Schuldenkrise: Slowenien verkauft sein Tafelsilber

Schuldenkrise: Slowenien verkauft sein Tafelsilber

von Matthias Kamp

Das einstige Musterland steckt in der Krise. Jetzt will es seine Staatskonzerne verkaufen. Aber keiner will sie haben.

Die Fluggesellschaft Adria Airways war einst Sloweniens Stolz. Schon vor der Wende flogen viele Kunden aus dem nahen Österreich mit Adria ins westliche Europa, denn die Tickets waren günstig. Das bekam auch der Airline – 1989 konnte sie sich ihren ersten Airbus leisten, und in den Jahren darauf flog das Staatsunternehmen ordentliche Gewinne ein. Vor mehr als zwei Jahren schließlich stieg Adria Airways in den prestigeträchtigen Airline-Verbund Star Alliance auf.

Doch da hatte der Sinkflug bereits begonnen. Vor zwei Jahren meldete Adria Airways Schulden in Höhe von 86 Millionen Euro. 2011 musste die Regierung das Unternehmen mit 50 Millionen Euro retten. Inzwischen sollen die Schulden einen dreistelligen Millionenbetrag erreicht haben. Jetzt will Sloweniens Regierung die Gesellschaft privatisieren. Von knapp 75 Prozent der Anteile will sich der Staat trennen. Drei Investoren haben angeblich bereits Interesse angemeldet.

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Wissenswertes über Slowenien

  • Große Berge, kleine Küste

    Das kleine Slowenien hat vier Nachbarn: Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien. Trotz seiner relativ kleinen Staatsfläche von gut 20.000 Quadratkilometern ist es sehr vielseitig. Im Norden ist die Landschaft alpin, hier befindet sich auch der höchste Berg: der 2864 Meter hohe Triglav. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die nur 46,6 Kilometer lange Adria-Küste.

  • Regierungschefs haben’s schwer

    Seit seiner Unabhängigkeit 1991 hat das Land schon sieben Premierminister verschleißt. Das ergibt eine durchschnittliche Amtszeit von 2,6 Jahren.

  • Achtung, Bären

    In Slowenien lebt eine der größten Populationen des Braunbären in Europa. Es soll zwischen 500 und 700 Exemplare geben.

  • Krieg auf europäischem Boden

    Der Kampf für die Unabhängigkeit Sloweniens 1991, auch bekannt als 10-Tage-Krieg, war der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der kurzen Dauer gab es 76 Opfer zu beklagen.

  • Die älteste Flöte der Welt

    Die zumindest 45.000 Jahre alte und in Slowenien gefundene Neandertaler-Flöte ist eines der ältesten Musikinstrumente der Welt.

  • Speisesaal in der Tiefe

    Der Speisessaal des Kohlebergwerks in Velenje, 160 Meter unter der Erdoberfläche, ist der am tiefsten gelegene Speisesaal in Europa. Der Raum ist ungefähr 15 Meter lang, dort gibt es zwölf Tische, an denen 48 Menschen essen können.

  • Höchster Schlot Europas

    In Slowenien befindet sich der höchste Industrieschornstein Europas. Der Schornstein des Wärmekraftwerks in Trbovlje ist 362 Meter hoch. Mit der ungewöhnlichen Höhe wollte man die Luftverschmutzung in niedrigeren Luftschichten verhindern.

  • Todesmutiger Extremsportler

    Der Slowene Davo Karničar ist als Erster vom höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest, mit Skier hinab gefahren. Karničar war auch der erste Mensch der Welt, der alle höchsten Gipfel auf sieben Kontinenten mit Skiern bezwang.

  • Der älteste Weinstock der Welt

    In Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, wächst der älteste Weinstock der Welt. Obwohl die „Alte Rebe“ über 400 Jahre alt ist, werden aus ihren Trauben alljährlich noch immer 25 Liter Wein der autochthonen Weinsorte Žametovka („Blauer Kölner“) hergestellt.

Die Airline ist nicht das einzige Unternehmen, für das die slowenische Regierung zurzeit fieberhaft nach Käufern sucht. Den Telekomdienstleister Telekom Slovenije, den Mineralölkonzern Petrol, auch Anteile an einer Großmolkerei und einer Hotelgruppe will die Regierung möglichst schnell loswerden. Sloweniens Staatskasse ist leer, viele Unternehmen sind überschuldet, Banken ächzen unter faulen Krediten. Mit der Angst im Nacken, schon bald unter den europäischen Rettungsschirm flüchten zu müssen, sucht Slowenien sein Heil in einer radikalen Kehrtwende seiner Wirtschaftspolitik.

Währungsunion Sloweniens Euro-Alptraum

Das kleine Adria-Land boomte – bis zur Einführung des Euro. Die Gemeinschaftswährung weckte Begehrlichkeiten und verleitete zu Größenwahn. Nun steht das einstige Musterland vor einem Scherbenhaufen.

Quelle: dpa/Montage

„Anders als andere Länder der Region hat Slowenien nach der Wende großen Wert darauf gelegt, dass alle Schlüsselindustrien in staatlicher Hand bleiben“, sagt Peter Brezinschek, Chefanalyst bei Raiffeisen International in Wien. Neue Technologie kam dank dieser Abschottung nicht ins Land. Jetzt sind die Firmen abgewirtschaftet, Sloweniens Produktivität ist niedrig; nirgendwo in der Region sind die Lohnstückkosten so hoch wie in dem kleinen Adrialand.

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