Schuldenkrise: Schuldenstaaten diktieren Merkel ihre Regeln

Schuldenkrise: Schuldenstaaten diktieren Merkel ihre Regeln

von Tim Rahmann

Der EU-Gipfel hat sich auf einen Fiskalpakt geeinigt. Doch er hat mehr Hintertüren als verträglich. Deutschland könnte von Südeuropas Pleiteländern endgültig ausgespielt werden.

Eines hat Wirtschaftsminister Philipp Rösler mit seiner missglückten Andeutung, Griechenland brauche einen Sparkommissar von Außen, dann doch geschafft: Das Thema Griechenland war – anders als zunächst geplant - Thema beim EU-Gipfel, wenn auch nur am Rande.

Die große Mehrheit der 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union kritisierte den Rösler-Vorschlag als inakzeptabel und unglücklich. Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann sprach gar von einer Beleidigung. Gegenvorschläge gab es aber leider keine. Die vermeintlichen Euro-Retter blendeten das Thema Griechenland abseits der Sparkommissar-Debatte größtenteils aus.

Anzeige

Dabei ist die Frage, wie das Land – falls überhaupt noch möglich – gerettet werden kann, existenziell für den Euro wie für Europa. Die Hellenen stolpern von einem Tiefpunkt zum nächsten.

Athen braucht mehr Geld, dennoch schweigen die Gipfelteilnehmer

Zwar hat die Troika, bestehend aus Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalem Währungsfonds (IWF), ihren Bericht über die Sparanstrengungen Griechenlands noch gar nicht komplett fertig. Doch schon jetzt ist klar, dass die bisher im zweiten Hilfspaket vorgesehenen Mittel für Griechenland schlicht und einfach nicht ausreichen werden. Da sich die wirtschaftliche Lage noch einmal verschlechtert hat, braucht Griechenland noch einmal zusätzlich zwischen zehn und 20 Milliarden Euro. Statt der Ende Oktober beschlossenen 130 Milliarden Euro braucht das Land von seinen Unterstützern mindestens weitere 145 Milliarden Euro. Zumal die notwendigen Anpassungen derzeit noch verschleppt werden, da die Staatsanleihen- und staatlich garantierten Bankanleihenkäufen den Reformdruck milden. Griechenland kann sich deshalb immer noch keine Leistungsbilanzdefizite leisten. Durch die üppige Liquidität konsumieren die Griechen immer noch zu viel.

„Unter diesen Gesichtspunkten müssen wir feststellen: Europa muss Griechenland noch weitere zehn bis 20 Jahre alimentieren“, sagte Ansgar Belke, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online.

Doch statt über Perspektiven, Spardiktate und Reformen für Griechenland zu sprechen, verabschiedeten die Staats- und Regierungschefs in Brüssel nach stundenlangen Diskussionen den Fiskalpakt. Leider nicht, ohne in vorher weichzuspülen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%