Schuldenkrise: Showdown in Brüssel

Schuldenkrise: Showdown in Brüssel

Quelle:Reuters

Heute entscheidet die Eurogruppe über das Rettungspaket für Athen. Jetzt kommt Jörg Asmussen mit Aufstockungswünschen für den ESM um die Ecke.

„Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn!“ - Vielen Investoren dürfte das Zitat aus Goethes Faust aus der Seele sprechen. Seit Monaten hält der Poker um weitere Milliarden für Griechenland die Anleger in Atem und zerrt an deren Nerven. Am Montag nun soll die Eurogruppe in Brüssel über neue Hilfen im Volumen von mindestens 130 Milliarden Euro entscheiden. Für den Aktienmarkt dürfte dieses Votum die Richtung vorgeben.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass die Eurozone am Montag das zweite Hilfspaket für Griechenland billigen werde. Schäuble bestätigte dem „Tagesspiegel“, dass die Euro-Gruppe ein Sonderkonto einrichten wolle, über das künftig die Hilfszahlungen an Griechenland abgewickelt werden. Dieses Konto werde „Priorität für den Schuldenabbau“ sicherstellen. Öffentlich hatte sich Athen
zuletzt noch gegen ein derartiges Sperrkonto gewehrt, das einem Eingriff in die Haushaltssouveränität des Landes gleichkommt.

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Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

  • IWF

    Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

    Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

  • ESM (Bareinzahlung)

    Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

    Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

  • ESM (Bürgschaften)

    Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

    Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

  • IWF-Rettungsplan für Griechenland

    Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

    Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

  • EU-Rettungsplan für Griechenland

    Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

    Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

    Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

    Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

  • Gesamt

    Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

    Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hat sich für eine Aufstockung des finanziellen Schutzwalls der Euro-Länder gegen die Staatsschuldenkrise ausgesprochen. „Die Europäer sollten über das hinausgehen, was schon da ist“, sagte Asmussen der „Financial Times Deutschland“. Die Frage sei, wie man das Volumen des für den Sommer geplanten Rettungsschirmes ESM von 500 Milliarden Euro aufstocken könne. „Wir bei der EZB würden es unterstützten, wenn man die rund 250 Milliarden Euro an nicht verbrauchten Mitteln aus dem EFSF auch künftig nützen würde“, sagte er. „So könnten wir auf 750 Milliarden Euro kommen“.
Damit setzte sich Asmussen von der Position der Bundesregierung ab. Sie beharrt darauf, dass der ESM und der zeitweise parallel laufende EFSF zusammen die Obergrenze von 500 Milliarden Euro einhalten sollten. Vor allem der Internationale Währungsfonds, aber auch die USA und viele andere außereuropäische Partner fordern eine kräftige Erhöhung der europäischen Hilfeinstrumente, wobei von Gesamtumfängen bis zu zwei Billionen Euro die Rede ist.

Der griechischen Bevölkerung sprach Schäuble seine Hochachtung und sein Verständnis für die Wut über die Entbehrungen angesichts des drastischen Sparkurses aus. Er kritisierte aber zugleich, dass Athen Hilfsangebote von Deutschland nicht annehme. „Wir stehen seit geraumer Zeit bereit, den Griechen mit Finanzbeamten beim Aufbau einer effizienteren Steuerverwaltung zu helfen. Das Angebot wird bis heute nicht genutzt“, sagte Schäuble.

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