seit 2009 rückläufig. Aber bei den Strukturreformen, die für eine international konkurrenzfähige Wirtschaft zumindest ebenso bedeutend sind, bleibt noch viel zu tun.

Die Auslandsverschuldung, Staat und Unternehmenssektor zusammengenommen, ist zuletzt auf 116 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gestiegen. Das Haushaltsdefizit lag im vergangenen Jahr bei 6,4 Prozent. Rund 18 Prozent der Bankkredite gelten als notleidend. Anfang 2010 waren es noch fünf Prozent. Die Zahl der Unternehmenspleiten ist im zweiten Quartal um 24 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. In diesem Jahr wird der Zwergstaat mit kaum mehr als zwei Millionen Einwohnern in die Rezession schlittern. Um rund ein Prozent dürfte die Wirtschaft schrumpfen. Zwischen 2002 und 2008 expandierte das BIP noch um durchschnittlich 4,4 Prozent pro Jahr.

Die größten Unternehmen Sloweniens

  • Petrol

    Petrol ist ein Mineralölkonzern, das über keine eigenen Produktionskapazitäten verfügt (Förderung, Raffinerie) sondern ausschließlich handelt. Dennoch ist es das umsatzstärkste Unternehmen Sloweniens. Dank seiner Marktführerschaft im Großhandel als auch im Tankstellengeschäft erwirtschaftete Petrol zuletzt einen Umsatz von 2,86 Milliarden Euro.

  • Mercator

    Die börsennotierte Handelskette musste 2011 einen Gewinnrückgang hinnehmen. Die Einnahmen brachen um 22,5 Prozent auf 23,5 Millionen Euro ein. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 5,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Für Mercator, das Filialen in Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien und Albanien unterhält, arbeiten fast 24.3000 Menschen, davon 9.959 in Slowenien.

  • HSE

    Der staatliche Energiekonzern HSE (Holding Slovenske elektrarne) wurde erst im Juli 2001 gegründet. HSE erwirtschaftete 2011 mit 1,36 Milliarden Euro den drittgrößten Umsatz aller slowenischen Unternehmen. Das Unternehmen ist unter anderem auch in Bulgarien und Ungarn aktiv.

  • Revoz

    In Slowenien arbeiten viele Automobil-Zulieferer. Es gibt aber nur ein slowenisches Unternehmen, das Auto herstellt: Revoz. Die Aktiengesellschaft mit rund 2600 Mitarbeitern befindet sich zu 100 Prozent im Besitz von Renault. In der Stadt Novo mesto werden unter anderem der Renault Twingo II und der Renault Wind gebaut. Revoz machte 2011 einen Umsatz von 1,13 Milliarden Euro.

  • KRKA

    Das weltweit agierende Pharmakonzern wurde 1954 gegründet und nach dem slowenischen Fluss Krka benannt. 2010 beschäftigte die Aktiengesellschaft über 8000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Es ist damit das fünfgrößte slowenische Unternehmen, liegt aber mit einem Nettogewinn von 150,4 Millionen Euro (2011) in der Gewinn-Rangliste auf Rang eins.

Zwar hat die Regierung eine Reihe von Sparmaßnahmen beschlossen. So werden die Renten und das Arbeitslosengeld sinken. Außerdem kürzt die Regierung die Gehälter im öffentlichen Dienst um drei Prozent. Auf diese Weise soll sich die Lücke im Haushalt in diesem Jahr auf vier Prozent verringern. „Doch das wird nicht reichen, um das Land aus der Krise zu führen“, sagt Raiffeisen-Analyst Brezinschek.

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Darum sollen nun Investoren aus dem Ausland die Staatskasse füllen. Drei Viertel der Anteile der größten Bank des Landes, der Nova Ljubljanska Banka (NLB), will die Regierung veräußern. Das Kreditinstitut schiebt 1,5 Milliarden Euro fauler Kredite vor sich her. Ähnlich will der Staat mit der Triglav-Versicherung, einer der größten auf dem Balkan, verfahren. Für eine Beteiligung am Telekomkonzern Telekom Slovenije hatte die Deutsche Telekom über ihre Ungarn-Tochter vor vier Jahren schon einmal Interessen angemeldet. Jetzt hofft die slowenische Regierung, dass die Deutschen zugreifen.

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„Zu wenig, zu spät“ bewerten Experten den Rettungsversuch. „Wer kauft denn in diesen Zeiten eine überschuldete slowenische Bank“, fragt Brezinschek. Dazu kommt: Selbst wenn bei einigen Unternehmen die Entstaatlichung gelingen sollte, kann der Staat immer noch in die Geschäfte der Firmen reinreden. Ob bei den Banken, der Adria Airways oder dem Mineralölkonzern Petrol: Der Staat behält sich überall eine Minderheitsbeteiligung vor.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.08.2012, 07:50 UhrWegweiser

    Leider kann man wieder an diesem Beispiel erkennen, zu welchen Fehlsteuerungen und zu welchen Marktverwerfungen diese Einheitswährung geführt hat. Bubbleökonomie, Vermögenspreisinflation, unkontrollierte Kreditausweitungen, da gehört in vielen Euroländern zur Realität (Slowenien, Irland, Spanien).

    Hätte jedes Euroland noch einen eigene Währung, so hätte es diese Entwicklungen nicht gegeben. Der zeitnahe und marktkonforme Wechselkurs hätte früh- und rechtzeitig die entsprechenden Marktsteuerungsmechanismen zur Anwendung gebracht (Preisbildung, Angebot und Nachfrage, Kapitalabflüsse und Kapitalzuflüsse, Kaufkraftenwicklung, Sparverhalten etc.).

    Und mit dieser europäischen Einheitswährung wurden alle marktwichtigen Steuerungselemente ausgeschaltet, das Zinsniveau nivilliert und sogar umgedreht.

    Zum Glück gibt es ja die EZB und die Rettungsfonds, bald sicherlich auch noch eine gemeinsame Bankenunion mit einer gemeinsamen Haftungseinlagensicherung. Wer dann weiterhin zahlen muss und alles alternativlos retten kann, ist heute schon klar.

  • 25.08.2012, 23:30 UhrChlodwig

    Mist, was soll das? Noch vor 2 Wochen las man
    im Spiegel noch von paradiesichen Zuständen in Slowenien
    und was die alles tun dafür. Und nun dies.
    Wem soll man da jetzt noch glauben?

  • 25.08.2012, 18:16 Uhrallesverloren

    Aus ostdeutscher aber auch westdeutscher Erfahrung weis man, es gibt kein Tafelsilber. Es gibt aber Mitarbeiter, Gewerkschaften, Manager und Politiker, die sich in die Kuschel-Ecken aus Tafelsilber gemütlich eingerichtet haben.

    Schaut man genau hin, besteht Tafelsilber aus versteckten Lasten (Umweltschäden, Überschuldung, Subventionsverbrauch, Pensionslasten, etc.). In der Regel ist Tafelsilber für die Gesellschaft nicht nur nutzlos, sondern schädlich.

    Also, verkaufen, abwickeln oder Abrissbirne. Das sind die besten Alternativen. Eine schlechte Alternative ist es, aus Tafelsilber "Leuchttürme" zu machen. Das kostet den Steuerzahler ein Vermögen, vernichtet Wohlstand und fördert die Korruption.

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